31.07.2020 - Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Corona-Folgen für das Erdsystem

Die COVID-19-Krise wirkt sie sich auf beispiellose Weise auf das gesamte Erdsystem aus und offenbart system-immanente Risiken unserer stark vernetzten Welt

COVID-19 wirkt sich unmittelbar auf die Gesundheit, die Wirtschaft und das soziale Wohlergehen in unserem persönlichen Leben aus. Doch die Folgen für das gesamte Erdsystem, insbesondere solche, die sich aus den weltweit verhängten Kontaktbeschränkungen ergeben, könnten sehr viel weitreichender und langwieriger sein. Dies wurde in einer heute erschienenen Veröffentlichung in Nature Reviews von einem internationalen Team von Geowissenschaftlern analysiert, darunter Markus Reichstein, Direktor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena.

Die COVID-19-Krise beeinträchtigt das Leben jedes Einzelnen. Zusätzlich wirkt sie sich auf beispiellose Weise auf das gesamte Erdsystem aus und offenbart system-immanente Risiken unserer stark vernetzten Welt. Ein internationales Team von Geowissenschaftlern kommt zu dem Schluss, dass sowohl die unmittelbaren als auch die längerfristigen Folgen von COVID-19 entlang von mindestens zwei Kaskaden auftreten können: Die erste umfasst Energie, Emissionen, Klima und Luftqualität, die zweite Kaskade betrifft Armut, Globalisierung, Ernährung und biologische Vielfalt.

Unmittelbare COVID-19-Folgen ergeben sich hauptsächlich aus den reduzierten Aktivitäten und Interaktionen der Menschen; länger anhaltende Folgen hingegen aus den kaskadenartigen Auswirkungen der wirtschaftlichen Rezession auf die globale Armut, grüne Investitionen und menschliches Verhalten. Diese länger anhaltenden Effekte können sich drastisch von den kurzfristigen unterscheiden, selbst in deren Vorzeichen. Während z.B. die CO2-Emissionen vorübergehend leicht zurückgegangen sind, können sie später entweder wieder steigen und sogar über das Ziel hinausschießen. Oder aber sie können in Zukunft langsamer wachsen als vor der COVID-19-Krise. „Dies wird auch davon abhängen, welche politischen Entscheidungen bezüglich der Kohledioxidemissionen der Energieproduktion nun getroffen werden", erklärt Markus Reichstein, Direktor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. „Daher ist es entscheidend dass klimafreundliche und nachhaltige Weichen in der Wirtschaftspolitik gestellt werden“, so Reichstein weiter.

Die Autoren des Berichts argumentieren weiterhin, dass Langzeitbeobachtungen der Atmosphäre, Hydrosphäre und Biosphäre von größter Bedeutung sind, um die Reaktionen des Erdsystems auf COVID-19 zu verstehen. "Trotz der Tatsache, dass die Kontaktbeschränkung die Kontinuität von wissenschaftlichen Messreihen bedroht, dürfen Langzeitbeobachtungen nicht eingestellt werden", fügt Reichstein hinzu.

Am Max-Planck-Institut für Biogeochemie werden Kreisläufe grundlegender Ressourcen wie Wasser, Kohlenstoff, Stickstoff und Energie erforscht. Das Institut ist besonders bekannt für seine Langzeitmessungen von Treibhausgasen in Deutschland und an weltweit verstreuten Stationen, die dann in Budgetanalysen und die damit verbundenen Modelle einfließen.

Wenn man versteht, wie das Erdsystem auf COVID-19 reagiert, sollte es besser möglich sein dieses globale Ereignis zu bewältigen und sich von ihm zu erholen. Die Autoren legen dar, wie mit diesem Wissen z.B. Brennpunkte von Umweltrisiken besser erkannt und damit bedrohte Regionen in der Katastrophenvorsorge unterstützt werden können. Auch sollten die gewonnenen Erkenntnisse zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Erholung beitragen.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • COVID-19
  • Coronavirus
  • Energie
  • Emissionen
  • Luftqualität
  • Globalisierung
  • Ernährung
  • Biodiversität
  • CO2-Emissionen
Mehr über MPI für Biogeochemie
  • News

    Überraschung aus dem Urwaldboden

    Der Amazonas-Regenwald ist der größte Wald der Erde. Seine Bäume geben eine Vielzahl flüchtiger Substanzen ab, welche die chemische Zusammensetzung der Luft beeinflussen. Dazu gehören auch die sogenannten Sesquiterpene – sehr reaktive chemische Verbindungen, die besonders schnell Ozon abbau ... mehr

    Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?

    Aktuell nimmt die Landoberfläche etwa ein Viertel der anthropogenen Kohlendioxidemissionen aus der Atmosphäre wieder auf. Ob die Aufnahmefähigkeit dieser Kohlenstoffsenke erhalten bleibt und wie sie sich zukünftig weiterentwickeln wird, ist ungewiss. Wie sie reguliert wird, konnte nun eine ... mehr

    Geoengineering kann den Klimawandel nicht aufhalten

    Die Erde künstlich zu kühlen, würde den Klimawandel nicht rückgängig machen. Um den Treibhauseffekt in der Luft einzudämmen, erwägen manche Klimapolitiker, die Erde mit gigantischen Spiegeln im All oder großen Mengen an zusätzlichen Schwebteilchen in der Atmosphäre vom Sonnenlicht abzuschir ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Max-Planck-Institut für Biogeochemie

    Das 1997 gegründete Max-Planck-Institut für Biogeochemie widmet sich der Erforschung globaler Stoffkreisläufe und der daran beteiligten biologischen, chemischen und physikalischen Umsetzungen. mehr

Mehr über Max-Planck-Gesellschaft
  • News

    Mikropartikel mit Gefühl

    Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Bremer Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie, der Universität Aarhus und des Science for Life Institute in Uppsala hat winzige Partikel entwickelt, die den Sauerstoffgehalt in ihrer Umgebung anzeigen. So schlagen sie zwei Fliegen ... mehr

    Chemisches Trio bildet Wolkenkeime

    Aerosolpartikel spielen als Kondensationskeime eine maßgebliche Rolle bei der Entstehung von Wolken. Ein internationales Forschungsteam, dem auch Forschende des Max-Planck-Instituts für Chemie und des Climate and Atmosphere Research Centers (CARE-C) am Cyprus Institute in Nikosia angehören, ... mehr

    Neue Methode zur Erforschung der Nanowelt

    Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts (MPL) und des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin (MPZPM) in Erlangen präsentieren einen großen Fortschritt bei der Charakterisierung von Nanopartikeln. Sie nutzten eine spezielle Mikroskopie-Methode, die auf Interfer ... mehr

  • Videos

    Katalysatoren - Multitalent Katalysator

    Kaum ein Prozess in der chemischen Industrie läuft ohne Katalysatoren. Sie beschleunigen chemische Reaktionen und helfen so, Energie zu sparen und unerwünschte Nebenprodukte zu vermeiden. Viele Reaktionen werden durch Katalysatoren aber auch praktisch erst möglich. mehr

    STED - Lichtblicke in die Nanowelt

    Details die enger als 200 Nanometer beieinander liegen, können mit optischen Mikroskopen nicht mehr unterschieden werden – das entspricht in etwa dem Zweihunderdstel einer Haaresbreite. Grund dafür ist die Wellennatur des Lichts, dessen halbe Wellenlänge in etwa diesen 200 Nanometern entspr ... mehr

    Tuning für Brennstoffzelle

    Die Brennstoffzelle kann klimaschonenden Strom erzeugen, vor allem wenn sie mit Wasserstoff aus regenerativen Quellen wie etwa aus Biomasse betrieben wird. Damit sie aber auch mit Brennstoff aus Holzabfällen oder Stroh optimal arbeitet, benötigt sie eine ausgeklügelte Steuerung. mehr

  • White Paper

    Die Keimzelle der Biobatterie

    Um überschüssigen Strom von Windkraft- und Solaranlagen aufzuheben sind leistungsfähige Batterien und Kondensatoren aus nachhaltigen Materialien gefragt. mehr

  • Forschungsinstitute

    Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

    Max-Planck-Institute betreiben Grundlagenforschung in den Natur-, Bio-, Geistes- und Sozialwissenschaften im Dienste der Allgemeinheit. Die Max-Planck-Gesellschaft greift insbesondere neue, besonders innovative Forschungsrichtungen auf, die an den Universitäten in Deutschland noch keinen od ... mehr