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Künstliche Inseln zur Wasserstoff-Herstellung?

Norddeutsche Länder ziehen beim Thema Wasserstoff an einem Strang

27.08.2019

(dpa) Die norddeutschen Länder wollen zusammen mit dem Bund bei der Energiewende neben der Windkraft verstärkt auf umweltfreundliche Wasserstofftechnologie setzen. «Der Norden hat mit seinen Windparks eine Riesenchance», betonte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, am Montag bei einer Expertentagung zu sogenanntem grünem Wasserstoff in Cuxhaven. Überschüssiger Strom aus Windenergie könne in umweltfreundlichen Wasserstoff umgewandelt - und so gespeichert und leichter transportiert werden. Er kündigte an, dass der Bund bis Ende des Jahres seine Wasserstoff-Strategie vorlegen werde. Auch die norddeutschen Länder loten derzeit eine gemeinsame Strategie aus.

Der aus Ökostrom gewonnene «grüne Wasserstoff» hat aus Sicht von Experten bei der Energiewende und angestrebten klimaneutralen Industrieproduktion großes Potenzial. «Grüner Wasserstoff» wird aus der Nutzung erneuerbarer Energien wie Windkraft per Wasser-Elektrolyse gewonnen und unterscheidet sich vom «grauem Wasserstoff», der aus fossilen Rohstoffen wie Erdgas generiert wird. Er gilt im Gegensatz zum «grauen Wasserstoff» als klimafreundlicher.

Staatssekretär Ferlemann sprach sich dafür aus, dass neben Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee künstliche Inseln entstehen könnten, wo der erzeugte Strom in Wasserstoff umgewandelt werde. Schiffe könnten an den Plattformen entweder den Wasserstoff als Treibstoff tanken oder ihn an Land bringen. «So etwas hat noch niemand auf der Welt gemacht», sagte Ferlemann. «Solche Visionen müssen wir angehen». Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie wäre bereit, solche Flächen auf hoher See auszuweisen. 

Eine andere Möglichkeit wäre es, den Offshore-Strom zunächst an Land zu bringen und an der Küste in Wasserstoff zu verwandeln und zu speichern. «Die Rahmenbedingungen dafür liegen vor», sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos). Die geplanten Stromtrassen gen Süden würden dadurch nicht obsolet. «Wir brauchen beides: den konsequenten Ausbau aller Trassen als auch die Wasserstofftechnologie», unterstrich der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD). Denn künftig werde insgesamt nicht weniger, sondern mehr Energie benötigt als heute. Damit diese emissionsfrei sei, müsse die von der Bundesregierung auferlegte Deckelung der Windenergie-Produktion beendet werden. 

Nicht nur an Offshore-Windparks auf See könnte der Strom direkt in Wasserstoff umgewandelt werden. «Betreiber von Windparks der ersten Generation an Land suchen händeringend nach einer Perspektive», sagte Ferlemann. Nach 20 Jahren laufe die Förderung aus. Sie könnten nun in einen sogenannten Elektrolyseur investieren. Dieser spaltet Wasser in Sauerstoff und klimafreundlichen Wasserstoff auf.

Ein Problem sei, dass die relativ teure Wasserstofftechnologie bislang zu wenig von Verbrauchern nachgefragt werde, weil die Elektro-Mobilität im Fokus stehe. «Es nützt ja nicht zu produzieren, wenn die Nachfrage nicht da ist», sagte Ferlemann. Als ersten Schritt schlug er vor, dass Kommunen Wasserstoffbusse kaufen.

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