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Vergolden



Als Vergolden bezeichnet man das Überziehen metallischer und nichtmetallischer Gegenstände mit Gold.

Durch seine Eigenschaft als Edelmetall ist Gold eines der korrosionsbeständigsten Metalle. In reiner Form ist Gold aber als Grundwerkstoff für Bauteile und Alltagsgegenstände nur schlecht geeignet und zwar aus zwei Gründen: Es ist wegen seiner Seltenheit sehr teuer, und es hat eine geringe Festigkeit, d.h. es ist sehr weich und lässt sich leicht deformieren. So wird klar, dass es schon immer ein Interesse gegeben hat, Gegenstände aus leicht verfügbaren und alltagstauglichen Materialien mit einer Goldschicht zu überziehen.

Inhaltsverzeichnis

Grundwerkstoffe

Die bedeutendste Gruppe von Materialien, welche sich besonders gut zum Vergolden eignen, sind die Metalle und Metalllegierungen, besonders Stahl, Edelstahl, Zink, Messing, Bronze, Kupfer, Silber und viele weitere. An nichtmetallischen Materialien werden z.B. Porzellan, Glas, Keramik, Holz, Papier, Kunststoff und in seltenen Fällen sogar Textilien vergoldet.

Inzwischen kann man dank neuester Technik fast alle organischen wie anorganischen Materialien dauerhaft vergolden. Dies geschieht durch eine neue Technologie in der Galvanik.

Funktionen

Historisch gesehen sind die wichtigsten Funktionen von Goldschichten und -überzügen:

  • Dekoratives Aussehen
  • Werthaltiges und prestigeträchtiges Aussehen
  • Bedeutung für Kulthandlungen und Religion
  • Korrosionsbeständigkeit

In der Neuzeit kamen noch die folgenden Funktionen hinzu:

  • Dauerhaft niedriger el. Übergangswiderstand bei Steckern und Kontakten
  • Spezialeigenschaften für die Halbleitertechnik, z.B. Bondbarkeit

Goldüberzüge

Goldüberzüge können aus reinem Gold bestehen, in den meisten Fällen wird als Überzugswerkstoff jedoch eine für den jeweiligen Zweck geeignete Goldlegierung gewählt. Die Goldlegierungen unterscheiden sich in der Farbe: Rotgold, Gelbgold, Weißgold, Rosé, auch grüne und blaue Farbtöne sind möglich. Die Farbtöne werden durch folgende Legierungselemente erreicht: Kupfer für Rotgold, Silber, Cadmium und Zink für Gelb- bis Weißgold, Nickel für Weißgold, Indium für Blaugold.

Wichtiger als die Farbe, ist für technische Anwendungen die Härte und Verschleißbeständigkeit des Überzugs. Diese Eigenschaften werden hauptsächlich durch die Legierungselemente Eisen, Cobalt und Nickel verbessert. Einen solchen Goldüberzug nennt man Hartgold. Neben der Härte und Verschleißfestigkeit haben die Legierungselemente noch eine andere Funktion: Die Verringerung der erforderlichen Menge Gold.

Verfahren

Galvanische Verfahren

Die meisten Goldüberzüge werden heute durch galvanotechnische Verfahren aufgebracht. Die Galvanotechnik hat viele ältere Verfahren komplett verdrängt. Die meist metallischen Gegenstände werden in einen Goldelektrolyt eingetaucht und durch das Anlegen einer elektrischen Spannung scheidet sich ein Goldüberzug ab.

Keramische Aufbrennvergoldung

Durch speziell präparierte Lösungen von Goldsalzen und Haftvermittlern wie Rhodiumoxiden lässt sich ein metallischer Goldauftrag auf Glas und Keramik erreichen. Je nach den Parametern erscheint das Metall in matt oder glänzend nach dem Brand. Das Verfahren wird in der Dentalpräparation, aber auch zum Vergolden von Keramik, Porzellan (Goldrand) und Gläsern eingesetzt.

Walzvergoldung

Die Goldplattierung beruht auf mechanischer Vereinigung von fremdem Metall und Goldblech durch starken Druck. Das Verfahren wird zur Halbzeugherstellung, woraus preiswerter Goldschmuck gefertigt wird, angewendet. Die gewalzte Goldauflage ist unlösbar und sehr dauerhaft. Ein Nachteil der Walzvergoldung besteht darin, dass die Gegenstände nicht allseitig bedeckt werden. Walzgolddoublee bestimmter Stärke ist auch ein Qualitätskennzeichen Amerikanerdoublee, Doubleeschmuck Triplee.

Aufdampfen in Vakuum

Das Metall wird mit einer PVD- oder auch CVD Methode als Golddampf auf das zu beschichtende Werkstück niedergeschlagen. Kunststoffe, CDs und andere empfindlich Materialien lassen sich dadurch mit Gold beschichten.

Anreibevergoldung

Diese Gruppe von Verfahren ist eher als historisch zu betrachten und wurde weitgehend durch die galvanotechnischen Verfahren verdrängt. Speziell alle Verfahren, die mit Quecksilber oder mit Amalgam arbeiten, sind sehr gesundheitsschädlich und stellen eine große Umweltbelastung dar.

Rote Vergoldung erzeugt man durch Eintauchen des heißen Stückes in Glühwachs, grüne mit silberhaltigem Goldamalgam. Zum Mattieren der vergoldeten Gegenstände erhitzt man sie mit einem geschmolzenen Gemisch von Salpeter, Alaun und Kochsalz, welches Chlor entwickelt und Gold löst. Um mancherlei Übelstände der Feuervergoldung zu vermeiden, überzieht man die Gegenstände auch galvanoplastisch mit Quecksilber, dann reichlich mit Gold und wieder mit Quecksilber und raucht ab. Kupfer verbraucht mehr Gold als Tombak, und auf Silber erscheint die Vergoldung wenig lebhaft. Vergoldetes Silber heißt Vermeil.

Eisen und Stahl amalgamiert man durch Kochen mit Quecksilber, Zink, Eisenvitriol, Wasser und Salzsäure und behandelt sie dann wie Tombak. Bei der kalten Vergoldung auf Kupfer, Messing, Tombak, Neusilber, Silber wird Goldzunder (mit Goldchlorid getränkte und verbrannte Leinwand) mittels des Fingers oder eines in Salzwasser getauchten, etwas verkohlten Korks auf das blanke Metall eingerieben und mit Blutstein poliert. Sie ist viel weniger dauerhaft als die Feuervergoldung auf Silber, aber viel schöner als diese und wird deshalb häufig auf sehr schwache Feuervergoldung gesetzt. Bei der nassen Vergoldung werden Kupfer, Messing, Tombak, Neusilber, verkupferter Stahl, Weißblech in verdünnte Goldchloridlösung oder in eine kochende Mischung von solcher mit doppeltkohlensaurem Kali getaucht, dann gespült, getrocknet und poliert. Man erhält aber immer nur leichte Vergoldungen.

Zu grüner Vergoldung setzt man dem Goldchlorid Silbernitrat zu. Zum nassen Vergolden von Silber (griechische Vergoldung) taucht man es in eine Lösung von Alembrotsalz und Gold in Salpetersäure. Eisen und Stahl verkupfert man zunächst oder taucht sie nach dem Ätzen mit Salpetersäure in ätherische Goldchloridlösung. Diese durch wiederholtes Eintauchen zu verstärkende Vergoldung haftet noch fester auf mit Salpetersäure matt geätztem Stahl. Dauerhaft ist die Äthervergoldung niemals. Man verkupfert deshalb Eisen und Stahl und benutzt dann die heiße Lösung mit doppeltkohlensaurem Kali. Man verbindet auch den Stahl mittels eines Drahts mit Zink und taucht ihn mit diesem in eine Lösung von Goldcyanid in Kaliumcyanid (Zyankali) und Kaliumthiocyanat.

Feuervergoldung

Dieses sehr alte Verfahren hat trotz der Namensanalogie nur sehr wenig Gemeinsamkeiten mit dem Feuerverzinken und ist heute verboten. Bei der Feuervergoldung wurde ein Metallgegenstand mit Goldamalgam bedeckt und anschließend geglüht. Das Quecksilber aus dem Amalgam verdampfte und das reine Gold blieb übrig.

Andere Verfahren

Zum Vergolden von Porzellan benutzt man aus Goldchlorid durch Oxalsäure oder Eisenvitriol gefälltes und mit basischem Bismutnitrat als Flussmittel gemischtes Gold; es muss nach dem Aufbrennen poliert werden.

Die Glanzvergoldung (Glanzölvergoldung, Meißener Vergoldung) liefert dagegen direkt eine glänzende Fläche. Sie wird durch Einbrennen einer Lösung von Schwefelgold oder Knallgold in Schwefelbalsam erhalten, ist aber viel weniger haltbar; sie wird schon, wenn man sie einige Male gegen das Haupthaar führt, wie von einer feinen Feile weg genommen.

Blattgold

In der Malerei, vor allem in der Tafelmalerei wird das Aufbringen von Blattgold auf einen Untergrund auch als Vergoldung bezeichnet. Dieser Untergrund kann unterschiedlich beschaffen sein. In der Buchmalerei kann das Gold direkt auf das Pergament oder auf einen Goldgrund aufgebracht worden sein; dieser Goldgrund findet sich bei der Tafelmalerei meistens. Es handelt sich um eine Grundierung (Polimentvergoldung), die stets aus Bolus und einem Bindemittel besteht. Blattgold, Vergolder.

Siehe auch

Literatur

  • Schreiber: Vergoldungs- und Versilberungskunst durch Einlegen oder Anreiben. Weimar 1853
  • Elsner: Galvanische Vergoldung, Versilberung etc. (3. Aufl.). Leipzig 1856
  • Rofeleur: Guide pratique du doreur (5. Aufl.). Paris 1884
  • Hans Kellner: Vergolden
Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text („public domain“) aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn Du den Artikel so weit überarbeitet oder neu geschrieben hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt und dies mit Quellen belegt ist, wenn der Artikel heutigen sprachlichen Anforderungen genügt und wenn er keine Wertungen enthält, die den Wikipedia-Grundsatz des neutralen Standpunkts verletzen.
 
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