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Idaho National Laboratory



Das Idaho National Laboratory (INL) – heute auch Idaho National Engineering and Environmental Laboratory (INEEL) – ist eine US-Forschungseinrichtung des Department of Energy (Energieministerium). Auf dem etwa 30 km nordwestlich von Idaho Falls, Idaho liegenden Areal wird an verschiedenen Aspekten der Kernenergienutzung und seit 2005 auch an Umwelttechnik geforscht. Am 3. Januar 1961 kam es auf dem Gelände zum ersten tödlichen Nuklearunfall in den Vereinigten Staaten. Von 1947 bis heute wurden auf dem Testgelände 52 Kernreaktoren gebaut, von denen 2007 noch drei in Betrieb sind.

Das 2300 km² große Gelände liegt in der Ebene des Snake River, die Landschaft ist durch Halbwüste, die Vegetation durch Wüsten-Beifuß geprägt. Für Touristen zugänglich ist der erste Kernreaktor, der elektrischen Strom lieferte, der Experimental Breeder Reactor I (EBR-I), sowie zwei Prototypen von nuklearen Flugtriebwerken.

 

Inhaltsverzeichnis

Reaktoren

Das Gelände wurde 1947 als Außenstelle des Argonne National Laboratory in Illinois unter dem Namen National Reactor Testing Station eingerichtet. Der Experimental Breeder Reactor I (EBR-I) war der erste Forschungsreaktor. Er begann seinen Betrieb 1951 und wurde nach mehrfachem Austausch des Reaktorkerns 1963 stillgelegt. Am 20. Dezember 1951 lieferte er als erster Reaktor weltweit elektrischen Strom aus Kernkraft. 1953 konnte mit ihm erstmals der bis dahin nur theoretisch vorhergesagte Brutprozess nachgewiesen werden. Sein Gebäude und die nicht-nuklearen Anlagen sind für Besucher zugänglich.

1952 nahm der erste einer Reihe von Reaktoren den Betrieb auf, die als Neutronenquelle und Quelle von ionisierender Strahlung für die Materialforschung dienten. Mit ihnen wurden Materialien und Design für Druckwasserreaktoren und andere Nuklearanlagen geprüft und verbessert.

Ab 1953 begannen Experimente mit Siedewasserreaktoren (Boiling Water Reactor Experiments – BORAX): Fünf verschiedene Reaktoren wurden gebaut, um die Konstruktion und die Sicherheit dieses Reaktortyps zu erforschen. BORAX-III war auf eine thermische Leistung von 15 Megawatt ausgelegt und mit einer Turbinen-Generator-Einheit mit einer Nennleistung von 2000 Kilowatt gekoppelt. Damit wurde am 17. Juli 1955 für zwei Stunden weltweit erstmals eine Stadt – das nahegelegene Arco – mit elektrischem Strom aus Kernenergie versorgt.

Im selben Jahr wurde in der in das INL integrierten Naval Reactors Facility der erste spezielle Entwurf für die United States Navy kritisch, ein Prototyp für einen Atomantrieb für Unterseeboote mit dem Namen S1W lief erstmals am 31. Mai 1953. Schon am 30. September 1954 nahm die USS Nautilus (SSN-571) als erstes nuklar angetriebene Schiff der Welt den Betrieb auf. In den späten 1950er Jahren ging der A1W-Reaktor in Betrieb, der Prototyp für große nuklear angetriebene Schiffe. Im Laufe des Jahres 1961 wurden der erste Atomkreuzer, die USS Long Beach (CGN-9), und der erste Flugzeugträger mit Kernenergieantrieb, die USS Enterprise (CVN-65), in Dienst gestellt. Ab 1965 wurde S5G entwickelt, ein Druckwasserreaktor, dessen Kühlmittelkreislauf entweder mit Pumpen oder bei langsamer und mittlerer Fahrt alleine durch die natürliche Konvektion im Umlauf gehalten werden kann. Dadurch wird nicht nur die Ausfallsicherheit erhöht, sondern es entfallen auch die Geräusche der Pumpen, was für U-Boote entscheidend sein kann. Die USS Narwhal (SSN-671) wurde 1967 mit einem S5G ausgestattet. Die Anlagen waren bis Mitte der 1990er Jahre aktiv, sie wurden von Westinghouse im Auftrag des DoE und der US Navy betrieben und entwickelten ständig neue Prototypen und Verbesserungen für nukleare Schiffsantriebe für Unter- und Überwassereinheiten.

Mitte der 1950er Jahre begann die Entwicklung von Nuklearantrieben für Flugzeuge (Aircraft Nuclear Propulsion – ANP): Dazu wurden drei Prototypen luftgekühlter Reaktoren entwickelt. Im März 1961 brach Präsident John F. Kennedy die Versuche ab.

Für das Army Nuclear Power Program wurden zwei Reaktoren im Idaho National Laboratory gebaut und betrieben: Der Stationary Low-Power Reactor Number One (SL-1) war ein Reaktor mit besonders geringer Leistung, gedacht für die Versorgung von abgelegenen Stationen der United States Army wie beispielsweise Radarstationen in der Arktis mit elektrischer Energie und Wärme. Bei einem Unfall am 3. Januar 1961 kamen drei Menschen, das Bedienpersonal des Reaktors, ums Leben. Radioaktives 131Iod trat aus dem Reaktorgebäude aus und kontaminierte die Umgebung mit dem 50-100-fachen der natürlichen Belastung, noch 80 km entfernt lag in Windrichtung das Strahlungsniveau beim Doppelten des Normalen. Der ML-1 und ein Prototyp namens GCRE waren Versuchsanlagen für einen transportable Kernreaktor mit niedriger Leistung, die zwischen 1961 und 1964 erprobt wurden. 1965 wurde das Projekt eingestellt obwohl die Versuche technisch positiv verlaufen waren, weil die Army keinen Bedarf für derartige Anlagen sah und die Kosten der weiteren Entwicklung scheute.

  Ab 1966 errichtet und seit 1969 kritisch ist der Advanced Testing Reactor, eine Neutronenquelle für Forschungszwecke und zur Herstellung von Isotopen für medizinische und Forschungszwecke, darunter 60Cobalt und 238Plutonium für Radioisotopengeneratoren in der Raumfahrt. Die Anlage ist bis heute in Betrieb, wobei während ihrer Lebensdauer von jetzt fast 40 Jahren alle wesentlichen Komponenten alle acht bis zehn Jahre durch modernere Entwicklungen ersetzt wurden. Nach derzeitigen Planungen ist ein Betrieb bis mindestens 2025 vorgesehen.

Neben dem ATR läuft noch der ATRC, ein kleinerer Reaktor mit Hilfsfunktionen für ATR und das Argonne National Laboratory betreibt in INL noch den NRAD als Neutronenquelle für die Radiographie.

Wiederaufbereitungsanlage

Zwischen 1953 und 1988 bestand im INL eine Wiederaufbereitungsanlage, genannt Chem Plant, in der aus verbrauchtem Kernbrennstoffen wiederverwendbare Substanzen gewonnen wurden. Die Anlage bezog benutzte Brennelemente aus fast allen Nuklaeranlagen der Vereinigten Staaten, darunter Oak Ridge National Laboratory, Hanford Site, Los Alamos National Laboratory, dem Battelle-Institut und dem Argonne National Laboratory.

Insgesamt wurden in den 35 Jahren des Betriebs 31.432 kg Uran wiedergewonnen.

Lager für Atommüll

Das Idaho National Laboratory ist heute ein großes Zwischenlager für Atommüll. Alle Reaktoren ausgemusterter atomgetriebener Schiffe, die stillgelegten Reaktoren des Testgeländes und Teile des beim Betrieb über fast 60 Jahre entstadenen Atommüll werden auf dem Gelände gelagert.

Über die de facto Umwandlung des Forschungsgeländes in ein Atommülllager wurden in den späten 1980er und 1990er Jahren Prozesse zwischen dem Staat Idaho und der Bundesregierung geführt. Ebenfalls beteiligt war das Volk der Shoshone-Bannocks, durch deren Reservation einer der Highways führt, auf denen der Müll transportiert wurde. 1999 nahm mit WIPP ein Endlager bei Carlsbad, New Mexico den Betrieb auf und Teile des Mülls, der im INL zwischengelagert worden war, konnte wieder abtransportiert werden.

Idaho National Engineering and Environmental Laboratory

Seit dem Jahr 2005 werden alle Projekte außer der Dekontamination der Anlagen und der Lagerung von Atommüll unter dem Namen Idaho National Engineering and Environmental Laboratory zusammengefasst. Der Standort bekam neue Aufgaben in der Umwelttechnologie und der erneuerbaren Energieträger

Die Dekontamination des Geländes soll bis 2012 abgeschlossen sein.

Koordinaten: 43° 32′ N, 112° 57′ W

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Idaho_National_Laboratory aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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