31.01.2022 - carbonauten GmbH

Klimaneutrale Bioaktivkohle aus nachwachsenden Rohstoffen

Eine Million Euro Förderung für Forschungsprojekt der carbonauten GmbH und der Universität Hohenheim

Bioaktivkohle aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen und den dafür nötigen Energiebedarf klimaneutral decken – dieses Ziel verfolgt ein gemeinsames Forschungsprojekt der carbonauten GmbH und des Fachgebiets Konversionstechnologien nachwachsender Rohstoffe der Universität Hohenheim. Nach der Genehmigung der Förderung durch das Bioökonomie Innovations- und Investitionsprogramm für den Ländlichen Raum (BIPL BW) des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg im Dezember 2021, startet jetzt das auf zwei Jahre ausgelegte Forschungsprojekt. Als Resultat soll ein Anlagenmodul entstehen, mit dem sich aus Biorestmasse gewonnene Biokohlenstoffe durch Wasserdampf aktivieren lässt. Als Grundlage dient dabei die minus CO2-Technologie der carbonauten: Karbonisierungsanlagen wandeln Biorestmasse in Biokohlenstoffe um, wodurch CO2 aus der Atmosphäre dauerhaft gebunden wird und ein Überschuss an Erneuerbarer Energie entsteht.

„Die Nachfrage nach Aktivkohle als Adsorptionsmittel für Chemie und Medizin, Abwasser- und Abgasbehandlung oder Klimatechnik steigt ständig“, erklärt Torsten Becker, Geschäftsführer der carbonauten. „Aber bisher entsteht sie in der Regel aus fossilen Rohstoffen, und die Verfahren benötigen große Mengen an Energie, die ebenfalls meist aus fossilen Quellen stammen. China ist weltweit größter Hersteller, überwiegend mit umweltfeindlichen Verfahren. Wir sind überzeugt, das geht mit unserem System ökologisch nachhaltiger und wirtschaftlicher. Daher freuen wir uns, dass in unserem bisher größten Forschungsprojekt zusammen mit der Universität Hohenheim zu beweisen."

Im ersten Schritt entstehen durch eine Forschungsgruppe des Fachgebiets Konversionstechnologien nachwachsender Rohstoffe der Universität Hohenheim unter der Leitung von Prof. Dr. Andrea Kruse und in Zusammenarbeit mit carbonauten kleine Prototypen von Retorten. Dabei handelt es sich um Reaktoren, in denen Wasserdampf und Wärme möglichst gleichmäßig auf die Kohle einwirken sollen, um diese zu aktivieren. Auch die optimale Art von Biomasse als Grundlage für die Aktivkohle wird dabei ermittelt. 

Die carbonauten werden im nächsten Schritt einen Prototyp im 1:1-Format an ihrem Pilotstandort in Eberswalde konstruieren. Ihre Karbonisierungsanlagen bieten die technologische Basis, der Energiebedarf der Aktivierungsretorten wird durch den Energieüberschuss bei der Karbonisierung von Biorestmasse gedeckt – insgesamt ein nicht nur klimaneutrales, sondern sogar CO2-negatives Verfahren dank der zugrundeliegenden minus CO2-Technologie der carbonauten. 

Becker erklärt: „Unser strategisches Ziel ist, baldmöglichst in Baden-Württemberg dezentrale Anlagen zur Herstellung von Bioaktivkohle zu errichten, die im Sinne einer zirkulären Bioökonomie regional erzeugte Biomasse-Restströme regional nutzen. Durch die Herstellung von Bioaktivkohle wird der Kohlenstoff aus der Biomasse lange dem Kohlenstoffkreislauf entzogen. Der Ersatz von fossiler Aktivkohle spart CO2-Emissionen und verhindert die umweltproblematische Produktion. Zudem werden neue Einkommensquellen im ländlichen Raum geschaffen.“

Die Kooperation ist auch für Prof. Dr. Andrea Kruse ein wichtiger Schritt: „Wir arbeiten seit vielen Jahren an der Herstellung von Aktivkohlen und Hochleistungskohlenstoffen. Dieses Wissen wollen wir auch in die Anwendung bringen. Die carbonauten sind für uns als Partner besonders interessant, weil sie kompakte und modular erweiterbare Anlagen bauen und ein dezentrales Konzept vertreten. In der Bioökonomie ist es wichtig, dass die Transportwege kurz sind, die Anlagen aber aufgrund der Größe (Economy of Scale) nicht teuer werden. Das erfordert neue Technologien, und die carbonauten haben eine besonders gute entwickelt.“

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Biokohlenstoffe
  • Bioökonomie
Mehr über carbonauten
  • Firmen

    carbonauten GmbH

    Wir entwickeln, produzieren, veredeln und vermarkten Biokohlenstoffe, dezentral und in industriellen Dimensionen. Dazu verwenden wir ausschließlich Reste von Biomassen. Diese stammen aus der Land- und Forstwirtschaft, der Holz-, Recycling- und Lebensmittelindustrie. Unsere Biokohlenstoffe ... mehr

Mehr über Uni Hohenheim
  • News

    Biokunststoffe aus Backwaren?

    Kunststoffe aus nicht verkauften Backwaren: Forschern ist es gelungen, aus Altbackwaren die Basis-Chemikalie Hydroxymethylfurfural (HMF) zu gewinnen. Mit HMF steht ein Ausgangsstoff zur Verfügung, der zum Beispiel Formaldehyd in biobasierten Klebstoffen ersetzen kann. Des Weiteren können mi ... mehr

    Aus Pflanzenabfällen entstehen High-Tech-Materialien

    Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Kohle und Erdöl zur Neige gehen. Eine unerschöpfliche Alternative könnten Pflanzenabfälle sein, die über spezielle Verfahren in hochwertige Kohlenstoff-Materialien umgewandelt werden. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Technologien für die Herstellun ... mehr

    Bambus-Wasserstoffspeicher könnten mobile Nutzung von Brennstoffzellen revolutionieren

    Leichte und kleine Wasserstoffspeicher aus Bambus könnten die mobile Nutzung von Brennstoffzellen vorantreiben. Die nahezu drucklosen Aktivkohle-Speicher bieten ungefährlich Platz für große Gasmengen. Zwei Forscherinnen der Universität Hohenheim in Stuttgart entwickelten ein spezielles Verf ... mehr

  • q&more Artikel

    Herausforderungen im Bioprozess

    Die ersten biotechnischen Prozesse wurden schon vor mehreren tausend Jahren durchgeführt und dienten zur Herstellung von Bier, Wein und Brot. Waren sie zunächst auf Lebensmittelprozesse beschränkt, so wird mit biotechnischen Prozessen zurzeit von der Abwasserreinigung bis hin zur Produktion ... mehr

  • Autoren

    Prof. Dr. Bernd Hitzmann

    Bernd Hitzmann, Jahrgang 1957, studierte Physik an der Universität Hannover und wurde im Fachbereich Chemie der Universität Hannover promoviert. Es folgte ein Forschungsaufenthalt am California Institute of Technology (Caltech), Pasadena, USA und eine Tätigkeit am Konzernforschungszentrum v ... mehr

    Dr. Dietmar R. Kammerer

    Dietmar R. Kammerer studierte Lebensmittelchemie an den Universitäten Stuttgart und Hohenheim, wo er 2005 promovierte. Es folgte ein Post-Doc-Aufenthalt am Horticulture and Food Research Institute of New Zealand Ltd. (HortResearch) in Auckland, Neuseeland. Nach seiner Rückkehr nach Deutschl ... mehr

    Dr. Agnes Weiß

    Agnes Weiß  studierte Lebensmittel- und Bio-technologie mit Abschluss Dipl.-Ing. an der Universität für Bodenkultur, Wien, Österreich und promovierte dort im selben Fach 2004. Von 2005 bis 2007 war sie als PostDoc an der Universität Bayreuth, seit 2008 ist sie als wissenschaftliche Mitarbei ... mehr