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Metformin



Steckbrief
Name (INN) Metformin
Wirkungsgruppe

Antidiabetikum

Handelsnamen
  • Glucophage® (D) (CH)
  • Mescorit® (D)
  • Diabetase® (D)
Klassifikation
ATC-Code BA02
CAS-Nummer 657-24-9
Verschreibungspflichtig: Ja


Fachinformation (Metformin)
Chemische Eigenschaften

IUPAC-Name: 1,1-Dimethylbiguanid
Summenformel C4H11N5
Molare Masse 129,16 g/mol−1

Metformin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Biguanide, der bei nicht-insulinabhängiger Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) und insbesondere bei Übergewicht und Fettsucht eingesetzt wird. Es ist eines der am längsten eingesetzten Antidiabetika. Studien zufolge verringert es als einziges das Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen bei Typ 2 Diabetes.[1]

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Wirkprinzip

Das molekulare Wirkprinzip von Biguaniden ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Klinische Studien zeigen, dass Metformin die Glucose-Neubildung in der Leber hemmt. Neben der Aufnahme von Zucker (Glucose) mit der Nahrung stellt dieser Stoffwechselweg, mit dem Glucose aus dem Umbau von Aminosäuren und anderen Stoffwechselprodukten gewonnen wird, eine wichtige Einflussgröße des Blutzuckerspiegels dar. Immer wieder wird auch darauf hingewiesen, dass Metformin zusätzlich die Resorption von Glukose im Darm hemmen und eine schnellere Aufnahme in die Muskelzellen bewirken soll, doch konnten diese beiden Effekte bislang nicht sicher nachgewiesen werden.[2]

Neuerdings wird Metformin auch erfolgreich bei der Behandlung des Polyzystischen Ovarialsyndroms verwendet, wo es offenbar die krankhaft gesteigerte Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron blockiert.[3] Es eröffnet am PCO-Syndrom erkrankten Frauen eine Möglichkeit, dennoch schwanger zu werden.

Gegenanzeigen

Bei echtem Insulinmangel wie dem Typ-I-Diabetes, der diabetischen Ketoazidose oder dem diabetischen Koma ist Metformin ungeeignet, da das Hormon Insulin mittels Injektionen verabreicht werden muss.

Metformin darf außerdem nicht bei Niereninsuffizienz, Leberversagen, Alkoholismus oder solchen Begleitumständen eingesetzt werden, die eine Übersäuerung durch Milchsäure begünstigen können. Hierzu zählt die Herzinsuffizienz oder etwa eine Fastenkur. Herzinfarkt, Schock oder schwere Infektionen verbieten seine Anwendung. Bei Schwangerschaft besteht eine strenge Indikationsstellung, da eine teratogene Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann. Metformin geht in die Muttermilch über und sollte bei stillenden Müttern nur in begründeten Fällen eingesetzt werden. Auch vor Operationen, Anästhesie, Untersuchungen mit intravaskulärer Verabreichung von Kontrastmitteln oder intensivmedizinischer Betreuung (bessere Steuerbarkeit) muss Metformin mindestens 24 Stunden vor bis 48 Stunden nach dem Ereignis abgesetzt werden.

Nebenwirkungen

Unter Beachtung der Kontraindikationen treten als Nebenwirkung gastrointestinale Beschwerden auf. Bei Durchfall und Erbrechen ist Metformin sofort abzusetzen, da es durch Störungen des Salzhaushaltes und Flüssigkeitsverlust sowie mangelnder Nahrungsaufnahme die erwünschte Wirkung nicht mehr erbringen kann. Unbedingt Rücksprache mit dem betreuenden Arzt halten und Kontrollmessungen des Blutzuckerspiegels selbst vornehmen - auf Insulin umstellen. Auch bei Infektionen ist Vorsicht geboten, da jede Art von Entzündungen den Stoffwechsel des Diabetikers entgleisen lassen kann. Hypoglykämien sind sehr selten. Laktatazidose


Dosierung und Anwendungsmöglichkeiten

Metformin steht in drei Wirkstärken von 500 mg, 850 mg und 1000 mg zur Verfügung, um eine individuelle Blutzuckereinstellung vornehmen zu können. Die Tabletten werden oral zu oder nach den Mahlzeiten verabreicht, woraus sich folgende Dosierungen ergeben:

  • Erwachsene: 2-3mal täglich bis zu einer maximalen Dosis von 3000 mg pro Tag
  • Kinder: 1-2mal täglich bis zu einer maximalen Dosis von 2000 mg pro Tag

Nach einer Initialphase von ca. 14 Tagen, in der man niedrig- bzw. mittelstarkdosiert einsteigt, ist meist eine Dosisanpassung anhand der Blutglukosespiegel notwendig.

Metformin wird in erster Linie als Monosubstanz eingesetzt. Sollte sich damit keine ausreichende Blutzuckersenkung einstellen, läßt es sich mit anderen oralen Antidiabetika, wie den Sulfonylharnstoffen oder den Insulin-Sensitizern oder den Dipeptidyl-Peptidase-4-Inhibitoren kombinieren.

Zur Erhöhung der Compliance und zur Verringerung der Anzahl der einzunehmenden Tabletten wurden fixe Kombinationen von Rosiglitazon mit Metformin und Pioglitazon mit Metformin in den Handel gebracht.


Handelsnamen

Metformin als Monosubstanz

  • Biocos®
  • Diabeformin®
  • Diabesin®
  • Diabetase®
  • Glucophage®
  • Juformin®
  • Mediabet®
  • Mescorit®
  • Meglucon®
  • Metformin®
  • Siofor®
  • Diabetex® (in Österreich)


Kombination von Metformin mit Rosiglitazon

  • Avandamet®


Kombination von Metformin mit Pioglitazon

  • Competact®


Referenzen

  1. Effect of intensive blood-glucose control with metformin on complications in overweight patients with type 2 diabetes (UKPDS 34). UK Prospective Diabetes Study (UKPDS) Group. In: Lancet. 352, Nr. 9131, 1998, S. 854–65. PMID 9742977
  2. Natali A,Ferrannini E.: Effects of metformin and thiazolidinediones on suppression of hepatic glucose production and stimulation of glucose uptake in type 2 diabetes: a systematic review. Diabetologia. 2006 Mar;49(3):434-41. PMID 16477438
  3. Misugi T, Ozaki K, et. al.: Insulin-lowering agents inhibit synthesis of testosterone in ovaries of DHEA-induced PCOS rats. Gynecol Obstet Invest. 2006;61(4):208-15. PMID 16479139

Siehe auch

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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Metformin aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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