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Schacht Konrad



  Der Schacht Konrad ist ein stillgelegtes Eisenerz-Bergwerk im Stadtgebiet Salzgitter, zwischen den Stadtteilen Lebenstedt und Thiede. Es ist nach Konrad Ende benannt, dem früheren Aufsichtsratschef der Salzgitter AG. Er ist als Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung vorgesehen. Rund 90 Prozent der in Deutschland anfallenden radioaktiven Abfälle gehören zu dieser Kategorie. Der Förderturm des Schachtes Konrad I ist von der A 39, sowie von der Industriestraße Nord aus gut zu erkennen. Der Förderschacht Konrad II befindet sich auf dem Gelände des Stahlwerks Salzgitter.

Vorgeschichte

Die Eisenerzvorkommen waren seit dem 19. Jahrhundert Grundlage der Industrialisierung im Raum Salzgitter. Die erste Förderung begann im Jahr 1867. Die Schachtanlage Konrad ist das jüngste der ehemaligen Eisenerzbergwerke in dieser Region. Es wird durch zwei Schächte erschlossen, von denen Schacht Konrad I rund 1232 Meter und Schacht Konrad II rund 999 Meter tief ist. Der Produktionsbetrieb dauerte von 1961 bis 1976. In dieser Zeit wurden insgesamt 6,7 Millionen Tonnen Eisenerz gefördert.

Genehmigungsverfahren zum Endlager

Die Schachtanlage Konrad ist für ein Eisenerzbergwerk außergewöhnlich trocken. Da dies ein wichtiges Eignungskriterium für ein Endlager für radioaktive Abfälle darstellt, wurde 1975 mit entsprechenden Untersuchungen zur Möglichkeit einer Endlagerung begonnen. Nachdem diese positiv ausgefallen waren, stellte die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) als die damals für die Endlagerung zuständige Bundesbehörde am 31. August 1982 einen Antrag auf Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens. Der Erörterungstermin fand zwischen September 1992 und März 1993 statt. Dort wurden sämtliche einschlägigen Themen zum Endlager Konrad detailliert und kontrovers zwischen den Einwendern, dem Antragsteller (Bundesamt für Strahlenschutz) sowie der Genehmigungsbehörde (Niedersächsisches Umweltministerium) diskutiert. Nach fast 20-jährigem Verfahren wurde am 22. Mai 2002 die Genehmigung („Planfeststellungsbeschluss“) erteilt. Sie beinhaltet die Einlagerung von maximal 303.000 m³ radioaktiver Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung. Gegen den Bescheid wurden beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg mehrere Klagen eingereicht. Wesentliche Klagepunkte waren die Langzeitsicherheit, Störfälle, Transporte radioaktiver Abfälle, radioaktive Abgaben im Normalbetrieb sowie die Planungshoheit der Kommunen. Die mündliche Verhandlung fand vom 28. Februar 2006 bis 2. März 2006 beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg statt. Das am 8. März 2006 gefällte Urteil wies die Klagen ab und ließ die Revision nicht zu. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Urteils strebten einzelne Kläger dennoch eine Revision beim Bundesverwaltungsgericht (per Nichtzulassungsbeschwerde) an, die aber nicht angenommen wurde. Damit wurde die Entscheidung für Schacht Konrad letztinstanzlich bestätigt, und dem weiteren Ausbau von als Endlager steht nichts mehr im Wege. Bisher wurden rund 900 Millionen Euro dort ausgegeben, und die noch erforderlichen Maßnahmen bis zur Fertigstellung des Endlagers werden rund 720 Millionen Euro kosten.

Geplantes Endlagerbergwerk

Durch den Ausgang des Gerichtsverfahrens könnte mit der Errichtung der technischen Anlagen für die Endlagerung und die Einlagerungskammern begonnen werden. Die Umrüstarbeiten werden mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Mehrere Einlagerungskammern bilden ein Einlagerungsfeld. Insgesamt können bis zu neun Einlagerungsfelder aufgefahren werden, die von den sechs bestehenden Hauptsohlen in 800, 850, 1000, 1100, 1200 und 1300 Metern Tiefe erschlossen werden. Die Einlagerungskammern werden mit einem Querschnitt von etwa 40 m² bei einer Sohlenbreite von etwa 7 Metern und einer Höhe von etwa 6 Metern erstellt. Ihre Länge soll – je nach geologischen und bergtechnischen Gegebenheiten – zwischen 100 und 1000 Meter betragen.

Koordinaten: 52° 11′ N, 10° 24′ O

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Schacht_Konrad aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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