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Forschungsreaktor München II



Der Forschungsreaktor München II (FRM II, offiziell „Forschungsneutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz“) in Garching bei München ist der derzeit (2007) leistungsstärkste Deutsche Forschungsreaktor. Der FRM II wird als "Zentrale Wissenschaftliche Einrichtung", die keiner Fakultät zugeordnet ist, von der Technische Universität München (TUM) betrieben.

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Inhaltsverzeichnis

Baulichkeiten

Der Reaktor liegt auf dem Campus der TUM in unmittelbarer Nähe seines Vorgängers, des ersten deutschen Forschungsreaktors FRM-I (in Betrieb 1957-2000). Der unter Denkmalschutz stehende markante Kuppelbau des FRM-I, bekannt geworden als Garchinger Atomei, soll eventuell nach Ausbau der nuklearen Anlage als zusätzliche Experimentierhalle für den FRM-II genutzt werden.

 

Baulich besteht der FRM II aus dem Reaktorgebäude, zwei Neutronenleiterhallen und Nebengebäuden mit Büros, Werkstätten und Laboren. Das Reaktorgebäude enthält den eigentlichen Kernreaktor sowie die um diesen herum liegende "Experimentierhalle" mit verschiedenen Einrichtungen, die über Strahlrohre mit Neutronen versorgt werden. Die beiden Leiterhallen werden über Neutronenleiter mit Neutronen versorgt.

Kerntechnik

Das Reaktorkonzept folgt Grundideen, die erstmals um 1970 am 55-MW-Hochflussreaktor des Institut Laue-Langevin in Grenoble umgesetzt wurden. Innovativ ist am FRM II vor allem die Verwendung einer dichteren Uranverbindung. Diese Verbindung war ursprünglich entwickelt worden, um existierende Forschungsreaktoren ohne unverhältnismäßige Leistungseinbußen von hoch- auf niederangereichertes Uran umzustellen. Am FRM II ermöglicht die Kombination einer hohen chemischen Urandichte mit einer hohen nuklearen Anreicherung einen besonders kompakten Reaktorkern und dadurch ein besonders hohes Verhältnis von Neutronenfluss zu thermischer Leistung.

Nutzung

Der FRM II ist optimiert für Neutronenstreuexperimente an Strahlrohren und Neutronenleitern. Daneben gibt es Einrichtungen für Materialbestrahlungen, medizinische Bestrahlungen und kernphysikalische Experimente.

Die Experimentiereinrichtungen werden nicht vom FRM II selbst betrieben, sondern von verschiedenen Lehrstühlen der TU München sowie von anderen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die zu diesem Zweck Außenstellen auf dem Gelände des FRM II unterhalten. Die größte solche Außenstelle mit über 20 Mitarbeitern ist das Jülich Center for Neutron Science des Forschungszentrums Jülich.

Geschichte

Die Grundsatzentscheidung für den Neubau eines Forschungsreaktors wurde vorbereitet, als in den 1980er Jahren Pläne zum Bau einer nationalen Spallationsneutronenquelle scheiterten. 1981 wurde mit Vorstudien für einen Kompaktkern für eine neue Mittelflussquelle begonnen, ab 1984 standen Projektmittel zur Verfügung. 1989 bis 1992 erfolgte die Begutachtung, zuletzt durch den Wissenschaftsrat, der den Bau des FRM II mit hoher Priorität empfahl.

Die Entscheidung zum Bau des FRM II wurde von verschiedenen Seiten aus verschiedenen Gründen kritisiert. Seit Erteilung der 1. Teilerrichtungsgenehmigung am 29. April 1996 wurde jede einzelne Genehmigung gerichtlich angefochten; alle Einsprüche wurden letztinstanzlich abgewiesen. Ein von Gegnern initiierter Bürgerentscheid, mit dem eine knappe Mehrheit der Garchinger ihre Stadtverwaltung aufforderte, gegen die Inbetriebnahme des Reaktors einzutreten, hatte keine nachhaltige Wirkung. Nach Ausreizen aller gesetzlichen Prüfungsmöglichkeiten musste Bundesumweltminister Jürgen Trittin (der die Bundesaufsicht über das eigentlich für den Vollzug des Atomrechts zuständige Land Bayern ausübte) 2003 letztlich die 3. Teilerrichtungsgenehmigung, die im Wesentlichen aus der Betriebsgenehmigung besteht, abzeichnen.

Neben Sicherheitsbedenken (Austritt von Strahlung oder Kernschmelze) wurde vor allem die besondere Gefährdung durch die Nähe (etwa 10 km) zum Münchner Flughafen genannt. Um dieser Gefährdung zu begegnen, wurde die Reaktorhalle mit einer meterdicken Betondecke gebaut. Nachdem die Bauentscheidung gefallen war, konzentrierte sich die Kritik auf die Verwendung von hochangereichertem und damit im Prinzip atomwaffentauglichen Uran. Die derzeit gültige Betriebsgenehmigung enthält die Auflage, mittelfristig auf einen noch zu entwickelnden Brennstoff umzustellen, der durch noch höhere chemische Urandichte einen niedrigeren nuklearen Anreicherungsgrad ermöglicht.

Der Reaktor wurde von der Siemens AG gebaut und kostete über 400 Millionen Euro. Er wurde am 2. März 2004 erstmals angefahren und erreichte am 24. August 2004 die Nennleistung von 20 MW. Am 21. Oktober wurde er von Siemens an die TU München übergeben; seit April 2005 befindet er sich im Routinebetrieb.

Koordinaten: 48° 15' 57" N, 11° 40' 33" O

 
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