23.11.2011 - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

„Faulen Hunden“ Beine machen

„Faule Hunde“ nennen die Chemiker der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Thomas Müller an der Universität Oldenburg extrem reaktionsträge Moleküle wie zum Beispiel molekularen Wasserstoff, aber auch klimarelevante Stoffe wie Kohlenstoffdioxid oder Fluorkohlenwasserstoffe. André Schäfer, Matti Reißmann und Dr. Annemarie Schäfer konnten in einer Reihe von Experimenten nachweisen, dass bestimmte Siliciumverbindungen die Stoffe sind, um diesen Molekülen „Beine zu machen“ und sie zur Reaktion zu bringen.Eine Entdeckung, die ein Gremium internationaler Gutachter als „besonders wichtig“ wertete und die das Fachblatt „Angewandte Chemie“ in seiner aktuellen Ausgabe vorstellt.

Der Oldenburger Arbeitsgruppe geht es um die Herstellung und Anwendung außergewöhnlich reaktiver siliciumhaltiger Verbindungen. In einer Reihe von Experimenten konnten die Oldenburger Chemiker nachweisen, dass sich molekularer Wasserstoff in Gegenwart dieser Siliciumverbindungen ohne jede weitere Energiezufuhr – das bedeutet unter Normaldruck und bei Raumtemperatur – aktivieren lässt. Eine Fähigkeit, zu der nach dem aktuellem Wissenstand bislang fast ausschließlich schwermetallhaltige – und somit toxische – Verbindungen in der Lage schienen. „Die Aktivierung von molekularem Wasserstoff ist ein zentraler Schritt in die richtige Richtung“, erläutert Müller. Denke man beispielsweise an die viel diskutierte Umstellung auf eine umweltschonende Wasserstoffwirtschaft, dann könnten die jetzt vorgestellten Erkenntnisse hinsichtlich der sicheren Lagerung und Wiederbereitstellung von Wasserstoff von großem Nutzen sein. Aber auch viele chemisch industrielle Prozesse bei denen Wasserstoff, zumeist in Verbindung mit Schwermetallen, zum Einsatz komme, könnten auf lange Sicht einschneidende Veränderungen erfahren.

Die Oldenburger Wissenschaftler haben schon neue Objekte für ihre siliciumhaltigen Moleküle ins Auge gefasst. Nachdem sie erst kürzlich zeigten, dass sie mit den Molekülen Fluorkohlenwasserstoffe abbauen können, steht nun das klimarelevante Kohlenstoffdioxid und seine Umwandlung in Grundchemikalien oder Treibstoffen ganz oben auf ihrer Agenda.

  • „Ein neuer Syntheseweg für Triarylsilyliumionen und deren Anwendung in der Aktivierung von molekularem Wasserstoff“, Dipl.-Chem. André Schäfer, M.Sc. Matti Reißmann, Dr. Annemarie Schäfer, Dipl.-Chem. Wolfgang Saak, Detlev Haase and Prof. Dr. Thomas Müller, in: Angewandte Chemie
Fakten, Hintergründe, Dossiers
Mehr über Uni Oldenburg
  • News

    Blick ins Innere einer Batterie

    Was passiert in einer Batterie auf mikroskopischer Ebene während des Ladens und Entladens? Ein neues Verfahren, um diese bislang kaum zugänglichen Vorgänge live zu beobachten, hat ein Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Gunther Wittstock vom Institut für Chemie der Universität Oldenburg kürzli ... mehr

    Von Seegurken lernen: umweltfreundliche Biolacke aus dem Meer?

    Bootsbesitzer kennen die Problematik: Liegt das Boot erstmal länger im Hafen, wird es schnell bunt unter der Wasseroberfläche. Mikroorganismen wie beispielsweise Bakterien oder Algen bilden einen sogenannten Biofilm und bewachsen Rumpf, Kiel und Ruderblatt. Darauf siedeln sich später auch g ... mehr

    Damit der Akku länger hält – Lithium-Ionen-Batterien besser verstehen

    Eine der größten Herausforderungen auf dem Weg zu leistungsfähigeren Lithium-Ionen-Akkus sind hauchdünne Filme, die sich während des Betriebs auf den Elektroden bilden. Diese Beläge schützen die Elektroden und die Batterieflüssigkeit vor Zersetzung, verringern aber die Leistung der Akkus um ... mehr