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Elf Aquitaine



Elf Aquitaine ist ein ehemaliges französisches Mineralölunternehmen, das auch unter dem Markennamen ELF bekannt ist.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

  Bis zum Ersten Weltkrieg gab es in Frankreich keine nationale Erdölpolitik. Zu Beginn des Krieges erkannte die französische Regierung jedoch die Bedeutung von Öl zur Kriegführung. Ohne Öl bzw. Benzin flogen weder Flugzeuge, noch rollten LKW oder bewegten sich Artillerietraktoren. Zwar beruhte das Transportwesen während des Ersten Weltkrieges in Frankreich, Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland noch in sehr weitem Maße auf der Eisenbahn, aber die Bedeutung von Öl und Benzin war bereits erheblich.

Beteiligung an der irakischen Förderung

Die Regierung begriff schnell die strategische Bedeutung des Erdöls und suchte mit amerikanischer Hilfe nach einer geeigneten und soliden Basis zur Ölversorgung. Nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg beteiligte sich Frankreich anstelle Deutschlands mit 25% an der Turkish Petroleum Company, die kurz darauf in Irak Petroleum Company umfirmierte.Seitdem erhielt Frankreich 1 Mio. Jahrestonnen Rohöl von dieser Gesellschaft.

1924 wurde die Compagnie Française de Pétrole (CFP) gegründet, die wiederum eine Tochtergesellschaft mit dem Namen Compagnie Française de Raffinage (CFR) gründete, aus der später die Total-Gruppe entstand. Diese beiden Gesellschaften erhielten von der französischen Regierung die Verantwortung für das Frankreich zustehende irakische Rohöl.

Förderung in Aquitanien

Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, etwa 1937 betrug der französische Verbrauch ungefähr 5 Mio. Jahrestonnen, von denen ca. 40 % aus dem Irak stammten. Der Rest kam aus den USA, Venezuela und Rumänien. Gleichzeitig erteilte der Staat zwischen 1920 und 1935 öffentlichen und privaten Stellen umfangreiche Genehmigungen zur Erkundung, die zwei erfolgversprechende Regionen ergaben: Landes und die Atlantikregion der Pyrenäen. Dank der Hartnäckigkeit entdeckte man 1939 ein Gasfeld in Saint-Marcet in der Region Aquitanien in Südwestfrankreich, das daraufhin von der schnell gegründeten Régie Autonome des Pétroles (RAP) ausgebeutet wurde.

Bei Kriegsbeginn wurde die Direction des Carburants (DICA) geschaffen, um den Ölsektor treuhänderisch zu übernehmen. Mit dieser Gründung lancierte man die Förderung in allen Winkeln, jedoch speziell im Südwesten. Um alle diese Prospektionen zu überwachen, wurde eine andere Gesellschaft im November 1941 gegründet, die Société Nationale des Pétroles d'Aquitaine (SNPA).

Bei Kriegsende 1945 wurde die Prospektion und Exploration wieder aufgenommen, jetzt jedoch nicht mehr nur im Mutterland, sondern auch im Kolonialreich (aus dem kurz danach die Union Française wurde). Dazu wurde das Bureau de Recherches de Pétrole (BRP) gegründet. Letzteres diente dazu, ein nationales Programm zur Erdölsuche zu managen. Die BRP wurde bald zur Holding für alle Beteiligungen des Staates in der Branche (SNPA, SNPLM, La Chérifienne des Pétroles).

1951 entdeckte die SNPA in Lacq (Béarn) eine Lagerstätte zunächst von Erdöl, später auch Erdgas. Dieses Gas enthält bis zu 15 % Schwefel und 10 % Kohlendioxid, die mit einem Druck von 670 bar austreten. Das Erdöl wird zur Total-Raffinerie La Mède befördert, während das Gas vor Ort weiterverarbeitet wird. Deshalb ist die Region Lacq zu einer Gasverarbeitungsregion mit Anlagen zur Entschwefelung geworden. Anfangs wurde der Schwefel als ein unerwünschtes Produkt angesehen, aber inzwischen wurde es zu einer sehr geschätzten Einnahmequelle.

Afrikanische Förderstätten

Obwohl die Suche nach Erdöl im großen französischen Kolonialreich, insbesondere in Afrika bereits 1877 begonnen hatte, erbrachte sie bis 1932 keine Resultate. Die internationale Gesellschaften zogen sich aus der riesigen, unwirtlichen Sahara-Wüste zurück.

Glücklicherweise waren einige Experten, unter ihnen Conrad Kilian, überzeugt, dass der Untergrund der Sahara Erdölreserven verbergen müsste. 1922 und 1927/28 entdeckte er im Norden des Hoggar und in der Zentralsahara geologische Strukturen, die für Erdöl in Frage kommen.

Ein anderer geologischer Experte, Nicholas Menchikoff, hatte einige Jahre später geschrieben, dass der Sandstein einiger Sahararegionen die Formation von Lagerstätten besitze.

1946 wurde in Zusammenarbeit zwischen der BRP und der algerischen Regierung die Société Nationale de Recherche et d'Exploitation de Pétrole en Algérie (S.N. REPAL) gegründet, dessen Sitz sich in Hydra, der Oberstadt von Algier befindet. Mit der Gründung dieser Gesellschaft begann 1948 die geologische Forschung in Zusammenarbeit mit CFP in der Region Timimoun, Beni-Abbès und In-Salah, jedoch ohne Resultat.

1950 wurde die Westsahara ebenso wie die Region Reggane erforscht. 1952 erhielt die S.N.REPAL zusammen mit der CFP eine Konzession über eine Fläche von 116.000 km². 1953 einigte sich die CREPS, eine Gesellschaft, an der RAP die Mehrheit und Shell 35% hielt über eine Fläche von 140.000 km². Weitere Konzessionen wurden Shell eingeräumt, so dass eine Fläche von insgesamt mehr als 600.000 km², größer als das französische Mutterland zur Erdölexploration bewilligt wurde.

Anfangs wurde kein Erdöl gefördert. Aber 1953/54 entdeckte die CREPS am Djebel Berga Erdgas. Im Januar 1956 wurde in Edjeleh Erdöl entdeckt, im Juli des gleichen Jahres kamen Hassi Messaoud und im November Hassi-R'Mel dazu. Die Funde wurden von CREPS, S.N.REPAL und der CFP Algérie gemacht. Im Süden von Hassi Messaoud, in El Gassi entdeckte die SNPA Ende der 1950er Jahre ebenfalls Lagerstätten. Diese Funde reduzierten nach und nach die Abhängigkeit Frankreichs vom Erdöl des Nahen Ostens um 90% in jener Epoche. Alle diese Fundstätten ermöglichten Frankreich, dessen Produktion bei 14 Mio. Jahrestonnen lag, 45 % seines nationalen Verbrauchs bis 1960 zu decken.

Der Aufbau einer eigenen französischen Raffineriegesellschaft

Frankreich besaß jedoch bis zu diesem Zeitpunkt keine eigenen Raffinerien. An der Spitze von BRP fanden sich die « corpsards » wie der frühere Gründer des französischen Auslandsgeheimdienstes DGSE und spätere Verteidigungsminister Pierre Guillaumat, Paul Moch und Yves Delavesne. Wenn man also nicht den aus dem Erdölboom resultierenden Gewinn an die internationalen Gesellschaften Shell, Exxon, BP und Mobil Oil "verschenken" wollte, musste man eine eigene Erdölindustrie und -distribution aufbauen. Dazu bediente man sich eines Gesetzes von 1928, nach dem alle ausländischen Gesellschaften verpflichtet werden konnten, bevorzugt nationales Erdöl zu verarbeiten und zu verkaufen. Zur Enttäuschung der internationalen Gesellschaften und der Total wurde das BRP beauftragt, eine Gesellschaft zur Raffinerie und Distribution zu gründen.

Aus der Fusion der S.N.REPAL, der RAP und der Groupement des Exploitants Petrolièrs (GAP) wurde die Union Générale des Pétroles (UGP) gebildet, die die übrigen so wenig wie möglich abschrecken und ohne privaten Vorteil arbeiten sollte.

Die GAP wurde im Juni 1960 gegründet von:

  • der SNPA mit 40% Anteil
  • der Société des Pétrole d'Afrique-Equatoriale Française (SPAEF) ebenfalls mit 40% Anteil
  • der Compagnie d'Exploration Pétrolière (CEP) mit einem Anteil von 15%
  • der Société de Prospection et d'Exploitation Pétrolière en Alsace (PREPA) mit 5% Anteil

Alle diese großen und kleinen Gesellschaften mit staatlicher Beteiligung wurden bei Gründung der UGP vereinigt. Die S.N.REPAL brachte außerdem eine Beteiligung an der Union Industrielle des Pétroles (UIP) mit Sitz in der Hauptstadt an der Place Vendôme in die UGP ein, an der fortan die UGP mit 60% und die California & Texas Oil Company (Caltex) mit 40% beteiligt war.

Die UGP besaß zusammen mit Caltex eine veralte Raffinerie in Ambès (Gironde) mit einer Verarbeitungskapazität von 1,3 Mio. Jahrestonnen, 1.385 Verkaufsstellen, 183 offizielle Tankstellen, 4 Tanker mit 67.500 dwt (dead weight ton) und einer kleinen Beteiligung an der zukünftigen Pipeline Société du Pipe Line du Sud Européen (SPLSE). Die SNPA brachte ebenfalls ihre kleine départementelle Vertriebsorganisation mit ein.

Bei einer Rohölmenge von 14 Mio. Jahrestonnen war eine Verarbeitungskapazität von 1,3 Mio. Jahrestonnen in der veralteten Raffinerie von Ambès wirklich kein Grund zur Zufriedenheit für die UGP, so sehr die internationalen Gesellschaften auch in der Öffentlichkeit ein großes Geschrei erhoben. Deshalb plante die UGP 1961 die Errichtung einer hochmodernen Raffinerie in der Region Lyon.

1964 ging die Raffinerie Feyzin mit einer Anfangskapazität von 6.000 Jahrestonnen in Betrieb. Sie war von Anfang an für die Destillation der Sahara-Melange konzipiert und war zu jener Zeit eine der modernsten Raffinerien Europas. Später wurde der Komplex Feyzin durch zwei Direktdestillationseinheiten vergrößert, die mit einer Dampfcrackeinheit zur Produktion von 280.000 Jahrestonnen Äthylen verbunden war, um neben Äthylen auch Propylen und Butadien liefern zu können - Ausgangsstoffe für die Herstellung von Plastikmaterialien und anderen Derivaten.

Die UGP erwarb Anteile an weiteren modernen Anlagen und Gesellschaften in anderen Regionen Frankreichs, Europas und des Rests der Welt:

  • Raffinerie in Reichstett, Elsass mit einem Anteil von 10%,
  • Raffinerie Albatros in Antwerpen, Belgien gemietet mit einer Verarbeitungskapazität von 800.000 Jahrestonnen,
  • Raffinerie in Klarenthal (Beteiligung)
  • Raffinerie in Speyer, 1963 errichtet,
  • Raffinerie in Dakar, Senegal (Beteiligung),
  • Raffinerie in Cagliari, Sardinien (gepachtet)
  • Raffinerie in Madagaskar
  • Raffinerie in Sianoukville (Kambodscha) (Bau),
  • Raffinerie in Grandpuits (1967 in Betrieb genommen)
  • Raffinerie in Gargenville, Vexin (1968 in Betrieb genommen).

und nach der Übernahme der Marke Antar 1970 (41% für Elf, 24 % für CFP und seine Gesellschaften) wurden andere Raffinierien gekauft:

  • Raffinerie in Herrlisheim
  • Raffinerie in Hauconcourt
  • Raffinerie in Valencienne
  • Raffinerie in Vern-sur-Seiche
  • Raffinerie in Donges

Ende der 1970er Jahre verfügte die UGP über 22 Raffinerien.

Im Dezember 1965 wurden RAP und BRP zur Entreprise de Recherches et d'Activités Pétrolières (ERAP) fusioniert. ERAP führte die SNPA, die Union Générale des Pétroles (UGP) und die Union Industrielle des Pétroles (UIP) als Tochterunternehmen. Erstmalig kontrollierte diese Organisation alle Stufen von der Lagerstättenerkundung, über die Erdöl- und -gasförderung, die Raffinerie bis hin zum Tankstellennetz.

Der Aufbau einer zentralen französischen Vertriebsgesellschaft

Seit ihrer Gründung 1960 akquirierte die UGP eine Reihe kleinerer Vertriebsgesellschaften:

  • La Mure Union mit der Marke La Mure,
  • Solydit Union mit der Marke Solydit,
  • Benzin und Brennstoffe, die unter der Marke Avia verkauft wurden,
  • Die Compagnie Française de produits pétrolifères (CFPP) mit der Marke Caltex.

Es ist offenkundig, dass mit den inzwischen verschwundenen Marken Antar, Avia, Caltex, Solydit, ButaFrance, ButaLacq... die Betriebsführung nicht einfach war und der Kundenauftritt der Produkte überflüssige Ausgaben erforderte. Deshalb wurden die verschiedenen Vertriebsgesellschaften unter dem Dach der Union générale de distribution (UGD) verschmolzen. Es war dringend erforderlich, die verschiedenen Marken unter einem einzigen und einheitlichen Banner zusammenzufassen.

Zu Beginn der 1960er Jahre traten die übrigen großen Gesellschaften mit neuen Slogans auf, wie:

  • « C'est Shell que j'aime » (dt. Es ist Shell, das ich liebe) für Shell,
  • « Le Tigre d'Esso » (dt. Der Tiger von Esso) für Esso France,
  • Total seine Nachttankstellen eröffnete,

Antar stellte weiterhin die technische Qualität seiner Schmiermittel in den Vordergrund. Caltex spielte die Jugendkarte mit dem Vertrieb von Porträts von Idolen dieser Epoche.

ERAP, die Dachgesellschaft von UGP und UGD musste einen Markennamen finden, der einfach, leicht auszusprechen und gleichzeitig vielversprechend war. Im Sommer 1964 wurde eine Reihe von verschiedenen Kombinationen aus drei, vier oder fünf Buchstaben entwickelt, von denen im Dezember 1965 fünf übrig blieben: Ritm, Alzan, Elf, Elfe und Elan. Letztlich fiel die Wahl auf ELF, einen einfachen, leicht zu merkenden Namen, der mit der Zahl elf nichts zu tun hat und keine Artikelabkürzungen enthält. Er lässt sich allerdings auf Grund seiner Buchstabenfolge in allen europäischen Sprachen ohne Schwierigkeiten aussprechen. Ideal also für einen Artikel, den man in diesen Ländern vertreiben möchte.

Aber ein Name reichte zur Präsentation einer Marke nicht, es bedurfte eines neuen Logos. Die Grafiker präsentierten letztlich einen stilisierten Bohrmeißel mit einer blauen und einer roten Seite, der in der Mitte weiß bleibt, Symbol der französischen Flagge.

Die Vorbereitungen zur Fusion wurden im Oktober 1966 abgeschlossen. Von da an wurde eine geradezu militärische Logistik aufgebaut, um die früheren Marken durch die neue zu ersetzen. Die Herausforderung war enorm:

  • Umbau aller 4.500 Verkaufspunkte in einer Nacht,
  • Information des Personals unter Wahrung des Geheimnisses bis zum Tag « jour J »,

Bis zum Januar 1967 waren die wichtigsten Arbeiten auf einem abgelegenen Bauernhof abgeschlossen und sollten erprobt werden: Vier Tage später wurde eine Tankstelle an einer Nationalstraße im neuen Design für einen Film mit Mireille Darc ausgestattet.

Aber die größte Herausforderung lag in der Information, Mobilisierung und Begeisterung von 12.000 Mitarbeitern hinter der neuen Marke. Am 27. April 1967 um 18 Uhr wurden die ungleichen Marken und Produkte unter der Marke ELF vereinigt und die SNPA mit der ERAP zur Elf-ERAP fusioniert.

Während der ganzen Nacht wurden alle Techniker und Angestellten der Gruppe aufgeboten, um jeweils eine vorher ausgewählte Tankstelle mit den neuen Markenzeichen auszustatten und den Wechsel vor Morgengrauen abzuschließen, so dass die Morgenzeitungen ihre Reportagen machen konnten. Es sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass bis in die 1980er Jahre Tankstellen in Frankreich unter den Markenzeichen von Antar und Avia weiter fortgeführt wurden. In der Schweiz wird das Tankstellennetz noch 2005 unter dem Markennamen Avia weiter betrieben.

Von da an trat die UGP unter dem Namen ELF Union und die UGD unter dem Namen ELF Distribution auf. Gleichzeitig arbeitete ELF mit Matra Sport bei Wettbewerbsautos zusammen. 1969 gewann der britische Formel 1-Pilot Jackie Stewart vom Rennstall ELF-Matra die Weltmeisterschaft.

Elf Aquitaine und die Politik

1976 wurde die Elf-ERAP in Société National Elf Aquitaine (SNEA), später in Elf Aquitaine umbenannt.

Unter dem Elf-Präsidenten Loïk Le Floch-Prigent von 1989 bis 1993 arbeitete dessen Vertrauter Alfred Sirven als Direktor für Allgemeine Angelegenheiten, der zusammen mit André Tarallo als Monsieur Afrique in Genf eine Filiale Elf Aquitaine Internationale (EAI) unterhielt, über die große Bestechungsgelder für diverse afrikanische Aktivitäten gezahlt wurden. Richterliche Untersuchungen u.a. der französischen obersten Untersuchungsrichterin des Pariser Palais de Justice, Eva Joly, deckten eine weitere Tochtergesellschaft in Genf auf, die 1980 gegründete Rivunion, die für Le Floch-Prigent seine schwarze Kasse in der Schweiz war. Bei der Übernahme der spanischen Raffinerie Ertoil von kuwaitischen öffentlichen Stellen, die im Zusammenhang mit dem Zweiten Golfkrieg 1990 schnell Geld benötigten, wurde offenbar der irakische Milliardär Nadhmi Auchi zwischengeschaltet, der Ertoil nach nur vier Monaten an den spanischen Konzern Cepsa weiterverkaufte, an dem Elf Aquitaine mit 34 % beteiligt war. Rechte Hand von Auchi war der spanische Politiker und Geschäftsmann Daniel de Busturia. Bei der Übernahme sollen bis zu FF 54 Mio. Kommissionen geflossen sein.

In Deutschland wurde Elf Aquitaine unter anderem auch im Zusammenhang Übernahme der Leuna-Werke und des Minol-Tankstellennetzes durch die so genannte Leuna-Affäre Anfang der 1990er Jahre bekannt.

Beim Engagement von Elf Aquitaine in Usbekistan sollen ebenfalls Kommissionen an Präsident Islom Karimov geflossen sein, von denen ein Teil an eine Freundin des damaligen Präsidenten François Mitterrand, die Romanschriftstellerin Françoise Sagan gegangen sein sollen, die dafür vor Gericht stand.

Bereits in den 1960er Jahren wurde nach verschiedenen französischen Medienberichten von Elf an Politiker in Afrika große Geldbeträge für Wahlkämpfe, aber auch zur Anschaffung von Waffen zur Verfügung gestellt. Zeitweilig soll Elf die legale Tarnung für nachrichtendienstliche Aktivitäten Frankreichs in Afrika gewesen sein. Le Floch-Prigent drückte es bei Gericht so aus: "1962 überzeugte Pierre Guillaumat General de Gaulle, eine parallele Struktur von Öltechnikern zu schaffen. Durch die Gründung von Elf zusätzlich zu Total erhofften sich die Gaullisten den Aufbau eines säkularen Zweigs des [französischen] Staates in Afrika... einer Art permanenten Ölministeriums... einer Art Nachrichtendienstes in den ölfördernden Staaten."

Elf bot den gaullistischen Präsidenten die ideale Tarnung und die finanziellen Ressourcen für politische und militärische Operationen in französischen Interessengebieten in Afrika. Die Vorstände des Ölkonzerns betrachteten die gaullistischen Machthaber als ihre einzigen legitimen Herren und erwarteten deren Rückkehr zur Macht. Dabei finanzierten sie sogar Versuche, die Autorität des nichtgaullistischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing zu schwächen. Elf bestimmte und entfernte Politiker in Gabun, Kamerun, Angola und im Kongo und dehnt seinen Einfluss in das ganze frankophone Afrika aus. Selbst in englischsprachigen Länder wie Nigeria soll Elf großen Einfluss gehabt haben. Auch in Usbekistan und Venezuela soll Elf politische Ambitionen besessen haben. Dabei tauchte der Name des Präsidenten von Gabun, Omar Bongo auf, dessen diskreter Berater kein geringerer als Alfred Sirven gewesen ist. Mit der Hilfe von Omar Bongo erhielt der Ölkonzern Zutritt zur OPEC, beteiligt sich am illegalen Handel mit Atomtechnologie. Omar Bongo kassierte von der Elf-Raffinerie Sogara in Port-Gentil in Gabun am 21. Januar 1992 persönlich in Libreville in bar Francs CFA 100 Mio., der Währung von 14 frankophonen westafrikanischen Staaten. Alle großen französischen Parteien erhielten von Elf Spenden.

In der Ära Mitterrand diente der größte Konzern Frankreichs als Instrument wirtschaftlicher und politischer Einflussnahme Frankreichs im Ausland. Doch anders als seine Vorgänger habe Mitterrand sich nicht auf das nationale Argument beschränkt, sondern nach der Clanlogik von Räubern einen Teil der Beute für seine Partei und seine Gefolgsleute gefordert. Die Gaullisten sollten nicht zu kurz kommen, aber alle Parteien sollten etwas vom Kuchen abbekommen. Im Gegenzug konnten einzelne Vorstandsmitglieder private Vermögen anhäufen. Mitterrand soll sich laut Le Floch-Prigent laufend über die Zahlungen und den Stand der Verhandlungen unterrichten lassen und die Zahlungen persönlich angewiesen haben. Dazu seien umfangreiche Schwarze Kassen in der Schweiz angelegt worden, die über Liechtensteiner Briefkastenfirmen und Kontaktleute, wie Dieter Holzer ihre Zuwendungen verteilten.

1991 wurde Elf Aquitaine an der New Yorker Börse New York Stock Exchange erstmals gehandelt. Nachfolger von Le Floch-Prigent wurde Philippe Jaffré. 1996 verkaufte die französische Regierung ihre Anteile, behielt jedoch eine goldene Aktie. Das Unternehmen fusionierte 2000 mit TotalFina zu dem neuen Unternehmen TotalFinaElf.

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Elf_Aquitaine aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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