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Kriegsrohstoffabteilung



Die Kriegsrohstoffabteilung (KRA) war eine im Ersten Weltkrieg gegründete Abteilung des preußischen Kriegsministeriums, das die Verteilung wichtiger Güter und Rohstoffe koordinieren sollte.

Inhaltsverzeichnis

Ausgangslage

Schon vor Beginn des Ersten Weltkriegs wurde in der englischen Presse offen über eine Blockade der deutschen Seehäfen diskutiert, mit der die Mittelmächte im Kriegsfall an der Einfuhr von Lebensmitteln und Rohstoffen gehindert werden sollten. Doch in Erwartung eines schnellen Siegs über die Entente-Staaten hatten die deutschen Militärstrategen für eine langfristige Versorgung der Industrie mit Rohstoffen keinerlei Vorkehrungen getroffen.

Gründung

Nur wenige Zeitgenossen hatten wie der Industrielle Walther Rathenau und sein Mitarbeiter Wichard von Moellendorff erkannt, dass ein moderner Krieg auch als Wirtschaftskrieg geführt wird und ohne zentrale Bewirtschaftung aller kriegswichtigen Güter und Rohstoffe nicht zu gewinnen war. Ihrer Anregung folgend verfügte der preußische Kriegsminister Erich von Falkenhayn am 13. August 1914 die Errichtung einer seinem Ministerium angegliederten Kriegsrohstoffabteilung (KRA) und ernannte den AEG-Aufsichtsratsvorsitzenden Walther Rathenau zu deren Leiter, der diese Position bis zum 1. April 1915 besetzte. Ein für das Deutsche Reich vollkommen neues konzept war die Eingliederung von zivilen Fachleuten aus der Wirtschaft in eine Behörde des Kriegsministeriums. Dadurch sollte die fehlende Sachkompetenz unter den Militärs ausgeglichen werden.

Nach Rathenau leitete Major Joseph Koeth die KRA als Vertrauensmann der Schwerindustrie. Stellvertreter und gleichzeitiger Leiter der Elektrizitätswitschaftsstelle in der KRA war Georg Klingenberg, Direktor und Aufsichtsratsmitglied der AEG. Der KRA und ihrem Industriestellenbeirat gehörten ferner an:

  • Emil Kirdorf, (Rheinisch-Westfälsiches Kohlensyndikat, Gelsenkirchner Bergwerks AG, Disconto-Gesellschaft, Deutsche Waffen- und Munitionsfrabriken)
  • Paul Reusch (Heniel-Konzern)
  • Hermann Röchling (Röchlingsche Eisen- und Stahlwerke GmbH, Brown, Boveri & Cie, Internationale Bohrgesellschaft)
  • Hugo Stinnes (Stinnes-Werke, Rheinisch-Westfälsiches Kohlensyndikat, Gesenkirchner Bergwerks AG, Stahlwerksverband, Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff-AG)
  • August Thyssen (Thyssen-Konzern, Rheinisch-Westfälisches Kohlensyndikat, Stahlwerksverband, Rheinsich-Westfälische Elektrizitätswerke)
  • Kurt Sorge (Krupp-Werke)

Da die anderen Bundesstaaten dem preußischen Kriegsministerium die Federführung bei der Rohstoffbewirtschaftung zusprachen, erhielt die KRA zwar faktisch den Charakter einer Obersten Reichsbehörde, aber bei ihrem Bemühen um eine vorrangige Versorgung der Rüstungsindustrie mit Rohstoffen geriet sie vor allem anfangs häufig in Konflikt mit dem Reichsamt des Innern, das - durch das Gesetz vom 4. August 1914 legitimiert - auf die Versorgung der Zivilbevölkerung größeres Gewicht legte.

Die KRA, als Militärorgan mit Exekutivgewalt ausgestattet, war Zentrale und Leitungsorgan für die Kriegsrohstoffgesellschaften, mittels derer sie die Erzeugung, Erfassung und Verteilung von rund 300 kriegswichtigen Rohstoffen, von Maschinen, Kohlen, Metallen, Sprengstoffen, Transportmitteln, die Ausschaltung von behindernden Konkurrenten, den Ausbau der Produktionsstätten für Kriegsmaterialien auf Kosten des Staates, die Festlegung von Monopolpreisen und den Einsatz von Arbeitskräften lenkte.

Eine erste stichprobenartige Erhebung aller vorhandenen Rohstoffe durch die KRA bei 900 Firmen hatte ergeben, dass die Vorräte an kriegswichtigen Rohstoffen nach Beginn der britischen Seeblockade nur etwa ein halbes Jahr reichen würden. Daraufhin wurden zunächst bei rund 5.000 Firmen alle Metallvorräte in Form von Verfügungsbeschränkungen beschlagnahmt, um sie der Rüstungsindustrie zuzuführen.

Weiterer Kriegsverlauf

Als der Kriegsverlauf eine lange Kriegsdauer immer wahrscheinlicher machte, erfasste die KRA zwischen Frühjahr 1915 und Sommer 1916 alle in Deutschland vorhandenen Rohstoffe und überwachte deren Verarbeitung. Während Rathenau zur Sicherung der Rohstoffversorgung mehr Gewicht auf die - völkerrechtswidrige - Requisition von Rohstoffen in den okkupierten Gebieten legte, entwickelte Moellendorff ein Konzept zur staatlich gelenkten Mangelbewirtschaftung, auf dessen Grundlage in einer Mischung aus staatlichem Dirigismus und industrieller Selbstverwaltung für rund 200 Wirtschaftsbereiche eigene Kriegsrohstoffgesellschaften gebildet wurden. Unter Kontrolle der KRA oblag diesen Gesellschaften als Selbstverwaltungskörperschaften der entsprechenden Industrien die unternehmerische Verwaltung und Verteilung der Rohstoffe.

Um die Produktion der Rüstungsindustrie trotz des immer größer werdenden Rohstoffmangels zu sichern, musste einerseits der Verbrauch gesenkt und andererseits die Rohstofferzeugung um nahezu jeden Preis gesteigert werden. Während der Senkung des Verbrauchs aufgrund der militärischen Gegebenheiten äußerst enge Grenzen gesetzt waren, gab es mehrere Möglichkeiten zur Steigerung der Rohstofferzeugung: Zum einen nahmen viele erst kurz zuvor aus Rentabilitätsgründen stillgelegte Betriebe ihre Produktion wieder auf, zum anderen förderte die KRA die Entwicklung von Ersatzstoffen, etwa durch das Haber-Bosch-Verfahren und andere rohstoffsparende Produktionsverfahren.

Fazit

Auf Dauer konnte die bis 1918 auf 2.500 Mitarbeiter angewachsene KRA die deutsche Kriegsfähigkeit nicht sichern. Auch eine noch so gut organisierte Verwaltung des Mangels konnte den überlegenen Ressourcen der Alliierten nichts Gleichwertiges entgegensetzen.

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Kriegsrohstoffabteilung aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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