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Tay-Sachs-Syndrom



Klassifikation nach ICD-10
E75.0 GM2-Gangliosidose
Tay-Sachs-Krankheit
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Das Tay-Sachs-Syndrom, auch bezeichnet als infantile amaurotische Idiotie, ist eine autosomal-rezessiv vererbte Fettstoffwechselstörung. Sie ist nach Warren Tay und Bernard Sachs benannt, welche die Krankheit erstmals in den Jahren 1881 bzw. 1898 dokumentierten.

Durch ein Defekt des Enzyms Hexosaminidase wird GM²-Gangliosid in der Retina und in Nervenzellen angehäuft. Dieses führt zur Aufblähung und schließlich zum Untergang der entsprechenden Nervenzellen. Es kommt daher im Krankheitsverlauf zu fortschreitendem Abbau kognitiver Fähigkeiten und zum Verlust der Bewegungs- und Sehfähigkeit. Die Krankheit wird meistens zwischen dem dritten und achten Lebensmonat erkannt und führt innerhalb weniger Jahre zum Tode.

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Inhaltsverzeichnis

Epidemiologie

Die Häufigkeit der für die Krankheit verantwortlichen Mutation (Chromosom 15, Lokus 15q23-24, auch Alphakette genannt) ist bei Menschen jüdisch-osteuropäischer Herkunft auffällig erhöht. Sie kommt auch besonders häufig bei Franko-Kanadiern, Iren und Cajuns vor [1]. Dort wird die Häufigkeit der heterozygoten Anlageträger mit 1:25 eingeschätzt.

Das Auftreten der Krankheit wird durch genetische Untersuchungen im Vorfeld von Schwangerschaften und bei entsprechendem Befund mit dem Ziel von deren Vermeidung niedrig gehalten.

Ätiologie

Ganglioside werden normalerweise kontinuierlich durch sequentielle Abspaltung der endständigen Zucker abgebaut. Den betroffenen Kindern fehlt das Enzym β-N-Acetylhexosaminidase, das für die Entfernung von terminalen N-Acetylgalactosaminreste zuständig ist. Daher ist der Gangliosidgehalt im Gehirn des Kindes drastisch erhöht.

Diagnose

Der Nachweis ist aufgrund verminderter Aktivität von Hexosaminidase A bzw. B in Blutserum, Leukozyten- oder Fibroblastenkulturen gegeben. Auch ein Heterozygotennachweis ist möglich (Pränataldiagnostik).

Symptomatik

 

  • Kirschroter Fleck auf der Makula bei über 95% der Patienten
  • Zunehmende Muskelschwäche nach dem dritten Lebensmonat
  • Schreckreaktionen auf Schallreize
  • Psychomotorischer Abbau, Verlust des Sitz- und Stehvermögens
  • Zunehmende Schwerhörigkeit, Blindheit, Paresen sowie Spasmen
  • Puppenartiges Gesicht mit blasser durchscheinender Haut, langen Augenwimpern, feinem Haar und auffällig rosafarbener Gesichtsfarbe

Ergänzend hierzu:

  • In der späten Säuglingszeit zunehmendes Erbrechen sowie rezidivierende Pneumonien
  • Nach dem 16. Lebensmonat progressive Makrozephalie infolge zerebraler Gliose. Zudem tritt die Lipidose kortikaler, autonomer und rektaler Mukosaneuronen mit balloniertem Zytoplasma und peripher abgedrängtem Zellkern auf. Fortschreitende Demyelinisierung sowie kortikale Gliose sind ein weiteres Merkmal. Hierbei sind keine pathologischen Veränderungen viszeraler Organ zu beobachten.

Prognose

Die Patienten versterben in der Regel bis zum dritten Lebensjahr aufgrund einer rezidivierenden Pneumonie.

Therapie

Es können lediglich die Symptome therapiert werden.

In besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen werden zur Erfassung heterozygoter Anlageträger entsprechende Beobachtungsprogramme durchgeführt. Familien in denen die Krankheit bereits aufgetreten ist, nutzen die Möglichkeit einer genetischen Beratung im Vorfeld einer Schwangerschaft bzw. die pränatale Diagnostik. Um die Krankheit zu vermeiden, ist von einer Schwangerschaft abzuraten. Sofern bereits empfangen wurde, sollte ein Schwangerschaftsabbruch bedacht werden.

Einzelnachweise

  1. http://www.tay-sachs.org/taysachs.php
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Tay-Sachs-Syndrom aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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