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Judengold



Judengold ist eine historische, heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für ein goldfarbenes Material, das durch Erhitzen einer Mischung von Zinnamalgam, Salmiak und Schwefel gewonnen wurde und das vorwiegend zur imitierten Vergoldung von Kunstwerken und zu ähnlichen Zwecken verwendet wurde, indem man es mit Eiweiß oder Lack auftrug. Diese Scheinvergoldung widersteht Säuren, fetten Ölen und Schwefelwasserstoff besser als manche später verwendeten Bronzefarben, die wiederum heute durch moderne Farbstoffe verdrängt worden sind.

Der Begriff Judengold kann als judenfeindlich angesehen werden, weil er impliziert, dass jüdische Händler in großem Stil Vergoldungen fälschten. Von der lateinischen Bezeichnung aurum mosaicum leiteten sich als Verballhornungen die alternativen Bezeichnungen Muschelgold und Musivgold ab.

Chemisch handelt es sich um Zinn(IV)-sulfid (SnS2), das im kristallinen Zustand aus goldglänzenden Blättchen besteht. Diese fühlen sich zwischen den Fingern wie Talk an und lassen sich auf der Oberfläche von Körpern in dünnste Schichten zerteilen. Zinn(IV)-sulfid ist unlöslich in Wasser, wird auch von Salzsäure oder Salpetersäure nicht angegriffen, löst sich aber in Königswasser und Kalilauge und sublimiert beim Erhitzen zum Teil unzersetzt.

Quellen

  • Meyers Konversations-Lexikon, Band 16. Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892
  • Otto Dammer, Handbuch der anorganischen Chemie . Verlag F. Enke, 1903
  • Richard Krüger, Handbuch der Baustofflehre. Verlag A. Hartleben, 1899
  • Franz Erben, Handbuch der klinischen Sachverständigen-Tätigkeit. Band 1, Vergiftungen. Verlag W. Braumüller, 1909
 
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