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Albert Hofmann



Albert Hofmann (* 11. Januar 1906 in Baden, Aargau) ist ein promovierter Schweizer Chemiker und der Entdecker des LSDs.

 

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Leben

Albert Hofmann wuchs als Ältester von vier Geschwistern auf, der Vater war Werkzeugmacher. Als sein Vater schwer erkrankte, musste er zum Familienunterhalt mit beitragen und absolvierte daher eine kaufmännische Lehre. Währenddessen bereitete er sich auf seine Matura vor. Sein Patenonkel finanzierte ihm das Studium. Hofmann begann 1925 sein Chemiestudium an der Universität Zürich und wurde vier Jahre später mit Auszeichnung promoviert. Anschließend war er für mehr als vier Jahrzehnte bis zu seiner Pensionierung 1971 bei Sandoz in Basel tätig. Im Jahr 1943 entdeckte er die halluzinogene Wirkung des LSD. Heute lebt er auf der Rittimatte-Alm am Rande des Jura. Anlässlich seines 100. Geburtstags fand vom 13. bis 15. Januar 2006 in Basel das Symposium „LSD – Sorgenkind und Wunderdroge“ statt.

Forschungsarbeiten

Mutterkorn und LSD

Im Rahmen von Arzneimittelforschungen mit dem Getreidepilz Mutterkorn und unter der Zielsetzung, ein Kreislaufstimulans zu entwickeln, synthetisierte Hofmann 1938 verschiedene Amid-Derivate der Lysergsäure, darunter – als 25. Substanz dieser Versuchsreihe – das Diethylamid LSD-25. In Tierversuchen löste der Stoff Unruhe unter den Tieren aus, zeigte aber keine verwertbaren oder pharmakologisch interessanten Eigenschaften und wurde daher nicht weiter untersucht. 1943 entschied sich Hofmann dennoch, LSD noch einmal herzustellen. Während der Laborarbeit veranlasste plötzliche Unruhe und Unwohlsein ihn, seine Arbeit abzubrechen und heimzufahren. Zu Hause angekommen, hatte er bei geschlossenen Augen für ca. zwei Stunden intensive kaleidoskopartige, farbige Visionen. Vermutlich hatte er unbeabsichtigt und auf ungeklärte Weise eine Spur LSD aufgenommen.

Der bewusste LSD-Selbstversuch

Um diesem ungewöhnlichen Erlebnis auf den Grund zu gehen, entschied er sich, die Substanz mit der kleinsten für ihn denkbaren wirksamen Dosis im Selbstversuch zu testen, und protokollierte das Erlebnis:[1]

„16:20 Einnahme der Substanz
17:00 Beginnender Schwindel, Angstgefühl, Sehstörungen, Lähmungen, Lachreiz.
Mit Velo nach Hause. Von 18 – ca. 20 Uhr schwerste Krise, siehe Spezialbericht:
Die letzten Worte konnte ich nur mit großer Mühe niederschreiben. […] die Veränderungen und Empfindungen waren von der gleichen Art [wie gestern], nur viel tiefgreifender. Ich konnte nur noch mit größter Anstrengung verständlich sprechen, und bat meine Laborantin, die über den Selbstversuch informiert war, mich nach Hause zu begleiten. Schon auf dem Heimweg mit dem Fahrrad […] nahm mein Zustand bedrohliche Formen an. Alles in meinem Gesichtsfeld schwankte und war verzerrt wie in einem gekrümmten Spiegel. Auch hatte ich das Gefühl, mit dem Fahrrad nicht vom Fleck zu kommen. Indessen sagte mir später meine Assistentin, wir seien sehr schnell gefahren. [Zu Hause angelangt] wurden Schwindel und Ohnmachtsgefühl zeitweise so stark, daß ich mich nicht mehr aufrecht halten konnte und mich auf ein Sofa hinlegen mußte. Meine Umgebung hatte sich nun in beängstigender Weise verwandelt. […] die vertrauten Gegenstände nahmen groteske, meist bedrohliche Formen an. Sie waren in dauernder Bewegung, wie belebt, wie von innerer Unruhe erfüllt. Die Nachbarsfrau […] war nicht mehr Frau R., sondern eine bösartige, heimtückische Hexe mit einer farbigen Fratze. etc. etc.“

Albert Hofmann: Protokoll des LSD-Selbstversuchs

Später beim Ausklang des Rausches:

„Jetzt begann ich allmählich, das unerhörte Farben- und Formenspiel zu genießen, das hinter meinen geschlossenen Augen andauerte. Kaleidoskopartig sich verändernd drangen bunte phantastische Gebilde auf mich ein, in Kreisen und Spiralen sich öffnend und wieder schließend, in Farbfontänen zersprühend, sich neu ordnend und kreuzend, in ständigem Fluß. Besonders merkwürdig war, wie alle akustischen Wahrnehmungen, etwa das Geräusch einer Türklinke oder eines vorbeifahrenden Autos, sich in optische Empfindungen verwandelten. Jeder Laut erzeugte ein in Form und Farbe entsprechendes, lebendig wechselndes Bild.“

Albert Hofmann: Protokoll des LSD-Selbstversuchs

Nachträglich stellte sich heraus, dass es sich bei der von ihm gewählten Dosis (ca. 250 µg) um das drei- bis fünffache der (aus heutiger Sicht) normal wirksamen Dosis handelte. LSD gehört zu den potentesten und stärksten bekannten Halluzinogenen (vgl. DMT, Psilocin). Er selbst resümierte später die zufällig geschehene Entdeckung mit den Worten: „Das LSD ist zu mir gekommen“.[2] Seine von starken Halluzinationen begleitete Fahrradfahrt vom Labor nach Hause ging unter dem Namen „Fahrradtag“ (Bicycle-Day) in die Geschichte der LSD-Kultur ein.

Das Mutterkorn fand dennoch Anwendung in der Medizin, da dessen Inhaltsstoffe unter anderem eine auf den Tonus wirkende Substanz enthalten, die bei Schwangeren zur Einleitung der Wehen genutzt werden kann.(Quelle?)

Abseits von LSD

Hofmann erforschte außerdem andere psychoaktive Stoffe wie Psilocybin, psilocinhaltige Pilze, auch bekannt als Teonanacatl oder Zauberpilze, die LSA-haltigen Samen der Prunkwinden und der Ololiuqui sowie das Salvinorin, der Wahrsager- oder Zaubersalbei Salvia divinorum. Weiterhin isolierte und synthetisierte er die Wirkstoffe bedeutender Arzneipflanzen, um deren Wirkungen zu untersuchen.

Hofmanns Ansichten

  Hofmann setzt sich zeit seines Lebens dafür ein, dass psychedelische Substanzen wie das LSD zu Forschungszwecken legalisiert werden sollen. Optimistisch äußert er die Ansicht, die richtige Anwendung von LSD in der menschlichen Kultur sei eine Frage der Zeit.[3]

Als in den USA in den 1960er Jahren Timothy Leary den Massenkonsum von LSD propagierte, übte Hofmann starke Kritik. Mit der Substanz müsse vorsichtig umgegangen werden, es handle sich nicht um eine Genussdroge. Als in dieser Zeit der CIA zu Forschungszwecken LSD an nicht darüber informierte Versuchspersonen verabreichte (mit einem folgenschweren Todesfall),[4] bezeichnete er diese Vorgehensweise als Verbrechen.[5]

„Je tiefer man in die lebendige Natur hineinsieht, desto wunderbarer erkennt man sie. Ich glaube, man fühlt sich dann auch geborgen. Man gehört ja zu ihr, man kann sie sehen, man kann sie erleben. Das Bewusstsein ist schon das größte Geschenk des Schöpfers an die Menschen; dass man ein Bewusstsein hat und wir uns unserer Schöpfung bewusst werden können – nicht nur einfach blind durch das Paradies gehen.“

Albert Hofmann: im Fernsehinterview zur 3sat-Dokumentation LSD – Wunderdroge und Horrortrip – Albert Hofmann, der Erfinder des LSD wird 100, 2005

Ehrungen

  • Für sein wissenschaftliches Werk wurde ihm mehrfach die Ehrendoktorwürde verliehen.
  • 2007 wurde er nach einer Umfrage im Auftrag der Tageszeitung Guardian unter 4.000 Briten zu dem bedeutendsten lebenden Genie gewählt („world's top 10 living geniuses“).[6]

Schriften

  • LSD – mein Sorgenkind. Die Entdeckung einer „Wunderdroge“. Klett-Cotta, Stuttgart 1979, ISBN 3-608-94300-5
  • Pflanzen der Götter. Die magischen Kräfte der Rausch- und Giftgewächse (mit Richard E. Schultes). Hallwag, Bern 1980
    • Neuausgabe: AT, Aarau 1995, ISBN 3-85502-645-9
  • Einsichten – Ausblicke. Essays, Sphinx, Basel 1986
    • überarbeitete und ergänzte Neu-Auflage: Nachtschatten, Solothurn 2003, ISBN 978-3-907080-93-1
  • Naturwissenschaft & mystische Welterfahrung. Eine Volkspredigt. Grüne Kraft, Löhrbach 1992, ISBN 3-925817-50-6
  • Lob des Schauens. Mit Fotos von Werner Huber. Nachtschatten, Solothurn 2002, ISBN 3-907080-84-X

Literatur

  • Mathias Bröckers: Trans Psychedelischer Express. Eleusis – Basel – Babylon – und weiter. Nachtschatten, Solothurn 2002, ISBN 3-907080-89-0
  • Mathias Bröckers / Roger Liggenstorfer: Albert Hofmann und die Entdeckung des LSD. Auf dem Weg nach Eleusis. AT, Aarau 2006, ISBN 978-3-03800-276-5
  • Günter Engel / Paul Herrling: Grenzgänge – Albert Hofmann zum 100. Geburtstag, Schwabe, Basel 2006, ISBN 978-3-7965-2210-9

Film

  • Hofmann's Potion. Dokumentarfilm, Kanada, 2002, 56 Min., Regie: Connie Littlefield, Produktion: National Film Board of Canada, Inhaltsangabe

Hörspiel-/CD-Produktionen

  • Lob des Schauens. Ein Portrait zum 95. Geburtstag des LSD-Entdeckers Albert Hofmann, Audio-CD, Nachtschatten, Solothurn 2001, ISBN 978-3-907080-83-2
  • Erinnerungen eines Psychonauten. Von der Entdeckung entheogener Drogen, Audio-CD (Originaltonaufnahmen) [7], hg. v. Thomas Knoefel, supposé Köln 2003, ISBN 978-3-932513-38-1
  • Die Eleusinischen Mysterien und ihre Bedeutung für die moderne Welt, DVD-Box, AVR 2004, ISBN 978-3-938317-06-8
  • Hofmanns Elixier oder Die Welt ist perfekt. 2005, 43 Min., Regie: Regine Ahrem, Musik: Michael Rodach, Produktion: Rundfunk Berlin-Brandenburg [8]
  • Literatur von und über Albert Hofmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Wikiquote: Albert Hofmann – Zitate
  • «LSD – mein Sorgenkind» in englischer Übersetzung
  • Albert Hofmann bei Erowid (englisch)
  • LSD – Sorgenkind und Wunderdroge: Internationales Symposium zum 100. Geburtstag von Albert Hofmann. 13. – 15. Januar 2006 – Kongresszentrum Basel, Schweiz.
  • Albert Hofmann Foundation
  • Kalenderblatt: „18.04.1943: Albert Hofmann entdeckt das LSD“, BR, 18. April 2007
Interviews
  • „Stanislav Grof interviews Dr. Albert Hofmann − Esalen Institute, Big Sur, California, 1984
  • „Wenn man im Paradies lebt, will man ja nicht so schnell weg“, Telepolis, 11. Januar 2006, ein Gespräch mit Dr. Albert Hofmann und Mathias Bröckers zu Hofmanns 100. Geburtstag
Videos
  • Albert Hofmanns Dankes- und Schlussrede an seinem 100. Geburtstag in Basel, ca. 4 Min.
  • A. Hofmann unterscheidet Psychedelica von süchtig machenden Drogen, Januar 1999 , ca. 2 Min.

Quellen

  1. zitiert aus dem Handbuch der Rauschdrogen, Wolfgang Schmidbauer & Jürgen vom Scheidt, S. Fischer Verlag, ISBN 3-596-13980-5
  2. „Das LSD ist zu mir gekommen“, taz, 11. Januar 2006, Interview zum 100. Geburtstag
  3. Video-Dokumentation „Hofmann's Potion“ von Connie Littlefield, 2002   Hofmann's Potion in der Internet Movie Database (englisch)
  4. Der Fall Dr. Olson
  5. BBC Video-Dokumentation „LSD, The Beyond Within“ von Max Whitby, 1986
  6. „Sheer genius: from the web to Homer Simpson“, The Guardian, 29. Oktober 2007
  7. Besprechung von ›Psychonauten‹ in 3sat, 2005
  8. Inhaltsangabe der ARD mit Audio-Ausschnitten
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Albert_Hofmann aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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