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Schilfsandstein



 

Der Name Schilfsandstein rührt von den Abdrücken fossiler Pflanzenreste (Schachtelhalme und Farne) im Gestein, die früher irrtümlich als Schilfhalme angesprochen wurden. Die Ablagerungen des Schilfsandsteins (12 bis 35 m mächtig) entstanden im Mittleren Keuper und sind in der Regel gut sortiert. Fallweise gefundene Rippelmarken bezeugen die Entstehung des Sandsteins in flachem Wasser – es hat sich aber herausgestellt, dass es sich meist nicht um eine flachmarine Entstehung handelt, wofür auch die neben den Pflanzenresten gefundenen seltenen übrigen Fossilien sprechen. Körner des Minerals Glaukonit, das sich örtlich im Schilfsandstein findet und nur unter marinen Bedingungen gebildet wird, belegen andererseits einen vorübergehenden marinen Einfluss, wie es für ein großes Flussdelta (s. u.) zu erwarten ist.

Die Landschaft des Mittleren Keuper wurde von grossen, sich ständig verlagernden Flusssystemen geprägt, die riesige Delta-Systeme bildeten. Seine Ablagerungen (Sedimente) sind als Sandsteine rinnenförmig als "Sandstränge" in die benachbarten zeitgleichen und darunter liegenden Tonsteine eingetieft. Man nimmt deshalb an, dass die Sandstein-Vorkommen stärkere Strömungen widerspiegeln, während die Tonsteine ruhigere Verhältnisse anzeigen. Man möchte darin eine ähnliche Entwicklung erkennen, wie sie heute das Delta des Mississippi zeigt. Als Ursprung dieses Flusssystems, das eine regenarme (aride) Gegend durchzog, werden Hochgebiete im Osten Mitteleuropas (Vindelizisches Land, Böhmische Masse) mit episodisch reichlicheren Niederschlägen angenommen. Diese Entwicklung wiederholte sich noch mehrfach in den stratigraphisch folgenden Stubensandstein-Ablagerungen.

Die Erosion hat heute die Sandstein-Lagen aus den weicheren Gesteinen ihrer Umgebung herauspräpariert. Deshalb ist der Stubensandstein ein für Süddeutschland typischer Stufenbildner: Er zeigt oft steil zum Vorland abfallende Bergrücken wie Heuchelberg und Stromberg. In dem chrakteristischen Geländeknick verläuft die Grenze zwischen Wein und Wald.

Faziell handelt es sich beim Schilfsandstein um ein relativ weiches, meist grünlich-gelbliches, aber auch örtlich intensiv rot gefärbtes Gestein. Dieses leicht zu gewinnende und zu bearbeitende Gestein wurde in den vergangenen Jahrhunderten vielfach als Werkstein zum Bau von Häusern, Brücken, Kirchen und für Monumentalbauten (z. B. Burgen, Schlösser) verwendet. Noch heute wird Schilfsandstein stellenweise abgebaut und als Baustoff für die Renovierung historischer Bauten angeboten (z. B. Kölner Dom).

 
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