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Solvay



Solvay
Unternehmensform Société Anonyme (S.A.)
ISIN BE0003470755
Gründung 1863
Unternehmenssitz Brüssel, Belgien

Unternehmensleitung

Christian Jourquin (CEO)

Mitarbeiter 29.000 (2006)
Umsatz 9,4 Mrd. € (2006)
Branche Chemische Industrie, Pharma
Website (Deutsche Firmenhomepage)


Solvay ist eine international tätige Gruppe von Chemie- und Pharmaunternehmen. Sie beschäftigt über 30.000 Menschen in 50 Ländern. Ihr Ursprung liegt im Ort Rebecq, nahe bei Brüssel. Solvay Deutschland hat seinen Hauptsitz in Hannover.

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Inhaltsverzeichnis

Soda-Patente und erstes Werk 1863

Das erste Werk wurde dort 1863 von den Brüdern Albert und Ernest Solvay gegründet. Während Albert mehr für die wirtschaftlichen Aspekte zuständig war, war sein Bruder Ernest eher Chemiker und Philanthrop. Er entwickelte das Solvay-Verfahren (auch Ammoniak-Soda-Verfahren), welches nach ihm benannt wurde und 1865 Patentreife erreicht hatte.

Freilich stand das junge Unternehmen in den ersten Jahren ständig am Rande eines Konkurses, denn die Produktion war viel teurer als gedacht. Um sie gewinnbringend betreiben zu können, waren weitere Experimente nötig. Der chemische Prozess war 1872 perfektioniert, doch waren hohe Schulden aufgelaufen. Gegen das 1790 von Nicolas Leblanc entwickelte Verfahren zur Gewinnung von Natriumcarbonat konnte sich Solvay nicht durchsetzen. Der Vater machte sich Sorgen um seine Söhne, doch Ernest schrieb ihm: „Um die Zukunft zu sichern, muss ich heute Opfer bringen.“ Das Unternehmen scheiterte. Der Unternehmer Solvay nahm jedoch in einem neuen Anlauf Gesellschafter und Kapital hinzu und konnte sein Verfahren durchsetzen.

Als das Verfahren zu einer preiswerten Massenproduktion verfeinert war, vergaben die Brüder Lizenzen und errichteten ab 1880 weitere Anlagen in England, Frankreich (1896 in Salin-de-Giraud), den USA, Deutschland (1880 in Bernburg) und Österreich. Um 1900 entfielen bereits 95 Prozent der globalen Soda-Produktion auf Solvay, und heute gibt es weltweit etwa 70 Fabriken, die mit dem Verfahren arbeiten. Die Soda-Produktionsmethode der Brüder Solvay ist im wesentlichen bis heute unverändert.

Durch Ernest Solvay wurden 1911 die berühmten Solvay-Konferenzen ins Leben gerufen. Mit Geldern der Firma Solvay wurde auch das "nationale Hilfskomitee" unterstützt, das gegen Ende des Ersten Weltkrieges von belgischen Industriellen und Bankern gegründet worden war.

Die ursprüngliche Firma unterstützte - vor allem in der Person von Ernest Solvay - zahlreiche Sozial- und Bildungsprojekte und führte sogar den Achtstundentag ein. Dies ist ein beachtlicher Vorgriff zur Arbeitspolitik der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Auch andere Wissenschaften wie Soziologie und physikalische Chemie wurden durch Institutsgründungen an der Uni Brüssel gefördert, wofür sich vor allem Ernest einsetzte. Ferner wurden aus den Einnahmen drei Forschungsinstitute in Brüssel finanziert, weil der Mäzen der Menschheit einen Teil seines Reichtums zurückgeben wollte.

Solvay in Deutschland, Kali Chemie AG

1880 - 1945

Schon früh begann Solvay seine Soda-Aktivitäten in Deutschland, das erste und bald das größte Werk war in Bernburg im heutigen Sachsen-Anhalt, da die Rohstoffe Salz aus dem Gebiet von Staßfurt sowie Kalk direkt in Bernburg in großen Mengen unter günstigen Abbaubedingungen zur Verfügung standen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Bernburg das größte Sodawerk weltweit.

Von 1895 bis 1910 wurde in Bernburg ebenfalls Chromsalz produziert. Dies führte nicht nur zu Belastung des Bodens mit Chromat, sondern auch zu schweren Krankheiten bei den Arbeitern, was Anfang des 20. Jahrhunderts erkannt wurde und wegen der Reduzierung ihrer Wehrkraft, im Vorfeld des 1. Weltkrieges ein außerordentlich wichtiges Argument, zur Produktionseinstellung führte. Die Bodenrückstände wurden allerdings liegen gelassen.

Das zweite Werk in Deutschland wurde in Rheinberg am Niederrhein errichtet, anfangs auch nur als Sodawerk, das Salz kam aus dem eigenen Bergwerk mit Saline vor Ort sowie per Pipeline aus den Kavernen von Epe (Westfalen), der Kalk aus Wülfrath bei Düsseldorf. 1885 folgte aber schon die Chlorproduktion und direkt damit verbunden die zu ihrer Herstellung Chlor benötigenden Folgeprodukte der organischen Chemie.

Das Werk Rheinberg hat deshalb auch heute noch sowohl eine Sodawerk wie eine Produktion organischer Stoffe. Hauptprodukte im Kunststoffbereich sind PVC und seine Derivate. Fast während des ganzen 20. Jahrhunderts waren chlorhaltige Lösungsmittel ein weiteres wichtiges Produkt, welches auch die Basis für viele Tochtergesellschaften bildeten, die Lacke und Farben herstellten. Die meisten dieser Gesellschaften hatten ihre Produktionsstätten in Nordrhein-Westfalen und verarbeiteten ebenso PVC. Die chlorhaltigen Lösungsmittel bildeten auch die Basis von Holzschutzmitteln, deren unsachgemäße Anwendung durch Verbraucher in Innenräumen in den 1990er Jahren zu dem damals viel beachteten Holzschutzmittel-Prozess führte.


1945-1990

Durch die Teilung Deutschlands nach Ende des Krieges wurde das Werk Bernburg, welches bis dahin Verwaltungssitz der deutschen Solvay-Werke war, von der SBZ/DDR enteignet und in die VEB "Vereinigten Soda-Werke Bernburg-Staßfurt" überführt. Neuer Hauptsitz der deutschen Solvay-Werke wurde der Standort Solingen.

1954 übernahm das Unternehmen die Aktienmehrheit der in Hannover ansässigen Kali Chemie AG und damit auch deren Produktionsstätten, unter anderem mit den Werken in Bad Wimpfen, Heilbronn, Neustadt und Nienburg sowie dem Standort der Hauptverwaltung in Hannover, der gleichzeitig auch das Forschungs- und Entwicklungszentrum beherbergte.

Standorte nach 1990

Das Werk Bad Wimpfen ist heute eines der profitabelsten Produktionsstätten des Konzerns (siehe unten).

Das Soda-Werk Heilbronn wurde in den Jahren der Welt-Soda-Krise 1991/92 geschlossen, als die Soda-Preise in Europa durch Billigimporte aus den USA auf die Hälfte gesunken waren und gleichzeitig deutsche Umweltanforderungen die Fortsetzung einer wirtschaftlichen Produktion unmöglich machten. Hintergrund war die Frage der Entsorgung des hohen Silikat-Anteils im benutzten Kalk. Das Werk Bernburg hatte die gleichen Entsorgungsprobleme, durfte jedoch den Silikatanteil auf Halden lagern (siehe auch unten) und konnte deshalb weiter produzieren.

Das Werk Nienburg produzierte Enzyme für die Waschmittelindustrie, Schwefelprodukte für die Autoreifenherstellung, Edelmetall-Katalysatoren u.a. für die Automobilindustrie und Trockenperlen für die Gasetrocknung. In den 1990er Jahren wurde das Werk in einen Industriepark umgewandelt und die einzelnen Produktionsstätten an Spezial-Unternehmen verkauft, die heute dort weiter produzieren.

Das Werk Neustadt wurde als Pharma-Produktionsstandort von Solvay übernommen, wo es heute einer der Gewinnbringer der Pharma-Sparte des Konzern ist.

Nach der Wende im Jahr 1991 erhielt Solvay von der deutschen Treuhandanstalt das Werk Bernburg zurück. Es kam zur umfangreichen Sanierung in den 1990er Jahren, wobei die Chromat-Altlasten von 1905 ebenfalls in über 100.000 Tonnen Erdreich abtransportiert wurden. Parallel dazu wurde die Soda-Produktion modernisiert und gleichzeitig ein neues Werk für Wasserstoffperoxid auf dem nun sanierten Bernburger Gelände gebaut. Danach fand die Umwandlung in einen Industriepark statt.

Im Jahr 1991 beschloss Solvay, seine Zentrale in Solingen aufzugeben und die Hauptverwaltung in die Gebäude der Kali Chemie AG zu verlegen, zum einen um der geänderten Marktsituation gerecht zu werden. Außerdem fokussierte das Unternehmen auf profitablere Produkte im Gesundheitsbereich (mit den bereits vorhandenen Forschungseinrichtungen und Spezialisten in Hannover).

Der Solvay-Konzern heute

   

Die Soda-Produktionsmethode der Brüder Solvay ist im wesentlichen bis heute unverändert. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich aber die Produktpalette auf andere Grundstoffe der Chemie und auf die Pharmaindustrie erweitert, wobei das Wachstum eindeutig auf Albert Solvay zurückgeht.:

Im März 2006 wurde ein 50/50 Joint Venture namens SolviCore mit der belgischen Umicore vereinbart. Gegenstand des Unternehmens ist die Weiterentwicklung, Produktion und Vermarktung der sog. Membran-Elektroden-Einheit (MEA), dem Herz der Brennstoffzelle. Unabhängig davon setzen beide Unternehmen Ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich Brennstoffzellen weiterhin in ihren Spezialgebieten Membrane (Solvay) bzw. Edelmetallkatalysatoren (Umicore) getrennt fort.

Der konsoliderte Jahresumsatz des Solvay S.A. Konzerns Brüssel betrug 2006 9,6 Mrd. €. Der Solvay-Konzern ist heute Marktführer in der Herstellung von HF (Fluorwasserstoff). Das Werk, das sich auf die Herstellung dieses Produktes spezialisiert hat, steht in Bad Wimpfen. Hier nahm die Herstellung von HF, das in der chemischen -, Stahl- u. Mineralölindustrie, sowie in der Erdöl- und Erdgasbohrtechnik eingesetzt wird, ihren Anfang.

2006 verhängte die Europäische Kommission wegen Wettbewerbsabsprachen im Bereich von Bleichmittelprodukten dem Unternehmen eine Geldstrafe in Höhe von 167,1 Millionen Euro.

Im Bernburger Werk ereignete sich am 04. Februar 2007 ein Unfall. Nach dem Bruch des Dammes einer Kalkschlammhalde ergossen sich etwa 200.000 Tonnen Schlamm auf einer Strecke von 650 Metern über eine angrenzende Straße. Menschen kamen auf der viel befahrenen Straße nicht zu Schaden.

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Solvay aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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