Auflösung der I.G. Farben auf 2004 verschoben

20.12.2002

Frankfurt/Main (dpa) - Die Auflösung der I.G. Farben AG in Abwicklung wird sich erneut bis mindestens 2004 verschieben. Dies kündigte der Liquidator Otto Bernhardt am Mittwoch in Frankfurt auf der Hauptversammlung (HV) an. Die Rechtsnachfolgerin des einstigen Chemie-Riesen I.G. Farben, der zu Zeiten des 2. Weltkrieges in die Verbrechen der Nazis verstrickt war, hat nach eigenen Angaben Probleme beim Verkauf von Immobilien. Vor und während der HV forderten Gegner und kritische Aktionäre die sofortige Auflösung der Gesellschaft und die Auszahlung des restlichen Vermögens an ehemalige Zwangsarbeiter.

Die Wohn- und Gewerbeflächen, die im Wesentlichen das Restvermögen der I.G. Farben AG bilden, hätten nicht zu einem angemessenen Preis verkauft werden können. «Wir haben aber nun einen Käufer gefunden», sagte Bernhardt. Noch sei der Verkauf aber nicht vollzogen. «Wir haben das Ziel, die Abwicklung im Jahr 2004 abzuschließen», betonte er. Die im vergangenen Jahr angekündigte Auflösung der Gesellschaft bis 2003 verschoben die Verantwortlichen somit erneut.

Außerdem kämpfen die Abwickler nach eigenen Angaben weiterhin um ehemalige milliardenschwere Auslandsvermögen des Chemie-Konzerns, die im Besitz der Schweizer Großbank UBS sein sollen. Rechtlich gebe es zwar keinen Anspruch, hieß es einschränkend. «Die UBS wäre aber gut beraten, sich mit uns zu arrangieren, so lange es uns noch gibt. Sie wird das Zeichen des Unrechts auf ihrer Stirn sonst niemals los», sagte Mitliquidator Volker Pollehn.

Wie schon in den vergangenen Jahren kam es wieder zu Protesten. Etwa 20 Demonstranten und kritische Aktionäre forderten zu Beginn der Hauptversammlung Rederecht. Aufsichtsrat Ulrich Born ließ sie schließlich von Ordnungsleuten aus dem Saal drängen. Kritiker warfen dem Aufsichtsrat eine Verzögerung der Auflösung vor. «Sie wurde über viele Jahre verschleppt und eine angemessene Entschädigung der Zwangsarbeiter verhindert», sagte der Geschäftsführer des Dachverbandes kritischer Aktionäre, Henry Mathews. Seit Jahrzehnten verspreche die Firmenleitung eine rasche Auflösung. «Die Opfer der I.G. Farben sterben, ohne Entschädigungen für ihr Leiden erhalten zu haben.»

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