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Carvedilol



Steckbrief
Name (INN) Carvedilol
Wirkungsgruppe

Handelsnamen

Dilatrend®, Carvecard®, Querto®

Klassifikation
ATC-Code AG02
CAS-Nummer 72956-09-3
Verschreibungspflichtig: JA


Fachinformation (Carvedilol)
Chemische Eigenschaften

IUPAC-Name: (±)-1-(4-Carbazolyloxy)-3
-[2-(2-methoxyphenoxy)ethylamino]
-2-propanol
Summenformel C24H26N2O4
Molare Masse 406.474

Carvedilol ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Betablocker, der zur Behandlung des Bluthochdrucks (arterielle Hypertonie), der Angina Pectoris und der chronischen Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Er unterscheidet sich von anderen Betablockern durch zusätzliche Wirkungen als Alphablocker und Vasodilatator. Carvedilol unterliegt der ärztlichen Verschreibungspflicht.

Inhaltsverzeichnis

Klinische Angaben

Anwendungsgebiete (Indikationen)

Carvedilol wird zur Behandlung der essentieller Hypertonie und der Angina pectoris eingesetzt. Carvedilol ist ebenfalls in Kombination mit Diuretika und ACE-Hemmern zur Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz zugelassen.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Absolute Kontraindikationen sind die dekompensierte Herzinsuffizienz, Herzinsuffizienz mit einer Ruheherzfrequenz < 65/min, akute Lungenembolie, Prinzmetal-Angina, Cor pulmonale, Asthma bronchiale, unbehandeltes Phäochromozytom, klinisch relevante Leberfunktionsstörungen, intravenöse Therapie mit Antiarrhythmika, kompletter Links- oder Rechtsschenkelblock, akute entzündliche Herzerkrankungen, hämodynamisch wirksame Herzklappenfehler, Personen unter 18 J.

Relative Kontraindikationen sind die instabile Angina pectoris, AV-Block 1. Grades, periphere Gefäßerkrankungen und die Hyperthyreose.


Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)

Als unerwünschte Arzneimittelwirkung kann es zu einer Verstärkung einer Prinzmetal-Angina, zu Luftnot, verstopfter Nase, Gliederschmerzen, Verstärkung von Claudicatio intermittens und Raynaud-Syndrom kommen. Selten können Sehstörungen, Verwirrtheit, Psychose, Ödeme, Veränderungen der Leberwerte, Thrombopenie und Leukopenie auftreten. Bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz oder eingeschränkter Nierenfunktion kann eine Verschlechterung der Nierenfunktion eintreten, selten auch Nierenversagen.

Pharmakologische Eigenschaften

Wirkungsmechanismus (Pharmakodynamik)

Carvedilol ist ein kompetitiver Rezeptorantagonist für Beta- und Alpha-1-Adrenozeptoren. Die beobachtete Vasodilatation erfolgt hauptsächlich durch eine Blockade von α1-Rezeptoren. Carvedilol besitzt keine intrinsische sympathikomimetische Aktivität. Aufgrund der vasodilatierenden Eigenschaft senkt Carvedilol den peripheren Gefäßwiderstand, und aufgrund der β-Blockade wird die Plasma-Renin-Aktivität vermindert.

Aufnahme und Verteilung im Körper (Pharmakokinetik)

Carvedilol wird schnell resorbiert, der maximale Wirkspiegel wird etwa nach etwa einer Stunde erreicht. Die absolute Bioverfügbarkeit liegt beim Menschen um 25 %. Die Plasmahalbwertszeit nach oraler Einnahme beträgt etwa sechs bis zehn Stunden. Die Ausscheidung erfolgt überwiegend biliär über die Leber, ein geringer Anteil wird in Form von Metaboliten über die Niere ausgeschieden.

Sonstige Information

Studien

Nachweis bei Herzinsuffizienz

COPERNIKUS (Carvedilol Prospective Randomized Survivial Trail), war eine Studie bei der Carvedilol versus Placebo eingesetzt wurde. Eingeschlossen waren Patienten mit Herzinsuffizienz NYHA IV. Carvedilol senkte die Gesamtsterblichkeit gegenüber dem Placebo um 35%. Eingeschlossen waren Patienten mit Trinkmengenbegrenzung und unter der Zusatzmedikation von ACE-Hemmern, Diuretika und Digitalis Diese Studie zeigte erstmalig den Nutzen von Betablocker bei diesem Stadium der Herzinsuffizienz. Weiterhin besteht eine Kontraindikation von Betablockern bei der akut dekompensierten Herzinsuffizienz.

Vergleich mit Metoprolol

Die 1996 begonnene und 2003 in The Lancet publizierte COMET-Studie mit insgesamt 3029 Patienten zeigte eine Überlegenheit von 2 x 25 mg Carvedilol im Vergleich zu 2 x 50 mg Metoprolol in nicht retardierter Form bei Patienten mit Herzinsuffizienz. Unter Carvedilol starben während der durchschnittlich fünf Studienjahre 88 Patienten weniger als unter Metoprolol, was einer statistisch signifikanten Senkung der Mortalität um 17% entsprach. Die Relevanz dieser Studienergebnisse wird bis heute kontrovers diskutiert, da das Metoprolol in geringerer Dosis und in einer anderen Galenik verabreicht wurde, als es der heutigen Standardtherapie bei Herzinsuffizienz entspricht. Kritiker werfen den Leitern der von den Carvedilol-Anbietern Hoffmann-La Roche und GlaxoSmithKline finanzierten Studie vor, dass sie aufgrund dieser Erkenntnisse spätestens 1999 hätte abgebrochen werden müssen. In den aktuellen Leitlinien für die Behandlung der Herzinsuffizienz in Europa und den USA werden die Betablocker Bisoprolol, Carvedilol und Metoprolol als in adäquater Dosierung vermutlich gleichwertig angesehen.

Literatur

  • Philip A. Poole-Wilson et al: Comparison of Carvedilol and metoprolol on clinical outcomes in patients with chronic heart failure in the Carvedilol Or Metoprolol European Trial (COMET): randomised controled trial. Lancet 2003; 362:7-13.
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Carvedilol aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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