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Methotrexat



Strukturformel
Bezeichnungen
Freiname Methotrexat
IUPAC-Name (S)-2-{4-[(2,4-Diaminopteridin- 6-ylmethyl)methylamino] benzoylamino}pentandisäure
Summenformel C20H22N8O5
CAS-Nummer 59-05-2
Chemisch-physikalische Daten
Molare Masse 454,44 g/mol
Schmelzpunkt 195 °C
Siedepunkt

Methotrexat (MTX) ist ein Analogon der Folsäure (Vitamin B9). Es inhibiert als Folsäure-Antagonist kompetitiv und reversibel das Enzym Dihydrofolat-Reduktase (DHFR). Der Wirkstoff wird als Zytostatikum (Antimetabolit) in der Chemotherapie eingesetzt.

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Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Methotrexat wird vor allem bei schweren Erkrankungen eingesetzt. Zur Anwendung ist der Arzneistoff in Tablettenform und zur intravenösen oder intramuskulären Injektion verfügbar. Außerdem kann Methotrexat auch intrathekal (in das Nervenwasser) verabreicht werden.

Bei Anwendung von hochdosiertem Methotrexat (mehr als 500 mg/m2 KOF ist die zeitlich in definierten Abständen erfolgende Gabe von Folinsäure (ein Antagonist und Antidot von Methotrexat) zwingend, da ansonsten schwere Komplikationen drohen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (meistens intravenös bis zu 3000 ml/m2 KOF/Tag) ist ebenfalls sehr wichtig zur Gewährleistung einer regelrechten Ausscheidung von Methotrexat. Zusätzlich wird der Harn stark alkalisiert, da die Löslichkeit von MTX aufgrund des Glutaminsäurerestes stark pH abhängig ist. Bei einer Methotrexat-Vergiftung (beispielsweise bei Nicht-Ausscheiden von Methotrexat über die Niere) ist die Gabe des Methotrexat-spaltenden Enzyms Carboxypeptidase G2 erfolgreich. Diese baut MTX durch Abspaltung des Glutaminsäurerestes zu einem Metaboliten ab. Da die Wasserlöslichkeit dieses Metaboliten allerdings auch nieder ist und weiterhin auch das Antidot Calciumfolinat abgebaut wird, wird diese Notfallbehandlung noch kritisch diskutiert.

Krebserkrankungen

Der Einsatz von Methotrexat bei Krebserkrankungen erfolgt fast immer in Kombination mit anderen Zytostatika. Zumeist wird Methotrexat dabei als intravenöse Infusion verabreicht. Subkutane Injektionen und intrathekale Gaben sind aber auch möglich. Methotrexat wird bei nachfolgenden Krebserkrankungen eingesetzt:

  • Akute lymphatische Leukämie (ALL) - Kinder und Erwachsene
  • Mammakarzinom
  • Medulloblastom, Ependymom - Kinder und Erwachsene
  • Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) - Kinder und Erwachsene
  • Osteosarkom - Kinder und Erwachsene

Bei den Tumorerkrankungen wird Methotrexat zumeist hochdosiert als intravenöse Infusion eingesetzt. Eine Verabreichung von Methotrexat in das Nervenwasser (intrathekal) wird entweder zur Vorbeugung oder zur Behandlung eines Befalls des Zentralnervensystems (Gehirn, Rückenmark) durch eine ALL oder ein NHL durchgeführt. Beim Medulloblastom und Ependymom erfolgt der Einsatz von Methotrexat sowohl als intravenöse Infusion als auch als intrathekale Gabe. Beim anaplastischen Astrozytom und Glioblastom im Kindesalter erfolgt eine hochdosierte intravenöse Therapie im Rahmen einer Behandlungsstudie.

In der Dauertherapie der akuten lymphatischen Leukämie sowie bestimmter Non-Hodgkin-Lymphome werden auch Methotrexat-Tabletten verabreicht (1 x wöchentlich).

Autoimmunerkrankungen

Bei Autoimmunerkrankungen wird Methotrexat eingesetzt, um die bei diesen Erkrankungen krankhafte Aktivität (Überaktivität) des Immunsystems zu unterdrücken. Methotrexat kommt als Medikament der zweiten Stufe dann zum Einsatz, wenn die Medikamente der ersten Stufe (zum Beispiel Kortison) nicht ausreichen. Die Menge an Methotrexat, die bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird, ist meist sehr viel niedriger als die in der Therapie von Tumoren benötigte. Methotrexat gehört zu den wichtigen Basismedikamenten bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und kann, bei regelmäßigen Kontrolle der Blutwerte und der Organfunktion, über viele Jahre gegeben werden.

  • rheumatoide Arthritis oder primär chronische Polyarthritis
  • Juvenile idiopathische Arthritis
  • Systemischer Lupus Erythematodes (SLE)
  • Systemische Sklerose (Sklerodermie)
  • Polymyositis-Dermatomyositis
  • Psoriasis
  • Multiple Sklerose
  • Morbus Bechterew
  • Uveitis
  • Morbus Crohn
  • Churg-Strauss-Syndrom-CSS
  • Morbus Boeck
  • Rezidivierende Polychondritis

Nebenwirkungen

Wie bei anderen Zytostatika auch, leiten sich die Nebenwirkungen vor allem von den hemmenden Auswirkungen auf sich schnell teilende Körperzellen ab. Sie sind jedoch sehr viel stärker bei hochdosierter Gabe bei Tumoren als bei niedrigdosierter, manchmal langjähriger Gabe bei rheumatischen Erkrankungen.

  • Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, gastrointestinale Blutungen
  • Blutbildendes System: Anämie, Leukopenie
  • Keimzellen: Störung in der Spermatogenese und der weiblichen Eizelle
  • Haarausfall
  • Schädigungen innerer Organe, vor allem bei längerer Gabe: Lungenfibrose, Nierenschädigung, Leberschädigung
  • Infektanfälligkeit
  • Störungen im Zentralnervensystem

Eine Schwangerschaft muss bei der Behandlung mit MTX ausgeschlossen sein, da Schäden im Erbgut auftreten können. Störungen bei der Bildung von Spermien und Eizellen sind möglich, daher muss während der Behandlung und nach Abschluss der Behandlung für die folgenden drei Monate die Empfängnisverhütung gewährleistet sein.

Als Antidot steht die Folinsäure und Carboxypeptidase G2 zur Verfügung.

Siehe auch

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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Methotrexat aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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