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Uranwirtschaft



Unter Uranwirtschaft werden sämtliche wirtschaftliche Aktivitäten verstanden, die von der Verarbeitung des Uranerzes zu einem verwertbaren Produkt über den Handel mit Uranprodukten bis zu seiner industriellen und militärischen Verwendung reichen. Die wirtschaftlichen Aktivitäten sind wegen der hohen Bedeutung für die Energieversorgung und für die Macht- und Sicherheitsfragen der Staaten in hohem Maße von politischen Einflüssen geprägt.

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Inhaltsverzeichnis

Testbohrungen

Um die Uran-Konzentration zu prüfen, müssen Testbohrungen vorgenommen werden. Einer einzigen Uranabbaustelle gehen etwa 500 Testbohrungen voraus. Oftmals wird die so genannte in situ-Methode angewandt, bei welcher das Uran mit Zugabe von Chemikalien vom Gestein getrennt wird. Bei diesen Bohrungen wird das Grundwasser chemisch verseucht. Eine weitere Verseuchung des Grundwassers erfolgt über das gelöste Uran selbst. Ist dieses erst einmal aus dem Gestein gelöst, gibt es Radioaktivität an die Umwelt ab.

Uranabbau

Waren die Testbohrungen erfolgreich, das heißt, wenn das Uran in guter Qualität und in nicht zu geringer Masse vorkommt, folgt der Uranabbau. Obwohl der Uranabbau also eigentlich erst das zweite Glied in der Kette der Uranwirtschaft ist, wird er doch als Front End der Atomindustrie bezeichnet.

Verarbeitung

In einem weiteren Schritt wird das Uranerz durch Mühlen zerkleinert. Oftmals stehen die Mühlen in der Nähe der Minen, um Transportkosten zu sparen. Mühlen zerkleinern die abgebauten Steine zu feinem Sand, der in große Mengen von Wasser und Chemikalien gemischt wird, welche das Uran herauslösen. Das entstandene Uranerzkonzentrat ist goldfarben und wird deshalb auch Yellowcake genannt. Qualitativ hochstehender Yellowcake beinhaltet eine Konzentration von 70-80% Uran oder mehr. Vor der Verarbeitung beinhaltete das abgebaute, qualitativ gute Uranerz nur etwa 0.04% Uran - dementsprechend groß ist der Abfall, der beim Mahlen entstand. Pro Tonne produziertem Uran fallen etwa 750 Tonnen radioaktiven Abfalls an. Der Abfall beinhaltet etwa 85% der ursprünglichen Radioaktivität des Uranerzes.

Der Abfall ist radioaktiv und gibt Radongas an die Umwelt ab. Radioaktive Bestandteile des Abfalls können auch ins Grundwasser gelangen und dieses kontaminieren. Des Weiteren produziert eine einzige Mühle, wenn sie ungefiltert betrieben wird, pro Stunde über 20 kg radioaktiven Staubs, der sich in der Luft (je nach Windstärke) über ein enormes Gebiet verteilt.

Anreicherung

Uran kommt in der Natur als Gemisch dreier Isotope vor: U-238, U-235, U-234. Der überwiegende Teil des Urans besteht aus U-238-Isotopen. Für die Spaltung des Urans in einem Kernreaktor (Ausnahme Schneller Brüter) wird allerdings das Isotop U-235 benötigt, da dieses Isotop instabiler und deshalb leichter spaltbar ist. Zu diesem Zweck wird das Uran angereichert. Das Uran wird in Fabriken verfrachtet, und dort wird durch Isotopentrennung der Anteil des U-235-Isotops erhöht.

Endprodukt

Uran wird entweder in Kernkraftwerken für die Energiegewinnung oder aber für die Herstellung von Atomwaffen verwendet. Weitere Anwendungsmöglichkeiten liegen in der Herstellung von Nukleiden für Radioisotopengeneratoren und in der Nuklearmedizin.

Das abgereicherte Uran U-238 kann auch zur Herstellung von nichtnuklearer panzerbrechender Uranmunition verwendet werden.

Radioaktiver Abfall

Auch wenn das so verwendete Uran das Endprodukt darstellt, ist es nicht das einzige was am Ende des Herstellungsprozesses übrig bleibt. Lange nach dem Abbau des Urans bleiben Abfallprodukte in der Erde zurück (vergleiche Senke). Die Tailings, die beim Mahlen des Uranerzes entstandenen Abfälle, geben radioaktive Emissionen an die Umwelt ab. Um diese Emissionen in Grenzen halten zu können, werden oft rund um die Abfallberge Dämme gebaut und das ganze Gebiet mit Wasser überflutet, um die Strahlung durch das Gestein selbst zu minimieren.

Folgen

Bei der Kette der Uranwirtschaft entstehen also sowohl radioaktive wie auch chemische Emissionen. In den letzten Jahren wurde deshalb die Verwendung von Uran sowohl im zivilen wie auch im militärischen Bereich immer heftiger kritisiert. Trotzdem werden heute durch die absehbare Energiekrise infolge des Mangels an fossilen Brennstoffen wieder verstärkt Kernkraftwerke gebaut, so zum Beispiel in China.

Ökologische Probleme

Eine häufige Ausprägung der ökologischen Schäden ist die Verseuchung des Grundwassers. Das Unterwassersetzen der Tailings hat den negativen Effekt, dass das Wasser leicht in den Boden gelangt und dort das Grundwasser verseucht. Im Laguna Pueblo in New Mexico, dessen Land der Anaconda-Konzern gepachtet und dort zwischen 1952 und 1981 Uran abgebaut hat, stellte man 1975 beispielsweise fest, dass das gesamte Grundwasser des Dorfes radioaktiv verseucht war. Gemäß der Laguna-Acoma-Koalititon für eine sichere Umwelt sind in New Mexico bereits zwei Nebenflüsse des Rio San Jose radioaktiv verseucht.

Auch können die Dämme, die zur Überflutung des Abfalls errichtet werden, brechen. Am 11. Juni 1962 geschah dies beispielsweise in Edgemont in den Black Hills (South Dakota). Damals gelangten 200 Tonnen Abraum in den Cottonwood Creek, der in den Cheyenne River fließt. Der wiederum speist das Angostura Wasserreservoir, das in der Pine-Ridge-Reservation zur Landwirtschaftsbewässerung und als Trinkwasserversorgung dient.

Ein weiterer Dammbruch führte 1979 in New Mexico zur größten nuklearen Katastrophe der USA. Etwa 400 Millionen Liter radioaktiven Wassers flossen in den Rio Puerco. Dem verantwortlichen Konzern United Nuclear waren die Risse im Damm mindestens zwei Monate vor dem Unfall bekannt gewesen, trotzdem leiteten die Verantwortlichen keine Reparaturen in die Wege. Betroffen davon waren insbesondere die Diné-, Hopi- und Pueblo-Indianer.

Unfälle geschahen auch mit giftigen Chemikalien. Die Cove/McCoy-Mine in Arizona zum Beispiel hatte verschiedene Lecks bei denen etwa 500.000 Liter Flüssigkeit ausliefen. In den Flüssigkeiten waren etwa 400 Kilogramm Zyanid enthalten. Der Betreiber wurde für diese ökologische Katastrophe nicht zur Rechenschaft gezogen. Man stellte ihm nur die Auflage, die Anlage besser zu sichern.

Die Gefährlichkeit der Radioaktivität macht sich auch in der Tierwelt bemerkbar. Immer wieder werden tote Fische sowie Deformationen, wie zum Beispiel zweiköpfige Frösche, in der lokalen Tierwelt beobachtet. Gerade in Kanada wurde bei der Tierwelt in der Nähe von Uranmühlen erhöhte Sterilität und Mutationen vorgefunden. Dies hat insbesondere dort auch für die Indigenen negative Konsequenzen, wo die Indigenen von den ihnen von der Natur zur Verfügung gestellten Produkte abhängig sind.

Die Folgen der Uranstrahlung auf die Tiere wird insofern verstärkt, als dass viele Tiere verlassene Minenstollen als Schutz vor dem Wetter benutzen. Dort trinken die Tiere, darunter Kojoten, Füchse, Vieh, Pferde, Schafe, Reptilien, Vögel und Nagetiere, verseuchtes Wasser und fressen verseuchte Pflanzen.

Gesundheitliche Risiken

Bis in die späten 1980er-Jahre lehnte die US-Regierung jegliche Verantwortung für den Tod von Minenarbeitern ab. Erst 1989 erwähnte das amerikanische Repräsentantenhaus, dass mindestens 450 Uranbergwerksarbeiter an Lungenkrebs gestorben seien. Als direkte Folge dieser Erkenntnis erließ die US-Regierung ein Jahr später den Radiation Exposure Compensation Act. Damit sollen Minenarbeiter, wenn sie belegen können, von ihrer Tätigkeit gesundheitliche Folgeschäden erlitten zu haben, entschädigt werden.

In jüngerer Vergangenheit gelangten Wissenschaftler zu immer neueren Erkenntnissen, was die Gefährlichkeit des Uranabbaus betrifft. Diese Erkenntnisse lassen die als 'unschädlich' geltenden Grenzwerte denn auch immer weiter nach unten sinken.

Die Menschen im Umkreis von einer Meile um eine Abraumhalde leiden unter einem doppelt so hohen Krebsrisiko. Man spricht diesbezüglich auch von nationalen Opfergebieten.

Eine in der Pine Ridge Reservation, wo ebenfalls Uranabbau betrieben wurde, durchgeführte Studie untersuchte zwölf Familien. Davon hatten von 1962 bis Anfang 1980 zehn mindestens ein an Krebs gestorbenes Familienmitglied zu beklagen und dies obwohl dabei nur die Verstorbenen der Altersklasse zwischen 50 und 80 Jahre untersucht wurden. 38% aller Schwangerschaften endeten in einem Testmonat im Jahre 1979 mit einer Fehlgeburt. Damit lag sie um 6,35 Mal höher als im nationalen Durchschnitt. Von den geborenen Kindern litten im selben Zeitraum 60 bis 70% unter Atembeschwerden aufgrund von Fehlbildungen der Lunge.

Bekanntermaßen kann sowohl Rauchen, wie auch Minenarbeit zu Lungenkrebs führen. Sehr gefährlich ist allerdings die Kombination der beiden Risikofaktoren. Diese weist ein bedeutend höheres Krebsrisiko auf als wenn man die beiden Risikofaktoren getrennt voneinander betrachtet und sie anschließend zusammenaddiert. Bezeichnenderweise ist eine Mehrheit der Minenarbeiter Raucher.

Folgen des Uranabbaus in Deutschland

Die Langzeitfolgen für die Umwelt und deren gesellschaftlichen Kosten können an den Standorten des ehemaligen Uranabbaus der DDR betrachtet werden. Seit 1990 arbeiten 2.200 Mitarbeiter der Wismut GmbH mit einem Gesamtetat von 13 Milliarden Euro, davon die Hälfte aus Bundesmitteln an der Sanierung von u.a. über 300 Millionen Kubikmeter Abraumhalden, 160 Millionen Kubikmeter giftiger und radioaktiver Schlammseen und kontaminierte Aufbereitungsanlagen.

Literatur

  • Nando Stöcklin: Uranwirtschaft in Nordamerika - Die Folgen für die Indigenen. 2001: Incomindios Schweiz (Hg.), Zürich
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Uranwirtschaft aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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