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Amprenavir



Steckbrief
Name (INN) Amprenavir
Wirkungsgruppe

Protease-Inhibitor

Handelsnamen

Agenerase®

Klassifikation
ATC-Code AE05
CAS-Nummer 161814-49-9
Verschreibungspflichtig: Ja


Fachinformation (Amprenavir)
Chemische Eigenschaften

IUPAC-Name: tetrahydrofuran-3-yl [3-[(4-aminophenyl)sulfonyl- (2-methylpropyl)amino]- 1-benzyl-2-hydroxy-propyl]aminomethanoat
Summenformel C25H35N3O6S
Molare Masse 505,628 g g/mol

Amprenavir (Handelsname: Agenerase ®) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Protease-Inhibitoren und wird zur Therapie von HIV-Infektionen angewandt. Protease-Inhibitoren werden im Zuge einer sogenannten „highly active antiretroviral therapy“ (HAART) mit anderen antiviralen Wirkstoffen (NRTI, NNRTI) kombiniert.

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Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Amprenavir wurde von Vertex Pharmaceuticals entwickelt und 1995 als neuer antiviraler Wirkstoff der Öffentlichkeit präsentiert. Die Zulassung für das Arzneimittel Agenerase® mit Amprenavir als Inhaltsstoff wurde für die USA im April 1999 erteilt. Die Europäische Arzneimittelagentur EMEA folgte im Oktober 2000. Zulassungsinhaber ist Glaxo Wellcome.

Indikation

Amprenavir wird, so wie die übrigen Wirkstoffe aus der Gruppe der Protease-Inhibitoren, in Kombinationen mit anderen Virustatika zur Therapie einer Infektion durch HIV-1 bei Erwachsenen und Kindern über vier Jahren angewandt. Verschiedene Kombinationen zeigten bei etwa der Hälfte der Patienten einen deutlichen Rückgang der Viruslast.

Wirkungsmechanismus

Amprenavir hemmt die virale Protease von HIV-1. Dieses Enzym spielt eine maßgebliche Rolle bei der Bildung neuer infektiöser Viruspartikel. Somit kann durch Hemmung der Protease letztlich die Virusausbreitung im menschlichen Körper eingeschränkt werden. Im Gegensatz zu älteren Vertretern der selben Gruppe dürfte der Bindungsmechanismus zwischen Enzym und Wirkstoff andersartig sein. Dies lässt sich aus der Tatsache schließen, dass bei Patienten, die resistent gegen einen älteren Protease-Inhibitor reagierten, keine Kreuzresistenz gegen Amprenavir auftrat.

In der klinischen Testphase wurde die Wirksamkeit von Amprenavir mit der des erprobten Arzneistoffes Indinavir verglichen. Dabei erschien Amprenavir als weniger wirksam und weniger nachhaltig als das Vergleichsmittel.

Pharmakologie

Amprenavir wird oral verabreicht und im Magen-Darmtrakt rasch und fast vollständig resorbiert. Eine gleichzeitige Nahrungsaufnahme kann geringfügige Auswirkungen auf die Resorption haben. Die Eliminationshalbwertzeit beträgt ca. 10 Stunden. Folglich reicht es, das Medikament zweimal täglich, bei einer Einzeldosis von 1200 mg, einzunehmen. Im Blut wird der Wirkstoff zu etwa 90 % an Plasmaproteine gebunden und in der Leber beinahe vollständig metabolisiert.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Unerwünschte Wirkungen, die man beobachtet, betreffen hauptsächlich den Gastrointestinaltrakt. Wie bei anderen Protease-Inhibitoren treten Durchfall und Bauchschmerzen auf. Weiters kommt es zu Parästhesien und Hautreaktionen. Makulopapulöse Hautauschläge traten in klinischen Studien bei bis zu einem Drittel der Patienten auf, wobei es relativ oft (bei 1 % der Behandelten) zu lebensbedrohlichen Komplikationen, etwa dem Stevens-Johnson-Syndrom kam, worauf die Therapie abgebrochen werden musste. Auch metabolische Störungen, einschließlich Fettumverteilungsphänomene, wurden unter Amprenavir beobachtet. Allerdings scheint dies weniger häufig der Fall zu sein, als bei Therapie mit Indinavir. Amprenavir gehört aufgrund seiner chemischen Struktur zu den Sulfonamiden. Dies kann in bestimmten Fällen zu Überempfindlichkeitsreaktionen führen. Der Abbaumechanismus von Amprenavir durch die Leber (Cytochrom P450 und hauptsächlich CYP3A4) hat zahlreiche Interaktionen mit anderen Arzneistoffen zur Folge. Vor allem lipophile, ZNS-wirksame Medikamente, wie zum Beispiel Benzodiazepine oder Antidepressiva, aber auch Antihistaminika und Antiarrhythmika, können gemeinsam mit Amprenavir schwerwiegende Folgewirkungen verursachen. Auch bei Induktoren des Cytochrom-P450-Systems, wie beispielsweise Johanniskraut-Extrakten, ist Vorsicht geboten, da solche den Amprenavir-Spiegel im Blut senken.

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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Amprenavir aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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