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Passionsblumen



Passionsblumen
 
Systematik
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Passionsblumengewächse (Passifloraceae)
Gattung: Passionsblumen
Wissenschaftlicher Name
Passiflora
L.

Die artenreiche Pflanzengattung der Passionsblumen (Passiflora) gehört zur Familie der Passionsblumengewächse (Passifloraceae).

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Sie sind meist Kletterpflanzen, seltener auch Sträucher, Sträucher, nur eine Art ist eine einjährige Pflanze. In den Blattachseln werden Ranken gebildet. Die wechselständigen, gestielten Laubblätter sind ganz unterschiedlich gestaltet. An den Blattstielen befinden sich extraflorale Nektarien.

Das auffallendste Merkmal der Passionsblumen sind die schönen, radiärsymmetrischen Blüten, die von weniger als einem Zentimeter bis zu 18 Zentimeter Durchmesser haben können. Die Blütenhüllblätter, oft gekennzeichnet durch leuchtende Farben, umhüllen ringförmig angeordnete fadenförmige oft intensiv gefärbte 15 bis 50 Staminodien, den Strahlenkranz. In der Mitte der Blüte sind die Fortpflanzungsorgane (fünf fertile Staubgefäße und drei Narben) zu einer sogenannten Säule (Androgynophor) zusammengefasst angeordnet, die die Blütenhüllblätter weit überragen. Es werden Beeren gebildet.

Herkunft und Etymologie

Die meisten der über 525 Arten der Passionsblume stammen aus Südamerika und Mittel-, bis südliches Nordamerika, jedoch kommen auch ungefähr 25 Arten in Australien (P. aurantia, P. herbertiana und P. cinnabarina), Asien, Madagaskar und eine auf den Galapagos-Inseln vor. Die Indianer verwendeten teilweise ihre heilende oder berauschende Wirkung. Der Name Maracuja (maracujá) stammt aus dem Portugiesischen bzw. dem Indianisch-Brasilianischen (Tupi) und bedeutet „Pflanze, die Früchte gibt“.

Christliche Einwanderer erkannten in den Blüten Symbole der Passion Christi. Dabei symbolisieren die zehn Blütenblätter die Apostel ohne Judas und Petrus, die Nebenkrone (violett-weiß) die Dornenkrone, die fünf Staubblätter (gelb, pentagon-ähnlich) die Wunden und die drei Griffel (rotbräunlich, oben) die Kreuznägel. Die Sprossranken sollen auch die Geißeln symbolisieren. Entsprechend der Name Passiflora incarnata - lat. die eingeborene, Fleisch gewordene (wie Christus incarnatus).

Arten (Auswahl)

  Es gibt etwas mehr als 525 Passiflora-Arten. Sie variieren bezüglich Blütenfarbe (grün, weiß, rosa, pink, rot lila, violett, himmelblau bis sehr dunkles blau und auch schwarz), Blattfarbe (unzählige Grüntöne, auch panaschiert und mehrfarbig, von einem halben Zentimeter bis zu einem Meter) und Blattform (un- bis neungelappt) und in der Größe der Früchte (mehrere Kilogramm bis wenige Gramm) und der übrigen Gestalt der Pflanze.

Eingeteilt werden sie in vier Untergattungen, Astrophea, Deidamioides, Decaloba und Passiflora. Diese unterscheiden sich auch in der Zahl ihrer Chromosomen.

Durch Züchtung sind im 20. Jahrhundert zudem viele Hybridsorten hinzugekommen. Selten gibt es auch Hybriden, welche sich trotz gleicher Chromosomenzahl nur sehr schlecht kreuzen lassen.

Auch sind einige tetraploide Hybride sowie Arten durch Einsatz von Colchicin erzeugt worden, welche meist größere Blüten, Blätter und Früchte bekommen und außerdem aus sterilen Hybriden wieder fertile Hybride macht.

Als Topfpflanze (Zimmerpflanze) am bekanntesten ist die Blaue Passionsblume (P. caerulea) sowie P. × violacea, eine Hybride aus P. caerulea mit P. racemosa

P. incarnata ist eine Kletterpflanze mit dünnen, grünen, verholzenden Sproßachsen, drei- bis fünfteilig gelappten Laubblättern und einzeln stehenden Blüten mit auffallender, violett-weiß gestreifter Nebenkrone. Sie wird bis zu 10 m hoch und wird in der Medizin verwendet, sie ist nahe mit P. edulis verwandt.

Die bekanntesten Arten unter den rotblühenden Passionsblumen sind P. racemosa, P. murucuja, P. alata, P. coccinea, P. vitifolia oder P. piresii.

Die meisten Passionsblumenarten sind ursprünglich im tropischen und subtropischen Südamerika beheimatet, drei jedoch in Nordamerika (P. affinis, P. incarnata und P. lutea) und mehrere in Asien, Australien und Ozeanien. Die nordamerikanischen Arten sowie P. tucumanensis und P. caerulea weisen eine Frostresistenz auf und können unter günstigen Bedingungen auch in Mitteleuropa draußen gepflanzt werden - zum Beispiel zur Begrünung einer südlichen Hauswand. P. caerulea, P. incarnata und P. lutea sind hierbei die widerstandsfähigsten Pflanzen und können unter günstigen Bedingungen -15 °C aushalten, wobei sie jedoch auf den Boden zurückfrieren und im Frühjahr wieder aus dem Wurzelstock (bei P. caerulea) oder aus ihren unterirdischen Rhizomen (P. lutea, P. incarnata) wieder austreiben. Gewisse natürliche Selektionen der P. incarnata brauchen sogar eine Kältestratifikation im Winter, damit ihre Samen austreiben.

Alle Passionsblumen-Arten der Untergattung Astrophea (zum Beispiel P. lindeniana, P. cirrhiflora und P. macrophylla) sind keine Kletterpflanzen, sondern kleine Bäume, deren Blätter einen Meter Länge erreichen können.

Als Nutzpflanzen bekannt sind vor allem P. edulis, P. quadrangularis und P. ligularis, welche die bekannten Früchte Maracuja (auch verwendete Schreibweise: Marakuja) bzw. Grenadilla (Granadilla) hervorbringen.

Untergattungen

Die Gattung ist in 23 Untergattungen gegliedert (Klassifikation nach Killip 1938) (Auswahl):

Passiflora

Die Untergattung Passiflora ist unter den Passionsblumen die bekannteste von allen. Unter ihr gibt es über 150 Arten, darunter auch die bekanntesten P. caerulea, P. incarnata, P. edulis f. edulis, P. edulis f. flavicarpa und P. ligularis. Sie zeichnen sich durch die „typischen“ Passionsblumen-Blüten aus und tragen zumeist essbare bis wohlschmeckende Früchte.

Decaloba

Die etwa 200 Vertreter der Untergattung Decaloba sind zumeist kleiner und unscheinbarer. Dazu gehören beispielsweise P. morifolia, P. coriacea, P. citrina und P. sanguinolenta. Ihre Blüten können die Farben gelb, rot, orange, weiß und hellgrün haben. Ein besonderes Merkmal von ihnen ist, dass viele Arten von Natur aus panaschierte Blätter bilden, welche wie zum Beispiel bei P. trifasciata auch eine leicht rötliche Färbung besitzen können.

Tacsonia

Arten der Untergattung Tacsonia stammen zumeist aus Hochlagen und mögen es daher etwas kühler, zu hohe Temperaturen können sie schädigen. Auch bei ihnen gibt es einige Arten, welche in den Tropen und Subtropen zur Fruchtgewinnung angebaut werden, zum Beispiel Passiflora tripartita v. mollissima, P. mixta deren Hybride und einige andere Arten. Bei uns jedoch eher schwer zu kultivieren - am besten unter Kalthausbedingungen und leicht schattig.

Früchte

Die Früchte sind botanisch gesehen Beeren. Früchte der Gattung, die von Menschen gegessen werden, nennt man je nach Art Maracuja oder Grenadillen (auch Granadillen). Sie sind eiförmig, haben eine feste Haut und enthalten innen einen oft bitter bis süßlich oder auch extrem sauer schmeckenden Saft mit vielen essbaren Kernen (ähnlich wie Granatäpfel). Sie enthalten viel Vitamin C.

Die Früchte von der Blauen Passionsblume (Passiflora caerula) sind etwa 5 cm lang, gelb und vom Geschmack eher ungenießbar. Die Früchte der meisten anderen Passionsblumenarten der Untergattung Passiflora sind ähnlich, unterscheiden sich jedoch teils sehr in Größe, Farbe und Geschmack. Der Saft von P. edulis wird auch unter der lateinamerikanischen Bezeichnung Parchita in Fruchtsaftgetränke gemischt. Früchte der Untergattung Decaloba sind deutlich kleiner und nicht zum Verzehr geeignet; einige sind sogar giftig. Aber auch Arten der Untergattung Tacsonia wie die Curuba oder Bananenpassionsfrucht (Passiflora tarminiana) und Passiflora tripartita var. mollissima werden wegen ihrer Früchte kultiviert. Diese sind länglich und können selten in spezialisierten Fruchthandlungen erworben werden.

Man unterscheidet folgende Granadillas:[1]

  • Purpurgranadilla (P. edulis var. edulis)
  • Gelbe Granadilla (P. edulis var. flavicarpa)
  • Süße Granadilla (P. ligularis)
  • Bananenpassionsfrucht (P. mollissima)
  • Königs- oder Riesengranadilla (P. quadrangularis)

Inhaltsstoffe

Arten der Gattung Passiflora enthalten Indol-Alkaloide (die sog. beta-Carboline Harman, Harmin, Harmol, Harmalol und Harmalin), Flavonoide (Chrysin, Vitexin, Isovitexin, Orientin und Isoorientin) und Saponine wie Quadrangulosid. Die Alkaloide sind als Träger der angstlösenden Wirkung von Passiflora inzwischen ausgeschlossen, aber auch die genannten Flavonoide können nicht eindeutig dieser Wirkung zugeordnet werden. Problematisch ist, dass noch nicht alle Inhaltsstoffe dieser Pflanzen identifiziert werden konnten, und auch der Gehalt dieser Substanzen selbst innerhalb einer Art unterschiedlich ist. In einem Fall konnte eine toxische Wirkung von Passiflora-Behandlung nachgewiesen werden. Weitere Untersuchungen sollten daher abgewartet werden.[2][3][4][5]

Aus den Samen der Maracuja kann ein hochwertiges, Linolsäure-haltiges Öl gewonnen werden.

Naturheilkunde

Die Blätter der Passionsblume werden in der Phytotherapie gegen nervöse Unruhe, Anspannung, Reizbarkeit oder Angstzustände und damit zusammenhängende Schlafstörungen, Rückenschmerzen und Verspannungen oder Herzbeschwerden oder Magen- Darmbeschwerden eingesetzt, ferner auch bei depressiver Verstimmung, Hysterie oder Asthma. Es sind keine Nebenwirkungen bekannt. Über die Verträglichkeit während der Schwangerschaft gibt es keine umfangreichen Erfahrungen.

Die Blätter und die Stängel können sowohl frisch als auch getrocknet als Tee getrunken werden und sind auch als Fertigpräparate erhältlich. Daneben werden viele Kombinationspräparate, teilweise auch als Saft, angeboten, zum Beispiel mit Baldrian, Johanniskraut, Hopfen, Melisse oder Weißdorn gemischt. Interessanterweise scheint die Passionsblume in einer Dreierkombination (Passionsblume + Johanniskraut + Baldrian) als eine Art „Turbo“ für das Johanneskraut zu wirken (Neurapas Balance - Universität Freiburg). Die Passionsblume scheint in dieser Synthese eine niedrigere Johanneskrautdosis (keine Nebenwirkungen) mit mindestens der gleichen Wirksamkeit zu ermöglichen.

Evolutionsbiologie

Die Passionsblume hat im Laufe der Evolution eine besondere Form von Mimikry entwickelt, um sich vor dem Blattfraß der Raupen des Heliconius-Falters zu schützen. Um Kannibalismus zu vermeiden, untersucht der Heliconius-Falter vor der Eiablage, ob sich auf den fraglichen Blättern bereits Eier von Artgenossen befinden. Die Eier des Heliconius-Falters sind gelb gefärbt. Einige Arten der Passifloraceae erzeugen selbst gelbe Punkte auf ihren Blättern und täuschen so einen Befall vor.

Referenzen

  1. Gunther Franke (Hg.): Nutzpflanzen der Tropen und Subtropen. Band 2: Spezieller Pflanzenbau. Ulmer, Stuttgart 1994, S. 290f. ISBN 3-8252-1768-X
  2. K.C. dos Santos et al.: Sedative and anxiolytic effects of methanolic extract from the leaves of Passiflora actinia. Braz. arch. biol. technol. 49/4/2006. S. 565-573. ISSN 1516-8913. doi:10.1590/S1516-89132006000500005 Online-Version
  3. K Dhawan et al.: Passiflora: a review update. J Ethnopharmacol. 94/1/2004. S. 1-23. PMID 15261959
  4. C. Wolfman et al.: Possible anxiolytic effects of chrysin, a central benzodiazepine receptor ligand isolated from Passiflora coerulea. Pharmacol Biochem Behav. 47/1/1994. S. 1-4. PMID 7906886
  5. A.A. Fisher et al.: Toxicity of Passiflora incarnata. Journal of Toxicology: Clinical Toxicology. 38/1/2000. S. 63-66. doi:10.1081/CLT-100100919
 
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