09.06.2011 - Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung

Gewaltiger Sonnensturm könnte Satelliten beschädigen

Die Sonne wird derzeit aktiver. Sie schleuderte Wasserstoff in Form einer Wolke und hoch beschleunigten Teilchen ins All.

(dpa) Die Sonne brodelt. Wissenschaftler der US-Weltraumbehörde Nasa beobachteten eine gewaltige Eruption. Der Stern schleuderte geladene Partikel und eine gigantische Plasmawolke ins All. Sie können auf die Erdatmosphäre treffen und Satelliten lahmlegen.

«So eine Wolke besteht vor allem aus Wasserstoff und Helium und hat einen Durchmesser von mehreren Millionen Kilometern», weiß Bernd Inhester, Physiker am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Auf ihrem Weg durchs All lege sie zudem mehrere tausend Kilometer pro Sekunde zurück, doch dass sie zentral auf die Erde trifft sei sehr unwahrscheinlich.

Problematischer könnte eine weitere Folge des Sonnensturms sein: Rasende geladene Teilchen könnten Satelliten und große Stromversorgungsnetze beschädigen. «Für unsere zunehmend technisierte Welt sind solche Sonnenstürme eine Gefahr», sagt der Direktor der Internationalen Weltraumwetter-Initiative (Iswi), Joe Davila. «Starke Sonnenstürme können Stromnetze ausfallen lassen, Satelliten lahmlegen und damit das Navigationssystem GPS durcheinanderbringen.»

Im europäischen Satellitenkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt, bekam man die Auswirkungen des Sonnensturms zwar schon zu spüren, «Alarmstufe rot» sei aber noch längst nicht erreicht, betont Paolo Ferri. Der Leiter der Abteilung für Interplanetarische Missionen berichtet, dass bislang nur an wissenschaftlichen Satelliten Störungen aufgetreten seien. Direkte Auswirkungen auf unseren Alltag habe das nicht.

Im Moment sei auch schwer zu sagen, ob weitere Satelliten abgeschaltet werden müssten oder der Sturm stärker würde. Bislang gebe es nur «normale» Schutzmaßnahmen. Sensible Instrumente seien an einigen Satelliten ausgeschaltet worden. Sollte die Aktivität an der Sonnenoberfläche weiter zunehmen, erhöhe sich eventuell - so Ferri - die natürliche Strahlung in den Polarregionen. Die könne dann zu Umleitungen im Flugverkehr führen, denn besonders in sehr hohen Regionen gleiche die Strahlung dann «einer permanenten Röntgenaufnahme».

Da die Aktivität der Sonne in den vergangenen Monaten angestiegen ist, haben die Europäische Union und die europäische Raumfahrtenagentur Esa ein Programm zur Weltraumwetterwarnung gestartet. Denn normalerweise ist der Sonnenwind ein beständiger Fluss geladener Sonnenteilchen, der die Erde umströmt. In einem Zyklus von etwa elf Jahren verstärkt sich jedoch die Aktivität der Sonne. Dann wird dieser Wind zunehmend böig, Sonnenstürme werden häufiger und stärker. Am Dienstag kam dann der bisherige Höhepunkt des Brodelns.

Ein Sonnensturm, wie es ihn jetzt gab, sendet elektrische Wellen und Gaswolken durch die oberen Atmosphärenschichten der Erde, lässt messbare elektrische Ströme durch die oberen Schichten des Erdbodens laufen und rüttelt am Erdmagnetfeld.

Auch wenn wir zunächst keine direkten Folgen spüren, macht sich der Sonnensturm bei uns eventuell bemerkbar. Am späten Mittwoch oder Donnerstag könnten durch die ungewöhnlich hohe Zahl geladener Teilchen in der Atmosphäre auch in unseren Breitengraden Polarlichter am Himmel zu sehen sein.

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