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Topiramat



Steckbrief
Name (INN) Topiramat
Wirkungsgruppe

Antiepileptikum

Handelsnamen

Topamax®

Klassifikation
ATC-Code AX11
CAS-Nummer 97240-79-4
Verschreibungspflichtig: Ja


Fachinformation (Topiramat)
Chemische Eigenschaften

IUPAC-Name: (3aS,5aR,8aR,8bS)-2,2,7,7- tetramethyltetrahydrobis[1,3]dioxolo [4,5-b;4,5-d]pyran-3a-ylmethylester
Summenformel C12H21NO8S
Molare Masse 339,363 g/mol

Topiramat ist ein Arzneistoff gegen Epilepsie. Es ist in Deutschland unter dem Namen Topamax® für die Indikation Epilepsie und unter dem Namen Topamax® Migräne für die Indikation Migräne im Handel. Einzelberichte beschreiben einen positiven Effekt von Topiramat in der Cluster-Kopfschmerz-Prophylaxe. Es wird in Deutschland von Janssen-Cilag vertrieben.

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Inhaltsverzeichnis

Wirkmechanismus

Topiramat wirkt über verschiedene Mechanismen, die eine übermäßige Erregung von Nervenzellen verhindern. Topiramat blockiert die (verstärkend wirkende) Glycin-Bindungsstelle am erregenden, glutamatergen AMPA-Rezeptor [1] und verstärkt durch Bindung an GABA-Rezeptoren deren hemmenden Effekt. Außerdem inaktiviert Topiramat den spannungsabhängigen Natriumkanal, wodurch die Zelle gehindert wird, schnell aufeinanderfolgende Aktionspotentiale zu generieren.

Pharmakologie

Topiramat wird vom Körper gut aufgenommen und wird als Tablette verabreicht. Die Halbwertszeit beträgt zwischen 20 und 30 Stunden. Topiramat wird überwiegend unverändert über die Niere ausgeschieden. Daher muss bei verminderter Nierenleistung die Dosis des Arzneimittels gesenkt werden. Durch die Antiepileptika Carbamazepin und Phenytoin wird der Topiramatspiegel im Blut gesenkt. Bei Therapiekombination mit diesen muss die Topiramatdosis angepasst werden.

Anwendung

Topiramat wird in Dosen von 25 bis 200 mg als Antiepileptikum eingesetzt. Es wird bei Erwachsenen und Jugendlichen als Zusatzmedikament bei fokalen und generalisierten Anfällen sowie beim Lennox-Gastaut-Syndrom eingesetzt. Des weiteren ist Topiramat für die Prophylaxe von Migräne-Anfällen zugelassen. Nach den Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft kann Topiramat auch zur vorbeugenden Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen verwendet werden. In letzter Zeit wird Topiramat auch in Bezug auf die Behandlung der chronifizierten PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) getestet. Hier werden erste ermutigende Ergebnisse berichtet (BMC Psychiatry. 2004 Aug 18;4(1):24). Topiramat ist verschreibungspflichtig.

Topiramat bei Alkoholabhängigkeit

Die Dopaminfreisetzung im corticomesolimbischen System wird durch Topiramat reduziert, vermutlich könnte der Arzneistoff in der Therapie von Alkoholabhängigen eingesetzt werden. In einer doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studie wurde diese Behandlungsoption genauer untersucht. Während 14 Wochen erhielten 371 Probanden entweder Topiramat in steigender Dosis (bis 300mg/Tag ab der fünften Woche) oder Placebo. Zusätzlich zur medikamentösen Therapie wurden wöchentlich kurze Einzelgespräche geführt. Werden die Tage mit starkem Alkoholkonsum betrachtet, so reduzierte sich dieser Anteil in der Topiramat-Gruppe von 81,5 % auf 43,8 % und in der Placebo-Gruppe von 82 % auf 51,8 %. In der Topiramat-Gruppe kam es häufiger zu Nebenwirkungen wie zum Beispiel Parästhesien, Geschmacks- oder Konzentrationsstörungen.

Die Autoren der Studie sehen in Topiramat eine vielversprechende Therapieoption bei Alkoholabhängigkeit. Es müssen noch verschiedene Parameter wie zum Beispiel Dosierung und Wirkdauer abgeklärt werden.[2] [3]

Nebenwirkungen

Topiramat kann folgende Nebenwirkungen haben:

  • häufigste Nebenwirkung sind Kribbelempfindungen, besonders in Armen und Beinen (sogenannte Parästhesien); diese verschwinden jedoch in der Regel nach einiger Zeit; eine kaliumreiche Ernährung (Bananen, Trockenobst) kann die Parästhesien lindern
  • Ataxie (Koordinationsstörung, z.B. stark schwankender Gang) - kann gleichzeitig zu sehr langsamen Gehen trotz Gehhilfe (auch wenn vor Einnahme von Topamax keine Gehilfe benötigt wurde) führen
  • Konzentrationsstörungen (mitten im Satz weiß man nicht mehr, was man sagen wollte. Suche nach Worten)
  • Gestörte Merkfähigkeit (betrifft sowohl das Kurz- als auch das Langzeitgedächtnis)
  • das Gefühl, Erlerntes nicht mehr zu können
  • erhöhte Reizbarkeit
  • Depression
  • extrem starke Müdigkeit mit einem damit verbunden starken Schlafbedürfnis
  • Schlafstörungen, Albträume
  • Appetitsteigerung, Appetitverminderung (wird daher auch bei Essstörungen eingesetzt)
  • Tremor (Zittern der Hände)
  • skandierende Sprache bzw. Redeweise, was vom Betroffenen nicht wahrgenommen wird
  • Auftreten von sogenannten dissoziativen Anfällen, Wutanfällen
  • Halluzinationen
  • Nierensteine
  • Glaukom

Sollte der Verdacht bestehen, daß z. B. starke Gangstörungen die Wirkung von Topamax sind, muss dies mittels psychologischer Tests geprüft werden.

Quellenangaben

  1. Lüllmann, H; Mohr, K; Hein, L. Pharmakologie und Toxikologie. Thieme, 2006
  2. Topiramate for Treating Alcohol Dependence JAMA. 2007;298:1641-1651.
  3. Antiepileptikum mildert Alkoholabhängigkeit Pressemitteilungen der Bundeswehr
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Topiramat aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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