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Suramin



Strukturformel
Bezeichnungen
Freiname Suramin
IUPAC-Name 8-((4-Methyl-3-((3-((3-((2-methyl-5-
((4,6,8-trisulfonaphthalen-1-yl)
carbamoyl)phenyl)carbamoyl)phenyl)
carbamoylamino)benzoyl)amino)benzoyl)
amino)naphthalen-1,3,5-trisulfonsäure
Summenformel C51H34N6O23S6
CAS-Nummer 145-63-1
Chemisch-physikalische Daten
Molare Masse 1297,29 g/mol
Schmelzpunkt
Siedepunkt

Suramin ist ein farbloses Analogon des Azofarbstoffs Trypan Blau. Seit den 1920er Jahren wird Suramin als Wirkstoff gegen die Schlafkrankheit und andere Trypanosomen-Krankheiten eingesetzt.

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Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Suramin wurde erstmals 1916 von den Chemikern Oskar Dressel und Richard Kothe der Firma Bayer & Co. in Elberfeld unter der internen Bezeichnung Bayer 205 synthetisiert. In Deutschland wurde der Wirkstoff unter dem Handelsnamen Germanin® vertrieben. An der Erprobung des Medikamentes war im Auftrage der Bayer AG maßgeblich der Tropenmediziner und Koch-Schüler Friedrich Karl Kleine beteiligt, der bereits 1920-22 (aber auch in den 1930ern) Ostafrika bereiste und mit Unterstützung von David Bruce in London auch in die ehemalige deutsche Kolonie Ostafrika (Tanganjika) einreisen durfte. Kleine wurde bis zu seinen Tod in Südafrika als der fachlich beste Experte für die Anwendung von Germanin gegen die ostafrikanische Schlafkrankheit betrachtet. Seine Berichte finden sich bis heute im Archiv der Bayer-Werke in Leverkusen. Es gibt auch aus dem Jahr 1943 eine Verfilmung mit Luis Trenker.

Anwendung als Antiparasitikum

Der Wirkstoff Suramin ist ein hochgiftiger Zellen-Killer, dessen Anwendung mit dem Risiko erheblicher Nebenwirkungen einhergeht. In akuten Fällen kann Suramin bei entsprechender Dosierung parasitäre Fremdzellen abtöten und heilende Reaktionen des Immunsystems auslösen. Die Medizin verfügte damit Anfang der 1920er Jahre erstmals über ein wirksames Mittel gegen die Schlafkrankheit, die bis dahin in weiten Teilen Afrikas mit verheerenden Epidemien grassierte. Die Suramin-Behandlung hat sich seither auch bei anderen Trypanosomen-Krankheiten bewährt. Außerdem wurde sie erfolgreich zur Bekämpfung der Onchozerkose angewendet, einer verbreiteten tropischen Wurmerkrankung, die die so genannte Flussblindheit verursacht.

Erprobung neuer Anwendungen

Seit einiger Zeit wird Suramin als Therapeutikum gegen das HI-Virus und verschiedene Krebs-Erkrankungen klinisch erprobt, z. B. bei Lymphomen oder Lungen-, Nieren- und Prostatakarzinomen.

Eine neue Entdeckung ist, dass Suramin in Leberzellen den programmierten Zelltod – Apoptose – deutlich hemmen kann, obwohl es in anderen Geweben den Zelltod sogar fördert. Akutes Leberversagen kann bei Hepatitis B-Infektionen und Medikamenten- oder Pilzvergiftungen auftreten, ein tödlich verlaufender Vorgang, gegen den es bis jetzt noch keine medikamentöse Therapie gibt.

Handelsnamen

Antrypol®, Belganyl®, Fourneau 309®, Germanin® Moranyl®, Naganol®, Naginin®

Literatur

  • Pürschel-Trostberg,Biographie F.K.Kleine in occational Paper Robert Koch, National Archiv of Tansania 2002/03
  • Zhang, Y.L. et al. (1998): Suramin is an active site-directed, reversible, and tight-binding inhibitor of protein-tyrosine phosphatases. In: J. Biol. Chem. Bd. 273, S. 12281-12287. PMID 9575179 PDF
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Suramin aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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