13.09.2010 - Bruker Daltonik GmbH

Spurensuche im Meer: Einmaliges Massenspektrometer in Betrieb genommen

Vier Tonnen wiegt das leistungsstärkste Massenspektrometer Deutschlands, das die Forscher der Max-Planck-Forschungsgruppe „Marine Geochemie“ unter der Leitung von Dr. Thorsten Dittmar an der Universität Oldenburg in Betrieb genommen haben. Sein vollständiger Name: Fouriertransformations-Ionenzyklotronresonanz-Massenspektrometer (FT-ICR-MS). Für den Koloss wurde am Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) ein Labortrakt neu eingerichtet.

„Das Gerät ist in der Meeresforschung einmalig. Wir können damit die Masse der Moleküle auf ein Zehntausendstel Dalton, das ist weniger als die Masse eines Elektrons, genau bestimmen und wollen die Frage klären, wie bestimmte Umsetzungsprozesse von organischem Material in den Meeren ablaufen“, erklärt Dittmar. Mit dem Gerät werde die Spitzenstellung der deutschen Meeresforschung nachhaltig gestärkt. Weltweit gebe es nur vier vergleichbare Geräte, die allerdings nicht für die Meeresforschung genutzt werden. Die Finanzierung in Höhe von 2,1 Millionen Euro kommt je zur Hälfte vom Land Niedersachsen und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Meere gehören zu den größten Kohlenstoffspeichern auf der Erde. Sie haben großen Einfluss auf das Erdklima. Das Massenspektrometer gibt Einblicke in die Zusammensetzung der im Meer gelösten organischen Substanzen. Kern des Geräts ist ein Magnet mit einer magnetischen Flussdichte von 15 Tesla, dreihundertausendfach stärker als das Erdmagnetfeld in Deutschland. Der Koloss ist mit 800 Litern flüssigem Helium gefüllt, das die supraleitenden Spulen auf etwa -270° Celsius hält. Der Magnet wurde von der Bremer Firma Bruker Daltonics in ihrem französischen Spezialwerk gefertigt. Dank der speziellen Geometrie des Geräts bleibt das Magnetfeld auf ein kleines Volumen – etwa von der Größe einer Getränkedose – beschränkt. In zwei Meter Entfernung ist das Magnetfeld kaum mehr zu spüren. Um die hohe Messgenauigkeit zu erreichen, wird die organische Substanz aus dem Meerwasser im Hochvakuum ionisiert. Die dabei gebildeten Ionen werden durch den Hochleistungsmagneten in einer Kreisbahn gehalten. Anhand der unterschiedlichen Umlauffrequenzen lassen sich die Massenzahlen tausender Molekülionen gleichzeitig ermitteln.

Prof. Dr. Jürgen Rullkötter, Direktor des ICBM, freut sich über die neuen Möglichkeiten: „Mit dem neuen Massenspektrometer stärken wir nicht nur den Forschungsstandort hier in Oldenburg, sondern setzen internationale Maßstäbe für zukünftige Projekte in der Meeresforschung, die eine Vielzahl renommierter Forscher aus aller Welt als Gastwissenschaftler und Kooperationspartner nach Oldenburg locken werden.“ Das Projekt wird unterstützt von dem Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Biologie
Mehr über Bruker
Mehr über Uni Oldenburg
  • News

    Dunklen Halbleiter zum Leuchten gebracht

    Ob Festkörper etwa als Leuchtdioden Licht aussenden können oder nicht, hängt von den Energieniveaus der Elektronen im Kristallgitter ab. Einem internationalen Team um die Oldenburger Physiker Dr. Hangyon Shan und Prof. Dr. Christian Schneider ist es nun gelungen, die Struktur der Energieniv ... mehr

    Mit Spinnennetzen Mikroplastik fangen

    Fliegen, Mücken, Staub und sogar Mikroplastik – Spinnennetze fangen auf, was sich durch die Luft bewegt. Forscherinnen der Universität Oldenburg haben nun erstmals die Fangnetze der Achtbeiner an innerstädtischen, unterschiedlich stark befahrenen Straßen auf kleinste Plastikteilchen untersu ... mehr

    3D-Druck nähert sich atomaren Dimensionen

    Der 3D-Druck – auch additive Fertigung genannt – hat sich in den vergangenen Jahren als vielversprechendes neues Herstellungsverfahren für verschiedenste Bauteile etabliert. Dem Chemiker Dr. Dmitry Momotenko von der Universität Oldenburg ist es nun gelungen, mit einer neuen 3D-Drucktechnik ... mehr

Mehr über Max-Planck-Gesellschaft
  • News

    Spiegelmoleküle verraten Trockenstress von Wäldern

    Weltweit geben Pflanzen etwa 100 Millionen Tonnen an Monoterpenen an die Atmosphäre ab. Zu diesen flüchtigen organischen Molekülen zählen viele Duftstoffe wie beispielsweise das Molekül Pinen, das für seinen frischen Kiefernduft bekannt ist. Da diese Moleküle sehr reaktiv sind und winzige A ... mehr

    Innenraumchemie neu denken

    Wir verbringen typischerweise 90 Prozent unserer Zeit in Innenräumen. Dort sind wir von einem unsichtbaren Molekülcocktail umgeben: Wände, Böden und Möbel gasen aus, beim Kochen oder Putzen entweichen chemische Stoffe in die Luft und je nach Umgebung gelangen auch Schadstoffe von außen nach ... mehr

    Molekulare Musik ordentlich aufgedreht

    Empfindliche Tiernasen können Spurenpartikel, wie flüchtige organische Verbindungen, in der Umgebungsluft erschnuppern. Der Mensch dagegen entwickelt dafür innovative Technologien, wie etwa die optische Spektroskopie. Dabei wird mit Hilfe von Laserlicht die molekulare Zusammensetzung von Ga ... mehr

  • Videos

    Katalysatoren - Multitalent Katalysator

    Kaum ein Prozess in der chemischen Industrie läuft ohne Katalysatoren. Sie beschleunigen chemische Reaktionen und helfen so, Energie zu sparen und unerwünschte Nebenprodukte zu vermeiden. Viele Reaktionen werden durch Katalysatoren aber auch praktisch erst möglich. mehr

    STED - Lichtblicke in die Nanowelt

    Details die enger als 200 Nanometer beieinander liegen, können mit optischen Mikroskopen nicht mehr unterschieden werden – das entspricht in etwa dem Zweihunderdstel einer Haaresbreite. Grund dafür ist die Wellennatur des Lichts, dessen halbe Wellenlänge in etwa diesen 200 Nanometern entspr ... mehr

    Tuning für Brennstoffzelle

    Die Brennstoffzelle kann klimaschonenden Strom erzeugen, vor allem wenn sie mit Wasserstoff aus regenerativen Quellen wie etwa aus Biomasse betrieben wird. Damit sie aber auch mit Brennstoff aus Holzabfällen oder Stroh optimal arbeitet, benötigt sie eine ausgeklügelte Steuerung. mehr

  • White Paper

    Die Keimzelle der Biobatterie

    Um überschüssigen Strom von Windkraft- und Solaranlagen aufzuheben sind leistungsfähige Batterien und Kondensatoren aus nachhaltigen Materialien gefragt. mehr

  • Forschungsinstitute

    Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

    Max-Planck-Institute betreiben Grundlagenforschung in den Natur-, Bio-, Geistes- und Sozialwissenschaften im Dienste der Allgemeinheit. Die Max-Planck-Gesellschaft greift insbesondere neue, besonders innovative Forschungsrichtungen auf, die an den Universitäten in Deutschland noch keinen od ... mehr

Mehr über MPI für Marine Mikrobiologie
  • News

    Mikropartikel mit Gefühl

    Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Bremer Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie, der Universität Aarhus und des Science for Life Institute in Uppsala hat winzige Partikel entwickelt, die den Sauerstoffgehalt in ihrer Umgebung anzeigen. So schlagen sie zwei Fliegen ... mehr

    Vom Ölfeld ins Labor

    Mikroorganismen können Öl in Erdgas, also Methan, umwandeln. Lange war man der Meinung, dass diese Umwandlung nur durch die Zusammenarbeit von verschiedenen Organismen möglich ist. Im Jahr 2019 schlugen Rafael Laso-Pérez und Gunter Wegener vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie vo ... mehr

    Mikroorganismen bilden elementaren Kohlenstoff

    Kohlenstoff kommt auf der Erde in verschiedenen Strukturen und Formen vor. Elementarer Kohlenstoff entsteht meist durch hohen Druck und hohe Temperaturen. Nun haben Forscher erstmals Mikroorganismen identifiziert, die elementaren Kohlenstoff bilden. Das Team, dem auch Dr. Gunter Wegener vom ... mehr