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Zinnpest



Zinnpest (auch Zinnfraß oder Gusspest) ist eine allotrope Umwandlung von Zinn, die dabei Zinngegenstände zerstört.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Silberweißes, metallisches Zinn (β-Zinn), das von 16 °C bis 181 °C beständig ist, wandelt sich unterhalb von 13,2 °C in das graue/schwarze α-Zinn um. Diese Umwandlung geht von einzelnen Zentren aus und breitet sich langsam aus. Sie äußert sich an Zinngegenständen durch dunkle Flecken, gefolgt von Bläschen an der Oberfläche. Da α-Zinn ein größeres Volumen einnimmt als β-Zinn, verliert das Zinn seine Integrität: die Kornstruktur löst sich auf und es entsteht Pulver.

Die Neigung zur Umwandlung nimmt mit abnehmender Temperatur noch zu, die Reaktionsgeschwindigkeit wird jedoch niedriger. Die ideale Umwandlungstemperatur liegt bei ca. -48 °C. Die Umwandlung kann durch Legieren mit anderen Metallen beschleunigt (z. B. Zink, Aluminium) oder verhindert (z. B. Antimon, Bismut, Blei) werden. Der Kontakt mit einer alkoholischen Lösung von Pinksalz (Ammoniumhexachlorostannat, (NH4)2[SnCl]6) beschleunigt die Umwandlung ebenfalls.

Der Vorgang ist nicht verwandt mit der Zinkpest.

Beispiele

  • Viele Orgelpfeifen im Sichtbereich (Prospekt) sind aus optischen Gründen aus reinem Zinn hergestellt und besonders anfällig für die Zinnpest.
  • Auf dem Russlandfeldzug 1812 von Napoleon zerfielen die Zinnknöpfe der Uniformen seiner Soldaten aufgrund der Kälte, und zahlreiche Soldaten erlitten Erfrierungen.
  • 1912 fand der Polarforscher Robert Falcon Scott den Tod, unter anderem, weil die mit Zinn verlöteten Brennstoffkanister durch die Zinnpest undicht wurden.
 
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