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Neuer Innovationspreis für dezentrale chemische Reaktortechnologie im Containerformat

INERATEC gewinnt ersten Lothar-Späth-Award

13.12.2018

Wolfgang List

Die INERATEC-Geschäftsführer Paolo Piermartini und Tim Böltken sowie Peter Pfeifer vom KIT mit Juror Hans-Jörg Vetter, Aufsichtsratschef von Herrenknecht.

Kraftstoffe mithilfe von erneuerbaren Energiequellen preiswert und klimafreundlich herstellen – das ist die Mission des Start-ups INERATEC, einer Ausgründung aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Eigentlich sind bei der Produktion von synthetischen Kraftstoffen wie Benzin riesige Anlagen nötig. INERATEC baut chemische Reaktoren, die so kompakt sind, dass die fertig montierte Anlage in einen Schiffscontainer passt und überall eingesetzt werden kann. Für diese Idee hat das junge Unternehmen nun den erstmals vergebenen Lothar-Späth-Award erhalten.

„Synthetische Kraftstoffe sind ein wesentlicher Baustein für den effektiven Klimaschutz. Die von INERATEC entwickelten Technologien unterstützen maßgeblich dabei, diese Kraftstoffe breit verfügbar zu machen“, sagt der Präsident des KIT, Professor Holger Hanselka. „Ich freue mich besonders, dass eine Ausgründung des KIT den ersten Lothar-Späth-Award erhält. Die Auszeichnung zeigt erneut, wie innovativ unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten.“

Das Prinzip hinter synthetischen Kraftstoffen ist das Herstellen von Benzin, Kerosin, Diesel oder Methan aus Treibhausgasen wie zum Beispiel bisher ungenutztem CO2 – etwa aus Biogasanlagen oder direkt aus der Atmosphäre – und regenerativ erzeugtem Wasserstoff. Bislang war dies umständlich und teuer, weil hierfür großtechnische Chemieanlagen nötig waren. Die Karlsruher Gründer von INERATEC haben diese Anlage auf Miniaturformat geschrumpft, sodass sie in einem Schiffscontainer Platz findet. „Was wir anbieten, sind fertig montierte Kompaktanlagen, die nach dem Baukastensystem konzipiert sind, sodass sich die Kapazität ganz nach Bedarf erweitern lässt“, erläutert Tim Böltken, INERATEC-Geschäftsführer und Alumnus des KIT. Wird auch die für den Herstellungsprozess benötigte Energie aus regenerativen Quellen wie Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft hergestellt, entsteht ein klimafreundliches Produkt. „Mit unseren Anlagen kann also erneuerbare Energie in chemischen Energieträgern gespeichert werden“, so Böltken.

Mehrere Anlagen sind bereits ausgeliefert und in Betrieb: Eine Power-to-Liquid-Anlage, welche erneuerbare flüssige Kraftstoffe herstellt und mobil eingesetzt werden kann, wurde nach Finnland verkauft. Im katalonischen Sabadell steht eine Power-to-Gas-Anlage, die aus Kohlenstoffdioxid, das aus Klärschlamm stammt, synthetisches Methangas produziert, das direkt ins spanische Netz gespeist werden soll. Am KIT selbst – wo mit dem Energy Lab 2.0 gerade ein Anlagenverbund aufgebaut wird, der unterschiedliche Technologien zur Erzeugung und Nutzung elektrischer, thermischer und chemischer Energie verknüpft – baut INERATEC eine Pilotanlage für die Erzeugung von erneuerbarem Kerosin aus Kohlendstoffdioxid und Wasserstoff.

Für INERATEC rundet der Lothar-Späth-Award ein sehr erfolgreiches Jahr ab: So erhielt das Team im September den Deutschen Gründerpreis und im November den Sonderpreis für innovative Start-ups beim Innovationspreis der Deutschen Gaswirtschaft. Zudem zählt das Team in der Kategorie Unternehmer zur „Jungen Elite – die Top 40 unter 40“ der Zeitschrift Capital.

Weitere Preise für innovative Beschichtungen und Spezial-Laser

Mit dem zweiten Preis würdigte die Jury die Nanopta GmbH für die Entwicklung von Antireflexionsbeschichtungen, die – nach dem Vorbild der Augen von Nachtfaltern – dank besonderer Nanostrukturen optische Bauteile und Linsen entspiegeln. Der dritte Preis ging an die Active Fiber Systems GmbH im thüringischen Jena für ein neuartiges Ultrakurzpulslaser-Gerät zum Einsatz in der Materialbearbeitung, in der Grundlagenforschung zur Licht-Materie-Wechselwirkung und zur Krebstherapie.

Der Lothar-Späth-Award

Der Lothar-Späth-Award wurde im Jahr 2018 erstmals zu Ehren von Professor Dr. h. c. Lothar Späth verliehen. Er fördert herausragende innovative Kooperationen aus Wirtschaft und Wissenschaft in Baden-Württemberg und Thüringen. Der Preis ist insgesamt mit 40.000 Euro dotiert, der Hauptpreis beträgt 25.000 Euro. Er zielt auf die Entwicklung besonders wegweisender Produkt-, Verfahrens- und Dienstleistungs-Innovationen ab.

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