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Ayahuasca




Ayahuasca wird sowohl die Dschungelliane Banisteriopsis caapi (auch: Banisteria caapi) als auch das Gebräu aus selbiger mit den Blättern der Psychotria viridis genannt.

Diese Lianenart macht das in den Blättern der Psychotria viridis enthaltene DMT durch die in ihr enthaltenen MAO-Hemmer erst wirksam, da das DMT bei oraler Aufnahme sonst zu schnell durch körpereigene Stoffe abgebaut werden würde.

Das Gebräu ist ein halluzinogen wirkendes Mittel aus o.g. Pflanzen (oder solchen ähnlichen Inhalts, siehe Dimethyltryptamin), welche den halluzinogenen Wirkstoff DMT sowie Monoaminooxidase-Hemmer aus der Harmala-Reihe (z. B. Harmalin) enthalten. Der Begriff Ayahuasca kommt aus der Indianer-Sprache: Quechua bedeutet übersetzt "Liane der Geister/Toten" oder "Ranke der Seelen".

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Rituelle Verwendung bei Amazonas-Indianern

In Form eines Getränks ist der Ayahuasca-Gebrauch in rituellen Zeremonien bekannt: Schamanen verwenden Ayahuasca für die Heilung von Kranken und in religiösen Zeremonien, um Geister zu treffen und in die Zukunft zu blicken, der Gebrauch ist von den Anden bis an die Pazifikküste von Kolumbien und Ecuador verbreitet. Ayahuasca oder Yajé ist aus der Sprache Quichua, alternative Bezeichnungen sind: Liana del Muerto (Spanisch), Natem (Shuar/Achuar); Mii (Huaorani); Iyaona (Zapara); „Seelenranke“ oder „Todesliane“; Caapí, Dapa.

 

Entheogenes Sakrament in Ayahuasca-Kirchen

In verschiedenen, aus Brasilien stammenden religiösen Gemeinschaften, wird das Entheogen Ayahuasca als Sakrament in einem kollektiven Gottesdienst eingenommen. Hierzu gehören die Religionen Santo Daime und die Barquinha. Der Trank wird hier Daime genannt. Auch die aus Porto Velho stammende religiöse Gruppe União do Vegetal macht rituellen Gebrauch von Ayahuasca.

Eigenschaften

Ayahuasca ist ein - je nach Zubereitung - faulig-bitter oder süßlich schmeckendes Getränk. Die Farbe ist üblicherweise bräunlich, was sich aber durch beigemischte Zutaten verändern kann.

Europäische Geschichte

  • 1851 wurde die Liane im brasilianischen Dschungel vom britischen Botaniker Richard Spruce identifiziert und erforscht. Zwei Jahre später wies er in seiner Veröffentlichung "Notes Of A Botanist On The Amazon And The Andes" auf die halluzinogene Wirkung der Pflanze hin, schob diese allerdings auf beigemischte Zusätze. Diese Einschätzung Sprucens ist zutreffend, da die halluzinogene Wirkung Ayahuasca aus dem DMT von Psychotria viridis und nicht aus der Liane resultiert.
  • 1966 wurden die Pflanzenteile genauer untersucht, und die stark psychoaktiv wirkenden Alkaloide Harmin, Harmalin, D-Tetrahydroharmin sowie DMT als Verursacher des veränderten Bewusstseinszustands erkannt.
  • 1986 lässt sich ein Loren Miller die für die Herstellung von Ayahuasca benötigte Lianenart Banisteriopsis caapi patentieren (US-Patentnummer US 5751P). Er behauptet hierzu, der Entdecker der Pflanze zu sein - eine offensichtliche Unwahrheit.
  • 1999 wurde Ayahuasca als geistiges Eigentum indigener Völker anerkannt und das Patent aufgehoben.
  • 2001 trat das Patent wieder in Kraft, was viele Proteste auslöste und als Beispiel für die Ausbeutung eingeborener Kulturen gilt. Völkerrechtlich ist das Patent unwirksam.

Zubereitung

 

Zur Herstellung von Ayahuasca benötigt man hauptsächlich 2 Pflanzen:

Es können zahlreiche andere Pflanzen, wie Datura suaveolens oder Datura candida, hinzugefügt werden, um bestimmte Wirkungseffekte zu verstärken oder zu vermindern. Allerdings ist die Variation mit Stechapfel sehr riskant.

Die verwendeten Pflanzen und Wurzeln werden bis zu drei Tage zu einem Sud ausgekocht.

In den brasilianischen Kulten und Kirchen ist die Herstellung des "Daime" ein ritueller Vorgang der von gesungenen Gebeten begleitet wird.

Wirkung

Die Wirkung variiert durch die Art der Banisteriopsis-Liane und den beigemischten Pflanzen. Typischerweise wird nach dem Konsum des bitteren Gebräus von leichter Berauschtheit und einer seelisch-orientierten Grundstimmung berichtet. Der Bewegungsapparat bleibt meist kontrolliert, jedoch kann die bewusste Motorik eingeschränkt sein. Ayahuasca bewirkt unter anderem Visionen, Halluzinationen und eine Erweiterung des Bewusstseins, sowie ein verschärftes Gehör.

Nebenwirkung

Bekannte und häufige Nebenwirkungen sind Erbrechen, Durchfall oder Schweißausbrüche. Es kann zu einer verminderten Kontrolle der Motorik kommen, sowie zu Gleichgewichtsstörungen und Schwindel. In Kombination mit anderen MAO-Hemmern, insbesondere Anti-Depressiva besteht Lebensgefahr. Horrortrips und Angstzustände können bei unsachgemäßer Anwendung ausgelöst werden oder bei entsprechender psycho-biographischer Vorprägung durch das Wiedererleben traumatischer Erfahrungen.

Für das Auftreten einer körperlichen Sucht durch Einnahme von Ayahuasca gibt es keine Hinweise. Wie auch bei anderen Psychedelika zeigt sich unter Konsumenten die Tendenz einer abnehmenden Häufigkeit der Einnahme mit zunehmendem Alter.

Rechtsstatus in Deutschland

Der Wirkstoff DMT ist in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund seiner Aufführung in der Anlage 1 BtMG ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel. Der Umgang ohne Erlaubnis ist grundsätzlich strafbar. Weitere Informationen sind im Hauptartikel Betäubungsmittelrecht in Deutschland zu finden.

Literatur

  • Arno Adelaars, Christian Rätsch, Claudia Müller-Ebeling: Ayahuasca - Rituale, Zaubertränke und visionäre Kunst aus Amazonien, 2006
  • Michael Harner: Der Weg des Schamanen, 2004, S. 29 ff - der promovierte Anthropologe nahm 1961 gemeinsam mit einem Schamanen der südamerikanischen Conibo-Kultur den Trank ein und beschreibt die außerkörperlichen Erfahrungen und Visionen en detail.
  • William S. Burroughs: Auf der Suche nach Yage.
  • Hubert Fichte schrieb über Ayahuasca - u.a. in Lazarus und die Waschmaschine. Kleine Einführung in die Afroamerikanische Kultur, Frankfurt: Fischer, 1985
  • Govert Derix: Ayahuasca, eine Kritik der psychedelischen Vernunft. Philosophisches Abenteuer am Amazonas, 2004, Nachtschatten Verlag, ISBN 3037881275 - Derix trank Ayahuasca erstmals 1990 und war von der Wirkung derart begeistert, dass er sich damit auf ein bis heute andauerndes Abenteuer der Selbsterforschung einliess. Er reiste in entlegene Gebiete des brasilianischen Urwalds, trank den Tee in Verbindung mit den Ritualen verschiedener religiösen Gruppen, interviewte viele Ayahuasqueiros, Meister und Schüler, für die diese Substanz eine radikale Veränderung ihres Lebens bedeutete.
  • Terence McKenna: Wahre Halluzinationen.
  • Jonathan Ott: Ayahuasca Analoge - Pangaeische Entheogene, 1994, Edition RauschKunde, ISBN 3-930442-08-6 - Jonathan Ott beschreibt die Entdeckung unterschiedlicher Ayahuasca-Rezepte verschiedener Gruppen südamerikanischer Indios als "eine der anspruchsvollsten pharmakologischen Entdeckungen der Vorzeit".
  • Carsten Balzer: Wege zum Heil, Die Barquinha. Eine ethnologische Studie zu Transformation und Heilung in den Ayahuasca-Ritualen einer brasilianischen Religion, 2003, ISBN 3885590832
  • Jeremy Narby: Die kosmische Schlange, 2001, ISBN 3-608-93518-5 - Ein Bericht eines Anthropologen, der unter anderem die Erfahrungen mit dieser Pflanze beschreibt.
  • Jim DeKorne: Psychedelischer Neoschamananismus.
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Ayahuasca aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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