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Mollier-h-x-Diagramm



Das Mollier-h-x-Diagramm (früher i-x-Diagramm) ermöglicht es, Zustandsänderungen feuchter Luft durch Erwärmung, Befeuchtung, Entfeuchtung, Kühlung und Mischung verschiedener Luftmengen zu ermitteln. Das Mollier-h-x-Diagramm gilt für einen bestimmten Luftdruck (in der Regel 1bar), also für isobare Zustandsänderungen. Die Größen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Enthalpie und Dichte werden dabei auf graphischem Wege bestimmt. Das Diagramm wurde 1923 nach Richard Mollier benannt (siehe auch "Psychrometrie").

Inhaltsverzeichnis

Aufbau des Diagrammes

  Auf der Abszisse (x-Achse) wird die Wassermenge x in Gramm (oder kg) pro kg trockene Luft abgetragen. Auf der Ordinate (y-Achse) befindet sich die Enthalpie h der Luft in kJ/kg und zwar so, dass die Verdampfungsenthalpie des Wassers nach unten und die fühlbaren Enthalpie ("Wärme") des Luft-Wasserdampf-Gemisches nach oben aufgetragen ist. Daher verlaufen die Linien gleicher Enthalpie (Isenthalpen) schiefwinklig. Der Index "1+x" besagt, dass der Wert für 1kg trockene Luft und x kg Wasser gemeint ist. Die Linien gleicher Temperatur (Isothermen) steigen im Gebiet der ungesättigten Luft leicht an, nämlich um den fühlbaren Enthalpie-Anteil des Wasserdampfes. Im Sättigungspunkt (relative Feuchte φ = 1) knicken die Linien nach unten ab, weil über den maximalen Dampfanteil hinaus Wasser dann nur noch flüssig in Form von kleinen Wassertropfen (Nebel) in der Luft enthalten sein kann. Die Isotherme weicht im Nebelgebiet nur noch um die geringe fühlbare Enthalpie des zusätzlichen Wasseranteils von der durch den Sättigungspunkt laufenden Isenthalpen ab. Der Ursprung des Diagrammes liegt bei 0°C für trockene Luft (x=0).

Im Gebiet der ungesättigten Luft gibt es nun Kurven gleicher relativer Luftfeuchte φ, die durch eine gleichmäßige Teilung der jeweiligen Isothermenabschnitte zwischen φ = 0 und φ =1 entstehen. Die relative Luftfeuchtigkeit wird also immer geringer, je wärmer die Luft wird, wenn sich die Wassermenge x nicht ändert.

Beispiele zur Anwendung

Vorgänge im Diagramm darstellen

  Zur Benutzung des Diagramms müssen mindestens 2 Größen bekannt sein, die anderen lassen sich daraus ableiten: Trockenkugeltemperatur, Taupunkttemperatur, Feuchtkugeltemperatur, relative Feuchte φ, absolute Feuchte, spezifische Enthalpie und Dichte.

Von einem Punkt im Diagramm, z.B. 30°C; 10g/kg (Punkt 1), lassen folgende Informationen ableiten:

  • Trockenkugeltemperatur: Wird waagrecht direkt an der Ordinate abgelesen (30°C).
  • Taupunkttemperatur: Senkrecht nach unten bis zur Taulinie folgen. Dann die Temperatur auf der Ordinate ablesen (13,9°C; 10g/kg [Punkt 4]).
  • Feuchtkugeltemperatur: Entlang der Isenthalpen bis zur Taulinie folgen. Dann die Temperatur auf der Ordinate ablesen (19,5°C; 14,2g/kg [Punkt 6]).
  • Relative Feuchte: Hyperbolische Linien, die durch die Taulinie begrenzt werden (37% r.F.).
  • Absolute Feuchte: Wird direkt an der Abszisse abgelesen (10g/kg).
  • Spezifische Enthalpie: Die Isenthalpen sind Linien gleicher spezifischer Enthalpie (im Bild rot [56kJ/kg]).
  • Dichte: Die Linien gleicher Dichte verlaufen mit leichtem Gefälle von links nach rechts (im Bild grün [1,133kg/m³]).

Zustandsänderungen im Mollier-Diagramm darstellen:

  • Erhitzen: Bei Erhitzen der Luft verschiebt sich der Zustandspunkt vertikal nach oben, z.B. von 30°C auf 50°C (Punkt 1 nach Punkt 3).
  • Kühlen (ohne Kondensation): Bei Kühlen der Luft verschiebt sich der Zustandspunkt vertikal nach unten, entgegengesetzt zur Erwärmung.
  • Befeuchten (1): Bei Befeuchten der Luft verschiebt sich der Zustandspunkt nach rechts, z.B. von Punkt 1 nach Punkt 5. Dies ist ein recht theoretischer Vorgang, der lediglich annähernd durch die Befeuchtung mit relativ kaltem Dampf erzielt wird.
  • Befeuchten (2): Bei adiabater Befeuchtung, z.B. durch einen Sprühbefeuchter, verschiebt sich der Zustandspunkt entlang der Isenthalpen in Richtung Taulinie.
  • Entfeuchten: Bei Entfeuchten der Luft verschiebt sich der Zustandspunkt nach links. Zumeist ist dieser Vorgang jedoch mit einer Temperaturänderung verbunden. Beim Entfeuchten durch Kondensation verschiebt sich der Punkt nach links unten, bei einer sorptiven Entfeuchtung nach links oben.
  • Mischen von Luftströmen: Die Darstellung eines Mischprozesses unterschiedlicher Luftströme erfolgt mittels des „Gesetz der abgewandten Hebel“.

Am anschaulichsten für die Vorgehensweise hierbei ist ein Beispiel:

Wird ein Luftstrom A mit 2.000kg/h und 30°C; 10g/kg (Punkt 1) mit dem Luftstrom B mit 1.000kg/h und 15°C; 4g/kg (Punkt 7) gemischt, so liegt der Mischpunkt auf der Geraden zwischen den Punkten 1 und 7. Der Abstand des Mischpunktes liegt dabei genau den Anteil des kalten Luftstromes am Mischstrom vom warmen Punkt entfernt (1.000kg/h = 1/3 von 1.000kg/h + 2.000kg/h = 3.000kg/h). Da der Einfluss des kalten Luftstromes vom warmen aus abgetragen wird, spricht man vom „abgewandten Hebel“. Somit liegt der Mischpunkt bei 25°C; 8g/kg (Punkt 8).

Luftbefeuchtung

  Die angesaugte Luft aus der Umgebung wird erwärmt. Die eingesogene Luft hat eine bestimmte Temperatur und beinhaltet eine gewisse Menge Wasser, da Raumluft nie ganz trocken ist (ab einer relativen Luftfeuchte von <35% droht eine Austrocknung der Schleimhäute). Nun wird diese Luft von einer Heizung im Trockner erhitzt, wodurch sich die relative Luftfeuchte reduziert (roter Pfeil).

Die erwärmte Luft wird in die Trommel geführt. Sie streicht über die Wäsche, dabei verdunstet das Wasser in der Wäsche (Die Luft wird adiabat befeuchtet). Die dafür nötige Verdampfungswärme wird der warmen Luft entzogen. In der Luft sinkt dadurch die Temperatur, gleichzeitig steigt die Wasserbeladungsmenge. Die Enthalpie der Luft bleibt annähernd konstant und kann an den in dem Mollier-Diagramm befindlichen Enthalpie-Linien abgelesen werden (blauer Pfeil).

Die befeuchtet Luft wird dabei bis auf die sogenannte Feuchtkugeltemperatur abgekühlt. Ist diese Temperatur erreicht, so kann kein Wasser mehr von der Luft aufgenommen werden.

Internationale Anwendung

Im angelsächsischen Raum wird das Mollier-h-x-Diagramm mit vertauschten Achsen unter der Bezeichnung „psychrometric chart“ verwendet. Entsprechend ändern sich die Richtungen bei der Darstellung der Luftzustandsänderungen.

Siehe auch

Literatur

  • Taschenbuch für Heizung und Klimatechnik (1994/1995). 67. Aufl., R.Oldenbourg Verlag München Wien, ISBN 3-486-26213-0.
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Mollier-h-x-Diagramm aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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