Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

Chlorkautschuk



Chlorkautschuk ist eine nicht ganz exakte Bezeichnung, weil es sich bei dieser Art von Polymeren um thermoplastische Materialien und nicht etwa wie vermutet, um Elastomere handelt.

Genauer ist der englische Ausdruck Chlorinated Rubber, der gleich das Herstellungsverfahren im Namen "beinhaltet": in chlorierten Kohlenwasserstoffen als Lösemittel werden vornehmlich C-C-doppelbindungshaltige Polymere wie Natur- oder Synthesekautschuke, z. B. Polybutadien, mit Chlor zur Reaktion gebracht. Dabei werden sowohl Chloratome an die Doppelbindungen addiert als auch Wasserstoffatome unter Chlorwasserstoff-Abspaltung substituiert.

Der Chlorgehalt kann nach Reaktion ca. 65 Gewichts-% vom Polymer ausmachen. Durch die Chlorierung verlieren die Kautschuke ihren Elastomercharakter und werden zu thermoplastischen Kunststoffen. Das Lösemittel aus dem Herstellverfahren wird anschließend vom Chlorkautschuk abgetrennt und zurückgewonnen.

Die Handelsform ist daher ein feinteiliges, weisses bis gelbliches Pulver. Die Dichte liegt im Bereich von 1,5 g/cm3. Die Entfernung der eingesetzten chlorierten Lösemittel muss sehr gründlich geschehen, da signifikante Restmengen von z. B. Tetrachlormethan sich für eine Vermarktung aufgrund der Giftigkeit verbieten. Moderne Produkte entsprechend dem Stand der Technik haben deshalb einen sehr niedrigen Gehalt an Tetrachlormethan von gleich oder geringer als 0,005 %. Bekannt sind Chlorkautschuke besonders im europäischen Raum unter der Bezeichnung Pergut® .


Anwendungen

Löslich ist Chlorkautschuk in aromatischen Lösemitteln, chlorierten Kohlenwasserstoffen, diversen Estern und einigen Weichmachern. Chlorkautschuk ist dem Kunststoff PVC nicht unähnlich. Wegen der niedrigen Wasserdampfdurchlässigkeit, der guten Beständigkeit gegen tiefe und hohe Temperaturen, gegen Feuchtigkeit, Säuren, Salzen und Laugen wird Chlorkautschuk als Bindemittel für Lacke und Anstriche im schweren Korrosionsschutz, für Straßenmarkierungsfarben, auf Beton (auch Schwimmbäder) sowie für Druckfarben und Klebstoffe eingesetzt. U. a. findet Chlorkautschuk als Haftverbesserer für Gummi-Metallverbindungen bei der Vulkanisation Verwendung.


Literatur

  • Kirk-Othmer Encyclopedia of Chemical Technology, Verlag John Wiley & Sons, Inc. 2001
  • Römpp Chemie Lexikon (CD-ROM), Georg Thieme Verlag 2006
  • Technische Produktinformationen zu Pergut®, Fa. Bayer MaterialScience AG
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Chlorkautschuk aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.