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Doppelte Auszeichnung für Chemikalientestung ohne Tierversuche

Lush Prize für die Konstanzer Toxikologen Prof. Dr. Marcel Leist und Giorgia Pallocca

15.11.2016

Für die Erforschung und Entwicklung von Chemikalientests, die ohne Tierversuche auskommen und präzisere Ergebnisse als Tierversuche liefern, wurden Biologen der Universität Konstanz gleich zweifach mit dem Lush Prize 2016 ausgezeichnet: Prof Dr. Marcel Leist, Professor für In-Vitro-Toxikologie und Biomedizin an der Universität Konstanz, erhält den Lush Prize in der Kategorie „Forschung“ und eine damit verbundene Forschungsförderung in Höhe von 40.000 Pfund. Die Doktorandin Giorgia Pallocca, Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von Marcel Leist, wird in der Kategorie „Nachwuchsforscher“ mit dem Lush Prize in Höhe von 12.000 Pfund ausgezeichnet. Der mit insgesamt 350.000 Pfund dotierte Lush Prize ist der höchstdotierte Preis für toxikologische Testverfahren ohne Tierversuche. Er wird jährlich in den fünf Kategorien Forschung, Ausbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit und Nachwuchsforscher verliehen, um die Entwicklung von tierversuchsfreien Chemikalientests voranzutreiben und ein öffentliches Bewusstsein für Alternativen zum Tierversuch zu schaffen. Bereits 2014 wurden das von Marcel Leist geleitete „Zentrum für Alternativen zum Tierversuch in Europa“ (CAAT-Europe) sowie seine Mitarbeiterin Dr. Anne Krug mit dem Lush Prize ausgezeichnet.

„Tierversuche können nicht sicher vorhersagen, wie ein Mensch tatsächlich auf die getesteten Chemikalien reagieren wird“, schildert Marcel Leist den Ausgangspunkt seiner Forschung. Leist entwickelt daher tierversuchsfreie, humanspezifische Testverfahren auf Basis von Zellkulturen. Diese Testverfahren sind präziser als Tierversuche, da sie die Reaktion der getesteten Chemikalien auf tatsächliche menschliche Zellen zeigen. Aus einfachen Hautzellen des Menschen können Stammzellen gewonnen werden, aus denen wiederum Zellkulturen und sogar künstliche Organe gezüchtet werden. Diese Zellkulturen bilden die Grundlage für Testbatterien, um die Verträglichkeit von Chemikalien zu ermitteln. Marcel Leist gelang unter anderem die Entwicklung des weltweit ersten In-Vitro-Toxizitätstests für das periphere Nervensystem.

Giorgia Pallocca forscht seit 2011 zu alternativen Testmethoden – zunächst am European Reference Laboratory for Alternatives to Animal Testing (EURL-ECVAM) in Italien, seit 2013 als Doktorandin in der Arbeitsgruppe von Marcel Leist. „Es geht uns vor allem darum, herauszufinden, wie alternative Systeme genutzt werden können, um die Mechanismen und Wirkweisen von Toxizität von Chemikalien auf den menschlichen Körper zu verstehen“, schildert Giorgia Pallocca. In ihrer Doktorarbeit befasst sie sich mit den Auswirkungen toxischer Effekte von Chemikalien und Medikamenten auf die Entwicklung von Embryos in der frühen Schwangerschaft.

Marcel Leist ist Inhaber der Doerenkamp-Zbinden-Stiftungsprofessur für In-Vitro-Toxikologie und Biomedizin an der Universität Konstanz. Gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas Hartung von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health (USA) gründete er das Zentrum für Alternativen zum Tierversuch in Europa (CAAT-Europe). 2015 wurde Marcel Leist mit dem Tierschutzforschungspreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ausgezeichnet.

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