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Optisches Gitter



 

Optische Gitter, auch Beugungsgitter genannt (nicht zu verwechseln mit den in der Atomphysik verwendeten optischen Gittern aus Laserlicht), bestehen aus einer großen Zahl von Längsstrukturen in gleichmäßigem Abstand:

  • Spalten in intransparentem Material oder Strichen auf einer transparenten Platte (Draht-, Spalt- oder Strichgitter)
  • Gräben oder Rillen auf einer reflektierenden Fläche (Reflexionsgitter)

Das Licht der Einzelspalte interferiert und bildet ein Interferenzmuster. Optische Gitter werden u.a. in Monochromatoren, Spektrometern, bei Lasershows und bei der Verstärkung kurzer Laser-Impulse hoher Leistung eingesetzt.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Bauformen

Für verschiedene Anwendungen gibt es Gittertypen wie Amplitudengitter, Phasengitter, Transmissions- und Reflexionsgitter.

Transmissionsgitter

Drahtgitter

1820 benutzte Joseph von Fraunhofer Drähte, die er dicht nebeneinander spannte. Ebenso wirken feine Gewebe (z.B. Kaffeefilter aus Polyamid-Gewebe).

Ein Drahtgitter ist auch das oben abgebildete Röntgenbeugungsgitter.

Drahtgitter können auch bei Mikrowellen, Millimeterwellen, Teraherztstrahlung und im mittleren/fernen Infrarot zum Einsatz kommen, sie besitzen dann entsprechend große Gitterkonstanten

Röntgenbeugung

Die Beugung und Interferenz von monochromatischer Röntgenstrahlung an den Atomen eines Festkörpers kann zur Kristallanalyse genutzt werden. Die monochromatische Röntgenstrahlung selbst wird ebenfalls durch Beugung und Interferenz an Kristallen erzeugt.

Strichgitter

Strichgitter bestehen aus auf Glasplatten aufgebrachten parallelen schwarzen Streifen oder Metallstreifen. Die Gitterstrukturen können auf dem Wege der Holografie bzw. durch Interferenz des der Belichtung dienenden Lichtes direkt in Fotolack auf metallbeschichtetem Glas oder Kunststoff erzeugt werden. Man ist somit nicht auf Fotolithografie von einer Maske angewiesen und kann sehr kleine Gitterkonstanten erzeugen.

Reflexionsgitter

Reflexionsgitter bestehen aus parallelen Gräben oder Rillen in einer Spiegelfläche. Sie sind effizienter als Transmissionsgitter, da nahezu die gesamte Strahlungsleistung in das Interferenzmuster bzw. das Spektrum gelangt.
Dabei werden mittels eines Diamants in eine Metalloberfläche parallele Rillen geritzt.
Der Physiker Henry Augustus Rowland verbesserte 1882 die Herstellung von in Metall geritzten Reflexionsgittern entscheidend: Er erhöhte die Herstellungspräzision und fertigte erstmals konkave Gitter.

Die Massenfertigung ist durch Herstellen eines Replikats möglich. Dabei wird ein mit Diamantwerkzeugen in einer Metalloberfläche hergestelltes Mastergitter durch Abformen in Thermoplast und Beschichten mit Metall vervielfältigt. Die Fertigung gleicht derjenigen einer CD-ROM.
Man ist nicht auf den hochpräzisen spanenden Herstellungsprozess angewiesen und kann optische Gitter in reproduzierbarer Qualität herstellen.

Auch Reflexionsgitter können durch Fotolithografie holografisch oder durch Abbildung einer Maske hergestellt werden. Vorteile der fotolithografisch erzeugten Gitter ist neben dem Kostenaspekt in der Regel auch ein niedrigerer Streulichtanteil.

Dennoch besitzen die mechanisch hergestellten (geritzten) Gitter Vorteile für spezielle Anwendungen, so z.B. höhere Effizienz in engen Wellenlängenbereichen, höhere mechanische Festigkeit und höhere Strahlungs-Belastbarkeit (siehe auch Chirp).

In Monochromatoren werden häufig so genannte Blazegitter eingesetzt. Dies sind speziell geformte (Reflexions-)Gitter mit optimierten Winkeln der Spalten, die möglichst viel Licht in eine bestimmte Beugungsordnung lenken sollen. Dies ist vorteilhaft, da bei herkömmlichen Gittern der Hauptanteil der Leistung in die nullte Ordnung gelangt und damit ungenutzt bleibt.

Monochromatische Röntgenstrahlung wird durch flache Reflexion an einem Kristall gewonnen; die regelmäßig nahe der Kristalloberfläche angeordneten Atome wirken als Reflexionsgitter.

Funktion

  Licht, das auf ein Beugungsgitter auftrifft, wird vergleichbar zum Doppelspaltexperiment gebeugt, die so entstehenden Elementarwellen interferieren und bilden so ein Gitterspektrum.

Im Gegensatz zu den Spektren von Einzelspalt und Doppelspalt werden die Hauptmaxima jedoch mit steigender Gitterkonstante schärfer abgebildet, die Nebenmaxima werden zahlreicher, aber schwächer. Somit steigt das Auflösungsvermögen.

Die Intensitätsverteilung ist

I_\alpha = I_0 \frac{\sin^2(\pi \cdot d \cdot \sin \alpha \cdot \lambda^{-1})}{(\pi \cdot d \cdot \sin \alpha \cdot \lambda^{-1})^2} \frac {\sin^2(N \cdot \pi \cdot g \cdot \sin \alpha \cdot \lambda^{-1})}{\sin^2(\pi \cdot g \cdot \sin \alpha \cdot \lambda^{-1})}.

Für die Hauptmaxima gilt

\lambda = \frac{g \cdot \sin \alpha_n}{n}

mit

g: Gitterkonstante
n=1,2,3,\dots: Ordnung des Maximums
N: Anzahl der Gitterspalte
αn: Ablenkungswinkel der Beugungsordnung n.

Der Ausdruck für die Intensitätsverteilung ergibt sich dabei durch Multiplikation der Fouriertransformierten eines Gitters aus Deltadistributionen

\mathcal{F}\left(\sum_{n=0}^{N-1}\delta(x-ng)\right)=\frac {\sin^2(N \cdot \pi \cdot g \cdot \sin \alpha \cdot \lambda^{-1})}{\sin^2(\pi \cdot g \cdot \sin \alpha \cdot \lambda^{-1})}

mit der Intensitätsverteilung eines Einzelspaltes. Dies liegt am Faltungstheorem, das es ermöglicht, die Fouriertransformation der Faltung in zwei einzelne Fouriertransformationen aufzuspalten.

Das Auflösungsvermögen eines Gitters ergibt sich nach dem Rayleigh-Kriterium somit zu \frac{\lambda}{\Delta\lambda}=nN

Anwendungen

Optische Gitter werden in optischen Messeinrichtungen zur Monochromatisierung (Monochromator) und Analyse der Spektren (optisches Spektrometer) eingesetzt. Ebenso werden damit Laser frequenzstabilisiert (siehe Bragg-Reflektor, DFB-Laser) und deren Nachverstärkung bei hohen Impulsleistungen ermöglicht (siehe Chirp).

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Optisches_Gitter aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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