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Chloroquin



Steckbrief
Name (INN) Chloroquin
Wirkungsgruppe

Handelsnamen

Nivaquine® (CH)
Resochin® (D)

Klassifikation
ATC-Code BA01
CAS-Nummer 54-05-7
Verschreibungspflichtig: Ja


Fachinformation (Chloroquin)
Chemische Eigenschaften

IUPAC-Name: 7-Chlor-4-(4-diethyl-amino -1-methylbutylamino)-chinolin
Summenformel C18H26ClN3
Molare Masse 319,872 g/mol

Chloroquin ist ein chemisch mit Chinin verwandter Arzneistoff zur Therapie und Prophylaxe der Malaria tropica. Darüber hinaus findet Chloroquin als Mittel bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen, dem Lupus erythematodes und der Porphyria cutanea tarda Verwendung.

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Inhaltsverzeichnis

Wirkungsweise

Chloroquin hemmt die Kristallisierung von Hämozoin, einem Abbauprodukt des Häms. Hämozoin entsteht, wenn der Malariaerreger das Hämoglobin in infizierten roten Blutkörperchen abbaut, um daraus Proteine für seinen eigenen Stoffwechsel zu gewinnen. Kann das Hämozoin nicht mehr kristallisiert werden, führt dies zum Absterben des Parasiten.

Chloroquin besitzt eine blutschizontozide Wirkung, d.h. es führt zu einer Hemmung im späteren erythrozytären Stadium des Erregers. Chloroquin war einstmals das weltweit am häufigsten verwendete Medikament zur Therapie und Vorbeugung der Malaria, es ist jedoch heutzutage aufgrund resistenter Erreger zunehmend unwirksam.

Dosierung und Anwendung

Chloroquin kann zur Prophylaxe wöchentlich oder täglich eingenommen werden. Bei Tabletten zu 100 mg Chloroquinbase (Nivaquine®) nehmen Erwachsene eine Woche vor Reisebeginn bis vier Wochen nach Reiseende drei Tabletten einmal pro Woche oder eine Tablette täglich ein. Aufgrung häufiger Resistenzen wird Chloroquin in der Regel in Kombination mit anderen Wirkstoffen verwendet, zum Beispiel mit Proguanil. Chloroquin ist verschreibungspflichtig.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Chloroquin kann diverse Nebenwirkungen haben, darunter eine Trübung der Hornhaut und eine Veränderung der Netzhaut im Auge, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen, neuropsychiatrische Symptome und Hautrötungen. Besonders bei schweren Leber- Nierenschädigungen darf Chloroquin nicht genutzt werden. Die Kombination von Chloroquin zusammen mit leberschädigenden Arzneimitteln oder Monoaminoxidase Hemmern (MAO-Hemmer) darf nicht erfolgen. Chloroquin darf nicht zur Anwendung kommen, falls Erkrankungen im Bereich des Auges und des blutbildenden Systems vorliegen. Besteht eine Überempfindlichkeit gegen Chinin oder Mefloquin, darf Chloroquin nicht zur Therapie eingesetzt werden.

Die wöchentliche Einnahme von Chloroquin ist für schwangere Frauen und stillende Mütter zwar erlaubt, sollte aber für eine Langzeitanwendung bei täglicher Einnahme (wie bei Therapie der rheumatoiden Arthritis) unterbleiben. Es besteht sonst die Gefahr von Augendefekten beim Ungeborenen bzw. beim Säugling. Chloroquin kann auch bei Kindern angewendet werden, die Langzeitbehandlung sollte allerdings nicht erfolgen.

Geschichte

Chloroquin wurde 1934 durch Hans Andersag bei der I.G. Farbenindustrie in Elberfeld synthetisiert. Dieses Resochin® genannte Mittel hatte jedoch zuerst keine Bedeutung, da die deutsche Wehrmacht im zweiten Weltkrieg zur Malariaprophylaxe das nah verwandte, zur gleichen Zeit erfundene Sontochin einsetzte. Proben von Sontochin wurden bei deutschen Kriegsgefangenen in Nordafrika gefunden und in den USA analysiert. Dort wurden auch analoge Substanzen untersucht, dabei zeigte sich die überlegene Wirkung und Verträglichkeit von Chloroquin im Vergleich zu eingeführten Mitteln wie Atebrin, dem unter dem Namen Quinacrine dominierenden Malariamittel der Alliierten im Pazifikkrieg[1]. Nach dem zweiten Weltkrieg war Chloroquin lange Zeit ein hochwirksames Mittel; in der Zwischenzeit haben viele Malariaparasiten eine Resistenz gegen den Arzneistoff entwickelt.

Weitere Nutzungen

Chloroquin wird auch in der Zellkultur bei Transfektionen eingesetzt, um die Effizienz der Transfektion zu erhöhen. Es hemmt die lysosomalen DNasen, indem es den pH-Wert innerhalb der Vesikel neutralisiert.

Chloroquin wird ebenfalls für die Therapie der Rheumatoiden Arthritis eingesetzt.

Siehe auch

Quellen

  1. W. Sneader: Drug Discovery. A History. Wiley 2005 ISBN 0-471-89980-1
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Chloroquin aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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