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Deutsche Unternehmen erhöhen Investitionen in Industrie 4.0

Großunternehmen rechnen mit Einsparungen in Höhe von 7,5 Prozent

18.12.2018

geralt, pixabay.com, CC0

Symbolbild

Deutsche Unternehmen verstärken ihre Anstrengungen zur Vernetzung der Produktion und Digitalisierung ihres Geschäftsmodells deutlich: So wollen acht von zehn Unternehmen im kommenden Jahr mehr in Industrie 4.0 investieren. Dazu zählen beispielsweise Investitionen in die Vernetzung von Maschinen, digitale Abbilder oder Cloud Computing. Schon in diesem Jahr investieren die Unternehmen 5,9 Prozent des Jahresumsatzes in entsprechende Anwendungen – nach 5,1 Prozent im Vorjahr. Die Großunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern geben sogar 7,5 Prozent ihres Umsatzes für Industrie 4.0 aus.

Die Investitionen können sich lohnen, denn Industrie-4.0-Anwendungen helfen dabei, Kosten zu reduzieren. So rechnen die Unternehmen mit Einsparungen durch Industrie 4.0 in Höhe von 6,7 Prozent. Großunternehmen erwarten sogar Kostenreduktionen von 7,5 Prozent.

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) investieren dagegen weniger und profitieren demzufolge auch weniger von Industrie 4.0. Im laufenden Jahr wollen sie 5,5 Prozent des Jahresumsatzes investieren und rechnen dafür mit Einsparungen in Höhe von 6,6 Prozent.

Seit 2015 ist der Anteil von Unternehmen, die Industrie 4.0 anwenden, von 39 Prozent auf 47 Prozent kontinuierlich gestiegen. Auch hier sind die größeren Unternehmen den KMU voraus: Während inzwischen 62 Prozent der Unternehmen mit 500 und mehr Mitarbeitern entsprechende Anwendungen im Einsatz haben, sind es bei den KMU nur 44 Prozent.

Merklich gestiegen ist auch der Anteil der Anbieter von Industrie-4.0-Lösungen – von sechs Prozent 2015 auf derzeit 12 Prozent aller befragten Unternehmen hat sich die Anzahl verdoppelt.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die insgesamt mehr als 550 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland befragt wurden. Die repräsentative Umfrage führte Bitkom Research durch.

EY-Partner Stefan Bley, zuständig für den Bereich Performance Improvement, sieht Industrie 4.0 bei deutschen Firmen angekommen: „Die Unternehmen wissen inzwischen, dass ihnen die erfolgreiche Einführung von digitalen Lösungen einen Wettbewerbsvorteil bringt. Die Unterschiede zwischen kleinen und größeren Unternehmen zeigen allerdings auch, dass nicht alle so stark auf die digitale Karte setzen können, wie sie wollen. Kleinere Unternehmen haben oft weder die Mittel noch das Know-how, um sich entsprechende Lösungen ins Haus zu holen. Die Tatsache, dass Unternehmen Industrie 4.0 zunehmend strukturierter angehen, zeigt sich insbesondere bei dem Fortschritt, eine IoT-Plattform für alle Unternehmensaktivitäten auszuwählen.“

Zu hoher Investitionsbedarf und fehlendes qualifiziertes Personal werden von der Mehrheit der Unternehmen nach wie vor als die größten Hindernisse für die Einführung von Industrie-4.0-Anwendungen gesehen. 62 Prozent können die nötigen Investitionen nicht stemmen, 54 Prozent haben zu wenig qualifiziertes Personal.

Schon jetzt für 80 Prozent strategisch relevant – Bedeutung nimmt zu

„Der hohe Stellenwert, den mittlerweile fast alle Unternehmen dem Thema einräumen, spricht dafür, dass die Einführung von Industrie 4.0 eher eine Frage der Möglichkeiten als des Wollens ist“, so Bley. 85 Prozent erwarteten eine zunehmende strategische Bedeutung von Industrie 4.0 in den kommenden fünf Jahren. Und für 80 Prozent sei sie jetzt schon strategisch relevant.

Allerdings ist auch bei den Unternehmen, die bereits entsprechende Technologien anwenden, der Erfolg nicht garantiert. Martin Neuhold, Partner bei EY und zuständig für den Bereich Smart Products & Smart Factories, ist der Ansicht, dass Unternehmen noch deutlich stärker von Industrie-4.0-Lösungen profitieren könnten: „Viele Unternehmen setzen ihre Digitalisierungsprojekte sehr heterogen um: Eine Abteilung plant dieses, die andere jenes Projekt. Damit das Gesamtunternehmen aber wirklich von Vorteilen wie niedrigeren Kosten oder höherer Effektivität profitieren kann, braucht es eine Gesamtstrategie mit einem klaren Ziel. Die Unternehmen sollten sich selbst aber nicht zu stark unter Druck setzen. Ein ambitionierter Zeitplan beispielsweise kann unter Umständen kontraproduktiv sein, wenn dadurch unausgereifte Technologien zu früh eingeführt werden – nur um im Plan zu bleiben.“

Ausnahmslos jedes Unternehmen bezeichnet IT-Sicherheit als wichtig

Als wichtigste Technologie für ihr Geschäftsmodell haben die Unternehmen die IT-Sicherheit identifiziert. Alle Befragten bezeichnen sie als sehr beziehungsweise eher wichtig. Die Vernetzung der Maschinen untereinander – die so genannte Machine-to-Machine-Kommunikation – hat mittlerweile für 92 Prozent der Unternehmen eine große Bedeutung. Cloud Computing sehen 81 Prozent als sehr oder eher wichtig an.

Die meisten Unternehmen bezwecken mit der Einführung von Industrie 4.0, flexibler in ihrer Produktion zu werden: 70 Prozent sehen hier das größte Potenzial, 54 Prozent in der Erhöhung ihrer Gesamtanlageneffektivität.

„Die IT-Sicherheit wird von allen Unternehmen groß geschrieben“, beobachtet Bley. „Das ist ein richtiges und wichtiges Signal. Die eigenen Daten und die Daten der Kunden müssen sicher sein, sonst droht der Verlust von Geschäftsgeheimnissen und Vertrauen. Anbieter von Industrie-4.0-Lösungen in Deutschland können daraus auch ein Geschäftsmodell machen: Sie können damit werben, dass die Daten auf Servern in Deutschland bleiben. Die sind in der Regel besser vor dem Zugriff durch Regierungen oder Kriminelle geschützt als in anderen Teilen der Welt.“

Neuhold ergänzt abschließend: „Wir sehen, dass die Kommunikation von Maschinen untereinander in der Produktion ein herausragendes Thema ist. Voraussetzung hierfür ist aber eine schnelle und stabile Internetverbindung. Gerade Hidden Champions auf dem Land sind hier auf den entschlossenen Ausbau von schnellem Internet angewiesen.“

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