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Hauptdolomit



  Als Hauptdolomit wird in der Geologie und Petrografie die in den nördlichen und südlichen Kalkalpen vorherrschende Art des Dolomit-Gesteins bezeichnet, dessen Schichten oft große Mächtigkeit erreichen, meist über einem Kilometer; stellenweise, wie im Seefelder Becken, sogar zwei. Seine Ablagerung erfolgte in einem Zeitraum von etwa 223-210 Millionen Jahren während der Norischen Stufe der Oberen Trias. Chemisch besteht er v.a. aus Calcium-Magnesiumcarbonat.

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften

Das Gestein ist von hellgrauer oder bräunlich-grauer Farbe und deutlich geschichtetem Aufbau. Wie alle Dolomitgesteine ist es ausgesprochen spröde. In den Nordalpen ist es intensiv gefaltet und besitzt daher kleinräumig wechselnde Kluftrichtungen. In den Südalpen, wo das Gestein weniger gefaltet ist, können sich bei günstigem Verlauf der Klüfte eindrucksvolle Berge entwickeln, die berühmten Dolomiten. Seine hohe Resistenz gegen Abtragung bedingt die Bildung vieler markanter und mächtiger Gipfel. Es ist ein Hauptgipfelbildner der Kalkalpen. Aufgrund seiner starken Zerklüftung ist der Hauptdolomit der stärkste Schuttbildner der Alpen. Gewaltige Schutthänge und ebene Schuttflächen im Talbereich zeugen davon. Die Klüfte sind oft nachträglich mit Calcit verheilt, erkennbar an weißen Adern im Gestein.

Verwendung

Der Hauptdolomit wird, da er "billig" und etwas härter als Kalk ist, als Baumaterial (z. B. als Untergrund für den Straßenbau) verwendet, auch als Streusplitt für Gehwege ist er bekannt. Die Sprödigkeit des Gesteins lässt allerdings nur wenige Anwendungen als "Schotter" im technischen Sinn zu. Das kluftenreiche Gestein ist auch für die Versorgung mit Trinkwasser von Bedeutung. Wenn seine Schichtungen durch die alpidische Gebirgsbildung zu größeren Mulden gefaltet wurden, folgt ihnen der Verlauf des Grundwassers; so kann auch in unklaren Quellgebieten das unterirdische Einzugsgebiet abgeschätzt werden.

Weitere Lokalnamen

In Italien wird der Hauptdolomit entsprechend als "dolómia principále" bezeichnet. Da er in den Südalpen meist weniger bituminös und hellfarbiger ist und auch seine Bankung häufig gröber wirkt als die oft kleinräumige Schichtung des Nordalpinen Hauptdolomits, wird dasselbe Gestein gelegentlich auch als "Dachsteindolomit" bezeichnet, da es hier dem gleichaltrigen Dachsteinkalk außerlich ähnlicher ist. Ein weiterer Lokalname ist "oberer Ramsaudolomit", er wird aus Bequemlichkeit dort verwendet, wo es schwierig ist, den Dolomit des Nors von den darunterliegenden älteren Dolomiten der Mitteltrias abzugrenzen.

Vorkommen

Zahlreiche hohe Gipfel der Allgäuer und Lechtaler Alpen, darunter die berühmten Hochvogel und Mädelegabel, die Erlspitzgruppe an der Seefelder Seite des Karwendels. Große Mengen kommen auch in den Vorbergen vor, sowohl auf der bayrisch-österreichischen Seite wie auf der italienischen Seite der Alpen. Die berühmtesten Berge sind die Brentagruppe und die östlichen Dolomiten (Tofane, Drei Zinnen, Antelao, Civetta...).

Bayrisch-Nordtiroler Hauptdolomit

Im engeren Sinne wird der Name "Hauptdolomit" für das bayrisch-nordtiroler Faziesgebiet verwendet. Dort ist der Hauptdolomit meist stark bituminös, beim Zerklopfen riecht er nach Asphalt ("Ichthyol"); und er ist auch durch relativ dünnbankige Schichtung (im Meterbereich) und erhöhte Tongehalte gekennzeichnet. Stellenweise wurden besonders asphaltreiche Partien zur Gewinnung von "Ichthyol" abgebaut, etwa bei Seefeld (Tagebau und Stollen), bei Vorderriß (Stollen). Ein auffälliges Ölschieferflöz von ca. 1m Mächtigkeit liegt westlich oberhalb des Bahnhofs Ehrwald. Diese Abbaue sind alle stillgelegt (das "Ichthyol" wird heute aus jurassischen Mergeln im Bächental nördlich des Karwendels gewonnen).

In früheren geologischen Zeiten dürften im bayrisch-nordtiroler Hauptdolomit beträchtliche Mengen Öl und Gas vorhanden gewesen sein; wahrscheinlich ist das alles während der Faltungsphasen der Kreidezeit schon entwichen. Es gibt allerdings noch heute einige Gasquellen, von denen beispielsweise eine am Almsee in Oberösterreich auf den Hauptdolomit zurückgeführt wird. Der noch heute überall vorhandene Asphalt ist sozusagen "der letzte Rest". Neuerdings werden die anaeroben Bedingungen im Sediment auch zur Erklärung der Dolomitisierung mit herangezogen.

Weiteres

  • Mineralogie:

Zur Mineralogie von Dolomit allgemein siehe Dolomit (Mineral) sowie die englische Wikipedia über "Dolomite". Über das lange gehegte Problem der Dolomitisierung wird auch dort eingegangen.

  • Geografisch (von West nach Ost):
    • Hauptdolomit des Lechquellengebirges
    • Hauptdolomit-Übergang zum Dachsteinkalk
    • ungegliederter Dolomit (siehe auch Hallstätter Kalk)
    • Hallstätter Dolomit
    • Ramsaudolomit

Siehe auch:

Sediment des Ostalpin, Brekzie

  • Mesozoikum, Perm, Karn, Nor
  • Dolomiten, Allgäu, Reichenhall, Kalkalpen, Karst,

Links

  • englischsprachiger Artikel über Dolomitisierung, Van Lith et.al. (ETH Zürich)
  • Hauptdolomit bei Rigaus
  • Sedimentgefüge im Hauptdolomit
  • Strukturgeologie beim Listsee, Bad Reichenhall
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Hauptdolomit aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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