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Zemannit



Zemannit
Bild eventuell bei Commons:Mineral
Chemismus Mg0,5ZnFe3+[TeO3]3 • 4,5 H2O
Mineralklasse Sulfite, Selenite, Tellurite
IV/K.10-30 (nach Strunz)
34.3.2.1 (nach Dana)
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse hexagonal-dipyramidal 6/m \;
Farbe hellbraun bis dunkelbraun
Strichfarbe weiß
Mohshärte k. A.
Dichte (g/cm³) 4,05 – 4,36
Glanz Diamantglanz
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Bruch k. A.
Spaltbarkeit nicht beobachtet
Habitus nadelig bis prismatisch
Häufige Kristallflächen \{ 10\bar10\}, \{ 10\bar11\}
Zwillingsbildung nicht beobachtet
Kristalloptik
Brechzahl nω = 1,850
nε = 1,930
Doppelbrechung
(optische Orientierung)
Δn = 0,0800 ; einachsig positiv
Pleochroismus rotbraun nach gelbbraun
Winkel/Dispersion
der optischen Achsen
2vz ~ k. A.
Weitere Eigenschaften
Phasenumwandlungen k. A.
Schmelzpunkt k. A.
Chemisches Verhalten k. A.
Ähnliche Minerale Keystoneit, Kinichilit, Francisit, Quetzalcoatlit
Radioaktivität nicht radioaktiv
Magnetismus nicht magnetisch
Besondere Kennzeichen keine

Zemannit ist ein sehr seltenes Mineral aus der Mineralklasse der Oxide und Hydroxide und der Abteilung der Sulfite, Selenite und Tellurite mit der chemischen Formel Mg0,5ZnFe3+[TeO3]3 • 4,5 H2O. Es kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und bildet meist kleine prismatische Kristalle, die eine braune Farbe besitzen.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Etymologie und Geschichte

Zemannit wurde erstmals 1961, jedoch noch ohne Namen, als mögliches neues Mineral aus Moctezuma (Sonora, Mexiko) erwähnt.[1]. Es wurde zunächst für ein reines Zink-Tellurat(IV) (Zinktellurit) oder Zink-Tellurat(VI) (Zinktellurat) gehalten, aufgrund von Problemen bei der Bestimmung der exakten chemischen Formel verzögerte sich die Mitteilung des neuen Minerals an die International Mineralogical Association (IMA).

Erst 1967 gelang es Matzat auf der Grundlage von Daten aus Kristallstrukturanalysen eine genauere Bestimmung der chemischen Zusammensetzung, die fortan als (Na,H)2(Zn,Fe3+,Mn,Mg)2[TeO3]3 • n H2O angegeben wurde.[2] Er wählte den Namen Zemannit als Anerkennung für die wissenschaftlichen Verdienste, besonders im Bereich der tellurhaltigen Minerale, des österreichischen Mineralogen Josef Zemann (*1923). 1969 wurde es als neues Mineral mit dem Namen Zemannit und der revidierten chemischen Formel von der IMA anerkannt.

Spätere Untersuchungen zeigten, dass Zemannit, ebenso wie der verwandte Kinichilit, nur Spuren von Natrium und hauptsächlich Magnesium enthält, die Formel wurde daraufhin erneut korrigiert und entspricht der heutigen Form: Mg0,5ZnFe3+[TeO3]3 • 4,5 H2O.[3]

Zemannit wird in der Systematik der Minerale unter der Nummer IV/K.10-30 nach Strunz geführt. Die Typlokalität ist die La Bomballa-Mine in Moctezuma, Sonora, Mexiko.

Bildung und Fundorte

Zemannit ist sekundäres Mineral, das aus der Verwitterung von gediegen Tellur oder telluridhaltiger Minerale, zum Beispiel Sylvanit oder Calaverit, entsteht. Das elementare Tellur oder die Tellurid-Anionen (Te2− beziehungsweise Te22−) werden dabei zu Te4+-Kationen oxidiert, die zusammen mit Oxid-Ionen stabile Oxotellurat(IV)-Ionen (Tellurit-Ionen) [TeO3]2− bilden. Zemannit kann neben den in der Formel genannten Elementen auch Spuren von Mangan sowie von Alkali- und Erdalkalimetallen enthalten.

Begleitende Minerale (Paragenesen) von Zemannit sind häufig die beiden in der Natur auftretenden Modifikationen des Tellurdioxids (TeO2), Tellurit und Paratellurit, und andere Te4+-haltige Minerale sowie gediegen Tellur.

Zemannit ist chemisch und strukturell eng mit Keystoneit, Kinichilit, Francisit und Quetzalcoatlit verwandt, die alle zur so genannten Zemannitgruppe gezählt werden.

Neben der La Bambolla-Mine (Moctezuma -Mine) der Typlokalität Moctezuma ist die Kawazu-Mine bei Shimoda (Japan) ein weiterer Fundort von Zemannit.[4]

Morphologie

  Zemannit bildet nadelförmige bis prismatische Einkristalle die meist nur eine Länge von wenigen Millimetern erreichen. Da die Kristalle des sekundären Minerals in der Regel ungestört auf Gesteinsoberflächen wachsen können, sind sie meist idiomorph ausgebildet und spiegeln die Symmetrie der Kristallklasse 6/m (hexagonal-dipyramidal) wider. Charakteristisch für Zemannit-Kristalle ist ein gerades hexagonales Prisma, das oft von hexagonalen Pyramiden über den beiden Basisflächen der Prismen abgeschlossen wird. Die Pyramidenflächen sind bei einigen Kristallen jedoch nur angedeutet, die Spitze der Pyramiden fehlt. Ein Modell der idealen Kristallform ist in der Abbildung links dargestellt.

Struktur

 

Kristallographische Daten[3]
Kristallsystem hexagonal
Raumgruppe P6_3/m \;
Gitterparameter
(Elementarzelle)
a = (b) = 941 pm
c = 764 pm
Zahl (Z) der
Formeleinheiten
Z = 2

Zemannit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P6_3/m \; mit den Gitterparametern a = 941 pm und c = 764 pm sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Die Te4+-Kationen bilden mit drei Sauerstoffatomen komplexe [TeO3]2−-Anionen. Die Sauerstoffatome bilden die Basisfläche einer trigonalen Pyramide, an deren Spitze sich das Tellurkation befindet. Diese Anordnung kann auch als ein Tetraeder angesehen werden, wobei das freie, nicht-bindende Elektronenpaar des Te4+ in die einzige unbesetzte des Tetraeders zeigt.

Die Zn2+- und Fe3+-Kationen teilen sich die selbe Position in der Kristallstruktur, wobei diese statistisch zu 60 % mit Eisen und zu 40 % mit Zink besetzt ist, die Werte können jedoch bei verschiedenen Kristallen auch andere Verhältnisse annehmen. Enthält die Struktur auch Spuren von Mn2+-Ionen, befinden diese sich ebenfalls auf der Zink/Eisen-Position. Die Zink/Eisen-Kationen werden von sechs Sauerstoffatomen in Form von verzerrten Oktaedern umgeben, die Sauerstoffatome sind gleichzeitig Teil der [TeO3]2−-Anionen. Die [(Fe,Zn)O]6-Oktaeder und [TeO3]2−-Anionen bilden dadurch ein dreidimensionales Netzwerk mit großen Kanälen parallel der kristallographischen c-Achse. Daher wird die Struktur des Zemannits auch oft als „zeolithartig“ beschrieben.

Die Mg2+-Kationen sind von je sechs Wassermolekülen ebenfalls oktaedrisch umgeben. Die [Mg(H2O)6]2+-Komplexe befinden sich in den oben beschriebenen Kanälen des Netzwerks und dienen dem Ladungsausgleich. Die Positionen der Mg2+-Kationen in der Kristallstruktur sind dabei nur zur Hälfte besetzt, was sich auch schon in der chemischen Formel von Zemannit andeutet („Mg0,5“).

Verwendung

Aufgrund der Seltenheit und der oft mikroskopisch kleinen Kristalle hat Zemannit keine technische Bedeutung und wird ausschließlich als Sammlerobjekt gehandelt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. J. A. Mandarino, J. S. Williams: Five new minerals from Moctezuma, Sonora, Mexico. In: Science. Nr. 133, 1961, S. 2017.
  2. E. Matzat: Die Kristallstruktur eines unbenannten zeolithartigen Tellurminerals, {(Zn,Fe)2[TeO3]3}NaxH2-x • n H2O. In: Tschermaks Mineralogische und Petrologische Mitteilungen. Nr. XII, 1967, S. 108-117.
  3. a b R. Miletich: Crystal chemistriy of the microporous tellurite minerals zemannite and kinchilite, Mg0.5[Me2+Fe3+(TeO3)3] • 4.5 H2O, (Me2+=Zn;Mn). In: European Journal of Mineralogy. Nr. 7, 1995, S. 509-523.
  4. H. Hori, E. Koyama, K. Nagashima: Kinchilite, an new mineral from the Kawazu mine, Shimoda city, Japan. In: Mineralogical Journal. Nr. 13, 1981, S. 333-337.

Literatur

  • R. V. Gaines: The Moctezuma tellurium deposit. In: Mineralogical Record. Nr. 1, 1970, S. 40-43.
  • J. A. Mandarino, E. Matzat, S. J. Wiliams: Zemannite, a zinc tellurite from Moctezuma, Sonora, Mexico. In: Canadian Mineralogist. Nr. 14, 1976, S. 387-390.
  • E. Matzat: Die Kristallstruktur eines unbenannten zeolithartigen Tellurminerals, {(Zn,Fe)2[TeO3]3}NaxH2-x • n H2O. In: Tschermaks Mineralogische und Petrologische Mitteilungen. Nr. XII, 1967, S. 108-117.
  • R. Miletich: Crystal chemistriy of the microporous tellurite minerals zemannite and kinchilite, Mg0.5[Me2+Fe3+(TeO3)3] • 4.5 H2O, (Me2+=Zn;Mn). In: European Journal of Mineralogy. Nr. 7, 1995, S. 509-523.
 
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