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Pelz



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Als Pelz bezeichnet man in der Biologie das Fell eines Säugetieres mit meist kurzen, jedoch sehr dicht stehenden Haaren. Ansonsten wird unter einem Pelz das abgezogene Fell oder das aus Fellen gearbeitete Kleidungstück verstanden.
Handwerker, die Felle zu Pelzbekleidung, Pelzdecken oder ähnlichem verarbeiten, nennen sich Kürschner.

 


Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die erste Bekleidung des Menschen war der Pelz. Er ermöglichte dem vermutlich aus Nordafrika stammenden, nur gering behaarten Homo sapiens, ein Überleben auch in kälteren Gebieten bis hin zur Arktis. Auf Abbildungen aus Altägypten ist zu sehen, wie aus dem nur wärmenden und schmückenden Kleidungstück auch ein Symbol der Stärke und ein Statussymbol geworden war. Die neuere Entwicklung der Pelzbekleidung wurde so formuliert: Im Mittelalter fütterte der Kürschner, im Rokoko besetzte er und heute (seit etwa 1900) kleidet er.

In Europa sind aus der Rentierzeit erste Nähnadeln aus Knochen erhalten. Bereits in der jüngeren Steinzeit kannte man das Weben und Pelz wurde in den wärmeren Regionen immer mehr durch Stoffkleidung ersetzt. In der Bronzezeit waren bereits einfache Scheren und die Urform des heutigen Kürschnermessers in Gebrauch.
Im Grab des Kammerherrn To in Saggara (fünfte Dynastie, um das Jahr 3500 v. Chr.) zeigt in einer Grabkammer eine Abbildung zwei mit Pantherfell bekleidete Männer. Ägyptische Fürsten, die das Privileg hatten, Pantherfelle zu tragen, wurden die „Großen des Fellwerks“ genannt.
Als Xerxes mit seinem aus vielen Völkerstämmen zusammengewürfelten Heer Hellas erobern wollte, trugen die äthiopischen Soldaten Panther und Löwenfelle, die Thrazier Fuchs- und die Lyzier Ziegenfelle. Die Perser selbst waren mit Pluderhosen bekleidet, über die offene Röcke gegürtet wurden, alles aus Pelz und mit dem Haar nach außen.
Die griechischen Helden und Götter wurden oft mit Pelz bekleidet, so dass anzunehmen ist, dass der Pelz auch im wirklichen Leben eine bedeutende Rolle spielte. Im 10. Gesang des Ilias von der Belagerung Trojas wird geschildert, dass sich Agamemnon, der griechische Heerführer in das Fell eines gelbgefleckten Löwen hüllt. Menelaos trägt ein geflecktes Leopardenfell, Dalon besitzt als Mantel ein hellschimmerndes Wolfsfell und einen Helm aus Marder. Weniger kostbare Felle von Schafen und wilden Büffeln dienen den Helden als Lagerstätte. Die Griechen betrieben Fellhandel bis hoch in den Norden nach Island und weit in den Osten in die Mongolei, wo der Zobel ein gängiges Handelsgeld darstellte.
Die Römer lernten den Pelz in Germanien kennen und führten Luchs-, Biber und Wolfsfelle zur Verarbeitung in ihre Heimat ein. 56 n. Chr. wurde in Ostia das „Corpus Pellonium“, eine Korperation der Pelzer, gegründet. Ein Ziegenfell kostete damals das Doppelte eines Biberfells, ein Leopard mehr als ein Löwe und ein Seehund zehnmal so viel wie ein Bär.
Von den Römern wissen wir, dass die Germanen als selbstverständliches Kleidungsstück einen Überwurf, den „Rheno“, trugen. Aus dem Namen ist zu schließen, dass er aus Rentierfellen gefertigt war. Dem Schmuckbedürfnis wurde, wie Tacitus berichtet, mit der Verbrämung einfacher Schafs- oder Wolfsfelle mit kostbareren Fellen genüge getan. Nach dem Kontakt mit der fortgeschritteneren römischen Kultur fingen auch die germanischen Stämme an, die Kleidung raffinierter und körperbetonter zu schneiden. Höhere Schichten begannen, sich durch entsprechende Kleidung kenntlich zu machen. Adel und Könige trugen, wie wir es z. B. von den Goten wissen, nur die seltensten und schönsten Felle aus möglichst entfernten Ländern (Hermelin, Zobel, Feh). Zur Zeit Karls des Großen muss es dann auch bereits gewerbliche Kürschner gegeben haben. Eine Kleiderordnung aus dem Jahr 808 verbietet, den besten mit Marder oder Otter gefütterten Mantel teurer als 30 Sols und mit Katzen gefüttert, teurer als 10 Sols zu verkaufen. Der ganze Hofstaat war mit kostbarem Rauhwerk gekleidet, nur Karl selber bevorzugte die einfache germanische Tracht aus Schafsfellen.
 

Die wahrscheinlich ältesten erhaltenen Pelze wurden in Russland bei Ausgrabungen der Grabbstätte Oglachty in Chakassine gefunden. Sie stammen aus der Zeit nicht später als dem 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung und sind aus Fellen verschiedener Pelztiere genäht: Fellfußbekleidung, Fellstrümpfe, Fellhosen, Pelzmäntel und -mützen, ein Köcher, ein Säckchen am Gürtel und ein kleiner Pelzmantel, wahrscheinlich ein Kindermantel. Zumindest 1986 befanden sie sich nach dreijähriger Restaurationsarbeit in der ständigen Ausstellung der Leningrader Eremitage. (Prawda)[1]

1671 wurde von der Hudson’s Bay Company in London die erste Rauchwarenauktion der Welt veranstaltet. Das Zentrum des deutschen Pelzhandels und zeitweilig eines Großteils des Welthandels war über viele Jahrzehnte Leipzig. 1770 kamen zum ersten Mal russische Rauchwarenhändler auf die Messe, die entscheidend zur Bedeutung von Leipzig als Messestadt beitrugen. Die Straße der Pelzgroßhändler in Leipzig war der Brühl, nach dem Wegzug des Pelzhandels nach dem 2. Weltkrieg wurde der Name Brühl noch lange Zeit in der Pelzbranche auch für die Niddatraße in Frankfurt am Main gebraucht, in der sich ein Großteil der nach Krieg und Judenverfolgung verbliebenen Leipziger Händler neu angesiedelt hatte.

Die Erfindung der Pelznähmaschine und ihre Einführung nach 1870 ermöglichte die Anfertigung zu Preisen, die den Pelz für den Normalverdiener erschwinglich machten. Das Fell wird jetzt mit der Haarseite nach außen getragen, der Persianer beginnt seinen Siegeszug. Aufsehen erregten 1900 zur großen Jahrhundert-Weltausstellung in Berlin die ersten ausgelassenen Nerzmäntel, bei denen die hunderte Meter langen Auslassnähte trotz der bereits im Gebrauch befindlichen Pelznähmaschine mit der Hand genäht waren. In den Großstädten der westlichen Welt entwickelte sich die Pelzkonfektion, die außer in eigenen Betrieben vor allem viele kleine Zwischenmeister beschäftigte. Ca. 10 000(!) Zwecker, (Pelz-)Schneider, Pelznäher, Pelzstrecker, Pelzfinisher und Pelzbügler demonstrieren 1938 während eines Streiks in New York für bessere Arbeitsbedingungen und gegen die korrupte Gewerkschaftsführung. Ein Zentrum der deutschen Pelzkonfektion war Berlin.

Im Zuge der stetig sich verschlimmernden Verfolgungen war es Juden ab 1941 im deutsch besetzen Polen, ab 1942 auch in Deutschland, verboten, Pelze oder pelzbesetzte Kleidung zu tragen. Ein Erlass verpflichtete sie 1941, Pelzwerk aller Art abzuliefern. In Leipzig waren 1929 von 794 Rauchwarenhändlern 460 Juden, das sind 58 Prozent. 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, erschien im Mai eine amtliche Mitteilung in „Der Rauchwarenmarkt“, dass jüdische Firmen in der Rauchwarenbranche keine Eingriffe zu gewärtigen brauchen. Die Hoffnung der jüdischen Händler auf einen Sonderstatus wurde spätestens 1935 durch die serienweise erscheinenden antisemitischen Verfügungen zerstört. Bis 1936 waren dann auch 113 jüdische Firmen abgewandert. 1941 verkündete die „Deutsche Kürschner-Zeitschrift“, „Der Brühl ist judenrein“. Die Betriebe waren zumeist liqidiert oder aber „arisiert“ worden.

Die veränderten Lebensbedingungen der Neuzeit erforderten andere Pelze. Es wird nicht mit der Kutsche gefahren, die Autos werden oben geschlossen und beheizt und schon bald nach dem 2. Weltkrieg hat fast jeder seinen eigenen Wagen. Die Kürschner und nicht zuletzt die Pelzveredler passen das Produkt an, die Pelze werden leichter, sogar sogenannte "Sommerpelze" werden kreiert und es wird wieder viel besetzt und verbrämt. Der „Persianer“ wird Mode, die Kaufhäuser entdecken den (Billig-)Pelz und bieten Alternativen aus Persianerklauen und Persianerstücken. Auf dem Höhepunkt der Persianerwelle folgt eine Umorientierung hin zum Nerz. Die Einkommen im Westen Deutschlands steigen und mit der Erhöhung der Nerzproduktion und dem damit einhergehenden Preisrückgang wird der Nerzpelz immer erschwinglicher. Aber auch die meisten anderen Fellarten verlieren an Bedeutung, die bisherige Materialvielfalt verschwindet, der Nerz wird zum dominierenden Pelz. „Jede Putzfrau hat inzwischen einen Nerz“, heißt es bald, der Pelz ist zum Produkt für jedermann geworden, er verliert seinen Status als Wohlstandssymbol. Dies und eine Reihe warmer Winter, Marktsättigung, Aktionen von Pelzgegnern und die damit einhergehende schlechte Presse lassen den Pelzumsatz ab etwa Ende der 80er Jahre erheblich zurückgehen.

Anfang bis Mitte der 1990er Jahre machten Westcoast-Rapper den Pimp-Lifestyle (z. B. den Lebensstil der afroamerikanischen Zuhälter) in der Hip-Hop-Szene populär, auffallende teure Anzüge und Pelzmäntel fanden Eingang in die Ghetto-Mode. Um die Jahrtausendwende entdecken die internationalen Designer den Pelz neu. Die Vor- und Nachkriegsmode des gerupften oder geschorenen Pelzes erlebt eine Renaissance. Waren es damals Seal, Sealkanin-, Sealbisam-, Biber-, Nutria- und andere auf Seal veredelte Felle, sind es jetzt erstmals „Samt“nerze und Samtwiesel, aber auch wieder Samtnutria und Samtbisam. Der Pelzumsatz in Deutschland steigt langsam wieder, international erreicht er dank der neu hinzugekommenen Märkte in Russland und Asien einen neuen Höhepunkt. 2006 verzeichnen die Auktionsergebnisse Rekordpreise, so dass der Nerzmantel gewissermaßen auch seine Exklusivität zurückgewonnen hat. Jedoch wird neben anderen preiswerteren Fellarten auch das Kaninchen wieder entdeckt, Kleinteile aus Rex- und anderem Kanin werden in großer Stückzahl umgesetzt. Es wird wieder viel besetzt. Der nahezu weltweit warme Winter 2006/07 führt nach einigen Jahren ständiger Preissteigerungen erstmals zu einer Stabilisierung oder einem Rückgang der Preise auf den internationalen Rauchwarenauktionen.

Weltweit werden jedes Jahr etwa 90 Millionen Felle verarbeitet. Die heute genutzten Fellarten kommen zu ca. 85 Prozent aus der landwirtschaftlichen Farm- und Weidehaltung und etwa zu 15 Prozent aus der freien Wildbahn.[2]

Herstellung

Wie viele Felle für ein einzelnes Pelzteil verarbeitet werden, hängt von der Größe des Felles, der Art des Kleidungsstücks (Hut, Schal, Jacke, Mantel usw.), der Mode und davon ab, wie aufwändig die Form gestaltet wird. Ein gerader Mantel von 100 cm Länge in der Konfektionsgröße 38 hat einen Flächeninhalt von ca. 25.000 cm². Nachfolgend die durchschnittlichen Nutzflächen der einzelnen Fellarten und der aus der Praxis ermittelte Fellverbrauch für einen geraden Mantel. Zu den angegebenen Nutzflächen kommen noch Flächen für nicht direkt verwendete Fellteile wie Schweife, Pfoten oder Kopfstücken. Diese werden wie alle Reststücke der Kürschnerei ebenfalls verwendet, in der Regel, in dem sie zu Tafeln zusammensetzt und daraus eigene Kleidungsstücke gefertigt werden. Hauptort der "Body" oder "Tafel"-Fertigung ist seit alters her Kastoria in Griechenland.

Durchschnittliche Fellfläche und Fellverbrauch für einen 100 cm langen, geraden Mantel (s. o.)
Fachbezeichnung   cm² Stück Felle
Bisam 600 46 In der Regel werden Wamme (Bauch) und Rücken getrennt verarbeitet.
Chinchilla 420 64
Feh 350 80 In der Regel werden Wamme (Bauch) und Rücken getrennt verarbeitet.
Europäischer Rotfuchs 2.520 10
Edelfüchse Blaufuchs, Silberfuchs; nicht der kleinere Polarfuchs) 3.200 8 Durch Zwischensetzen von durch die Haare ganz oder teilweise verdeckten Lederstreifen (Fachbegriffe: „galonieren“, „federn“) lässt sich die Fellzahl bis auf drei oder weniger reduzieren.
Kanin 700 38
Luchs 3.150 9 In der Regel wird die wertvollere Wamme (Bauch) und der Rücken getrennt verarbeitet.
Nerz, „Females“ (weibliche Felle, Fähen) 1.000 28
Nerz, „Males“ (männliche Felle, Rüden) 1.350 20
Nutria 900 30
Neuseeländisches Opossum 880 32
Persianer (auch als Karakul angeboten) 1400 18
Zobel 450 58

Spätestens seit Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens werden fast alle gefleckten Katzen (südamerikanische Wildkatzen, Ozelots, alle Großkatzen) und Otter nicht mehr gehandelt.

Umgestaltung

Ein wesentliches Merkmal eines Pelzes ist die Möglichkeit, ihn im Laufe seines Lebens mehrfach umzugestalten. Da der Pelz aus einzelnen Fellen zusammengefügt wurde, lässt er sich in der Regel in jede gewünschte Form durch eine Neuaufteilung der Felle umformen.

Die Ursachen für den Wunsch einer Veränderung können in einer Figurveränderung des Besitzers oder der Besitzerin liegen, im Wunsch nach einer modischen Veränderung (Modelländerung, Farbänderung, Strukturänderung durch rupfen oder scheren) oder wegen inzwischen eingetretener Tragespuren (Wegfall der beriebenen Fellteile durch die Umgestaltung eines Mantels zur Jacke oder zu einem Pelzinnenfutter). Eine weitere spätere Verwendungsmöglichkeit eines Pelzbekleidungsstücks besteht in der Umformung in eine Decke bzw. ein Fellplaid.

Die Umgestaltungsmöglichkeit eines Pelzes ist durch die natürliche Alterung zeitlich begrenzt. Diese hängt von der Art der Lagerung (möglichst kühl bei durchschnittlicher Luftfeuchtigkeit, dunkel), von der Fellart und der Gerbung ab. Um eine Umarbeitung wirtschaftlich begründen zu können sollte der Pelz außerdem einen gewissen Materialwert im Verhältnis zu den Kosten nicht unterschreiten.


Wirtschaftliche Bedeutung

Für viele traditionelle Kulturen, die im Wesentlichen von der Jagd oder von der Tierzucht leben (Inuit, Samen), stellen die Gewinnung und der Handel mit Pelzen eine notwendige Einnahmequelle dar. Das Verschwinden des Pelzhandels mit vielen Wildtieren kann das Ende der traditionellen Lebensweise dieser Menschen bedeuten.

Weltwirtschaftlich gesehen ist der Pelzhandel ebenfalls von Bedeutung. Pelze stellen zwar nur einen geringen Teil aller Kleidung dar, erzielen aber hohe Preise. In Mitteleuropa war der Handel lange Zeit rückläufig. Nach der Wiederentdeckung des Pelzes durch die Textildesigner in West und Ost hat sich der Pelzeinzelhandel, nicht zuletzt wegen des hohen europäischen Lohnniveaus, erheblich vom Pelzfachgeschäft (meist Kürschnerfachgeschäft mit eigener Werkstatt) zu den Textilanbietern hin verlagert. Die jährliche Frankfurter Pelzmesse „Fur & Fashion“ im Frühjahr hat sich erheblich verkleinert, dafür expandierte die etwa um die gleiche Zeit stattfindende Messe „Mifur“ in Mailand erheblich. 2007 stellten 327 Firmen in Mailand aus, davon 25 aus dem deutschsprachigen Raum. Auch eine andere, zweimal jährlich stattfindende Fachmesse, die MEXA MOSCOW, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die 15. Messe im Jahr 2007 registrierte 83 Aussteller aus 15 Ländern. Weltweit blüht vor allem der Pelzhandel in den neuen Konsum- und Niedriglohn-Produktionsländern Russland und China.

Kritik

Vor dem Aufkommen des Artenschutzes war das Tragen von Kleidung, die aus dem Pelz exotischer und seltener Tiere hergestellt war, meist nicht nur eine Frage des Wärmens sondern vor allem des Schmückens und des Prestiges. Heute ist in vielen, insbesondere westlichen Ländern, die Pelztierzucht und die Jagd für Pelzzwecke umstritten.

Tierschutzverbände wenden sich gegen die Pelzindustrie mit dem Argument, Pelze würden unter Tierquälerei von Pelztieren gewonnen, die in nicht artgerechten Käfigen gehalten werden und/oder denen bei lebendigem Leib wortwörtlich das Fell über die Ohren gezogen wird. Da beispielsweise ein Nerz in freier Wildbahn ein Revier von bis zu vier Hektar für sich beanspruche, sei eine artgerechte Haltung in Käfigen nicht möglich. Des Weiteren wird kritisiert, dass pelztragende Wildtiere auch heute noch in vielen Ländern in freier Wildbahn mit Fangeisen gefangen und qualvoll sterben würden. Die Bejagung mancher Tierarten (etwa Katzen) sei auch aus Gründen des Artenschutzes bedenklich.

Darüber hinaus gibt es grundsätzliche Kritik an der Pelzindustrie, da der industrielle Fortschritt Materialien hervorgebracht habe, die den Fellen von Tieren überlegen sind. Das Tragen von Pelzkleidung habe insofern seinen ursprünglichen Sinn verloren und werde nur noch mit Modetrends begründet.

Siehe auch: Offensive gegen die Pelzindustrie

Rechtfertigung

Vertreter der Pelzbranche weisen darauf hin, dass in den westlichen Ländern die Tötung von Tieren gesetzlich geregelt sei. Nach § 4 Abs. 1 des TierSchG von 1972 dürften Wirbeltiere „nur unter Betäubung oder sonst, soweit nach den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden“. Die Durchführung der Tötung werde von entsprechenden Kenntnissen und Fähigkeiten abhängig gemacht. Um die Einhaltung der Auflagen des TierSchG zum Töten von Wirbeltieren zu gewährleisten, würden Empfehlungen für tierschutzgerechte Tötung von Pelztieren in Zuchtfarmen herausgegeben. Für Wildfänge gelte unter anderem die Fallenfangverordnung. Der Artenschutz werde neben regionalen Gesetzen durch das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen geregelt.

Ein weiteres Argument leitet sich aus der Praxis ab: In menschlichen Siedlungsgebieten könne nur eine wirtschaftliche Nutzung eine Art vor dem Aussterben bewahren. In Deutschland etwa habe kein Großtier überlebt, das keinen Nutzen gebracht habe. Rehe, Hirsche und Wildschweine würden von den Landwirten nur geduldet, weil Ihnen die Flurschäden von Jagdpächtern ersetzt würden.

Situation in einzelnen Staaten

In den meisten Staaten ist jede Art der Fellgewinnung durch Rechtsordnungen geregelt.

Das Deutsche Pelz-Institut (DPI) wirkt als Sprecher aller in den Spartenverbänden organisierten Unternehmen der deutschen Pelzbranche – vom Pelztierzüchter über den Fellgroßhändler und den Pelzkonfektionär bis zum Kürschner und zum Pelzfacheinzelhändler.

In der Schweiz gibt es seit Anfang der 1990er-Jahre keine Pelztierhaltungen mehr. Die kommerzielle Nutzung lohnt sich nicht mehr, da für diese Wildtiere die Gehegehaltung vorgeschrieben ist.

In Österreich ist mit der Verordnung über die Haltung von Pelztieren seit 1998 die Pelztierhaltung zu Erwerbszwecken verboten.

Erläuterung einiger Fachbegriffe

Anbrachen: Das Reparieren der Schadstellen im Fell
Auslassen: Das Verlängern der Felle auf Kosten der Breite durch V-förmige Schnitte (Gegensatz: Einlassen)
blau: Farbbezeichnung für die dunkelsten, blaustichigen Winterfelle, Gegensatz rot
Bleichen: Das Aufhellen dunkler Farben, oftmals um die Felle anschließend andersfarbig einzufärben.
Auch das zusätzliche Aufhellen bereits weißer Felle, in der Regel verbunden mit der Behandlung mit optischen Aufhellern. Im Rahmen einer Modellneugestaltung u. U. auch bei vergilbten, getragenen Pelzteilen möglich
Blenden: Nachdunkeln des Oberhaars durch nur leichtes Aufstreichen der Farbe. - Auch für das Dunkelfärben des Fellleders. Dies dient dazu ein Durchscheinen des weißen Leders auf der Haarseite zu verhindern (Lederblenden)
Body: Für die Verarbeitung eines Pelzteils vorbereitetes rechteckiges Fell(-stücken)teil, meist von Spezialbetrieben aus kleinen Fellen oder aus Resten zusammengesetzt
Eulanisieren: Allgemeine Bezeichnung für das insektensicher machen von Bekleidung oder Teppichen, ursprünglich durch die Chemikalie Eulan der Firma Bayer AG
Färben: Häufig angewandte Veredlungstechnik, insbesondere um aktuelle Modefarben zu erzielen. Im Rahmen einer Modellumgestaltung u. U. auch bei getragenen Pelzen möglich. Das Fell kann ohne vorheriges Bleichen in der Regel nur dunkler als vorher gefärbt werden, in der Farbwahl sind durch die entstehenden Mischfarben die Farbmöglichkeiten eingeschränkt. Einen bei neuem Material möglichen, vorhergehenden Bleichprozess werden alte Pelze im Zusammenhang mit dem Färben u. U. nicht mehr aushalten.
Federn: Das Zwischennähen von schmalen Lederstreifen (Fachbegriff -->Galonieren) in V-Form, oft verbunden mit dem -->Auslassen
Female: Das weibliche Kleinpelztier, vor allem beim Nerz (auch: Fähe)
Galonieren: Das Zwischennähen von Lederstreifen, dient vor allem zur Vergrößerung der Fellfläche. Luftgalonieren: Hierbei wird das Leder bei langhaarigen, dichtbehaarten Fellen in kurzen Abständen eingeschnitten und gitterförmig auseindergezogen fixiert. Das Ergebnis ist ein besonders duftiges, weich fallendes Produkt bei gleichzeitiger Flächenvergrößerung.
Geflochtene, gewirkte Pelze: Felle werden in, zumeist schmalstmögliche, Streifen geschnitten und als „Fäden“ in Netze eingeflochten, verwebt oder verstrickt. Da als Ergebnis ein Produkt mit Haaren auf beiden Seiten entsteht, ist diese Arbeitstechnik besonders für Kleinteile wie Schals und Stolen geeignet, aber auch für Jacken (Strickjackenoptik) und Mäntel. Wegen des großen Arbeitsaufwandes meist aus Billiglohnländern (China)
Finish: Die Endbehandlung fertig gearbeiteter Pelze z. B. durch Einstreichen und Aufrauhen des Haares, durch -->Klopfen, -->Läutern, Weichschütteln, "Steamern" des Haares mit Heißluftgebläsen, Bügeln des Haares mit speziellen Pelzbügelmaschinen. Einzelne dieser Prozesse können auch zur Auffrischung und Pflege getragener Pelze angewendet werden. Ausführung durch den Kürschner oder durch die Weitergabe an Spezialbetriebe
Granne: Bei Fellen mit Oberhaar und Unterwolle das Oberhaar (z. B. alle Marderarten wie Nerz, Otter, Zobel, usw.; keine Unterwolle z. B. bei Lamm und Zickel)
Grotzen: Der Fellrücken (meist am langhaarigsten)
Hülle: Der Übermantel für ein Pelzinnenfutter
Kahlauer: Unbehaarte Stelle im Fell
Klopfen: Das Entfernen des losen Schmutzes und eventueller Insektenlarven durch Ausklopfen von Hand mit Rohr- oder Haselnussstöcken oder mit der Pelzklopfmaschine. Eine der Grundarbeiten des Kürschners im Rahmen der Pelzkonservierung
Konservierung: Die Pelz-Sommeraufbewahrung bei gleichzeitiger Pflege durch einen Pelzfachbetrieb
Läutern: Das Reinigen der Pelze durch Sägemehl
Male: Das männliche Kleinpelztier, vor allem beim Nerz (auch: Rüde)
Mutationsfarben: Durch plötzliche, sprunghafte, natürliche vererbbare Farbveränderung entstandene neue Fellfarben (insbesondere bei Nerz, Nutria)
Nourkulemi: Extra zu verarbeitende Kehlstücken, vor allem bei Nerz und Zobel
Pumpf: Das hintere Teil des Felles
rauch: Bezeichnung für dichtes, nicht straff anliegendes Haar
Reinforcing: (= verstärken) Nachdunkeln der Felle durch die Behandlung mit Metallsalzen, insbesondere bei hellerer Unterwolle. Die Felle gelten weiterhin als naturell, also nicht gefärbt (insbesondere bei Nerz und Bisam)
rot: Gegensatz -->blau
Rupfen: Das Entfernen des Grannenhaars (Ergebnis z. B. Samtnerz, Samtnutria, Samtwiesel, früher auch üblicherweise beim Haarseehund/Seal). Seit etlichen Jahren, soweit möglich, auch bei zertrennten, getragenen Nerzen angewendet
Scheren: Das Kürzen des Haares durch Schermaschinen (Ergebnis z. B. Samtbisam, Samtnerzstücken, Biberlamm, Sealkanin). Auch beim zertrennten, getragenen Pelz möglich
Schnatte: Ein Narbenbruch auf der Fellseite
Shearling: Die Haut eines frisch geschorenen Lammes, die zusammen mit der Wolle für die Weiterverarbeitung gereinigt und gefärbt wird
Schönen: Nicht rein weiße oder vergilbte weiße Felle werden chemisch aufgehellt, entweder durch die Behandlung mit optischen Aufhellern oder mit einem rotstichigen Blaufarbstoff
Thiliki: Extra zu verarbeitende Bauchstücken, vor allem bei Nerz und Zobel
Veredlung: Sammelbegriff für Veränderungen des Haares , z. B. durch Färben, Rupfen, Scheren oder der Lederseite durch Färben, Nappieren, Veloutieren, Bedrucken
Wamme: Die Bauchseite des Felles
Zurichten: Das Gerben von Fellen für Pelzzwecke
Zwecken: Das Glattspannen der auf der Lederseite angefeuchteten Pelzteile nach dem Zusammensetzen der Felle vor dem Abgleichen (in die endgültige Form schneiden)

Siehe auch

  • Pelzarten Beschreibung der einzelnen Pelzarten (Herkunft und Aussehen der Felle, Fellqualitäten, geschichtlicher Rückblick auf Jagd, Zucht, Handel usw.)
  • Pelzhandel in Nordamerika

Literatur und Einzelnachweise:

  1. Brühl, Fachbuchverlag Leipzig, Jan./Febr. 1986
  2. [1] Deutsches Pelz-Institut, Frankfurt/Main
  • Christian Franke, Johanna Kroll: Jury Fränkel's Rauchwarenhandbuch 1988/89. Rifra-Verlag Murrhardt, 1988


Kritiker

  • Fotodokumentation über eine deutsche Pelzfarm, 11/2004 (Soylent Network, vegane Tierrechtsseite)
  • Pelzkritik beim Deutschen Tierschutzbund e. V.
  • Offensive gegen die Pelzindustrie
 
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