Für die meisten Chemikalien in Lebensmittelverpackungen fehlen die zum Schutz der Verbraucher erforderlichen Daten

Wissenschaftler schlagen einen Weg nach vorn vor

02.09.2026
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Symbolbild

In einer neuen, von Fachkollegen begutachteten wissenschaftlichen Studie, die in der Fachzeitschrift „Environmental Science & Technology“ veröffentlicht wurde, stellen Wissenschaftler der Food Packaging Forum Foundation einen praktischen, neuartigen und skalierbaren Ansatz zum besseren Schutz der Verbrauchergesundheit vor. Durch die Einteilung der mehr als 15.000 Chemikalien, die in Lebensmittelverpackungen, Küchenutensilien oder anderen Materialien mit Lebensmittelkontakt verwendet werden oder darin vorkommen können, lassen sich diese Chemikalien für eine behördliche Überprüfung oder ein schrittweises Verbot priorisieren. Dieser neue Ansatz wird dazu beitragen, unglückliche Ersatzlösungen zu vermeiden. 

Die aktuellen Vorschriften für Lebensmittelkontaktmaterialien in Europa und Nordamerika schützen die Gesundheit der Verbraucher nicht ausreichend, da für 87 % der Chemikalien keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen, um die vielfältigen möglichen gesundheitlichen Auswirkungen zu berücksichtigen. Bis diese Chemikalien in Lebensmittelkontaktmaterialien ordnungsgemäß getestet und die fehlenden Daten bereitgestellt werden können, schlagen die Autoren der Studie vor, einen Gruppierungsansatz zu verwenden, um potenziell gefährliche Chemikalien auf der Grundlage ihrer chemischen Struktur effizient zu priorisieren. Auslaufregelungen, gesetzliche Beschränkungen oder priorisierte Tests auf der Grundlage dieses Gruppierungsansatzes könnten politischen Entscheidungsträgern und Herstellern helfen, die problematischen Datenlücken zu überwinden und die Gesundheit von Mensch und Umwelt besser zu schützen.

Wichtigste Ergebnisse: 

  • Bei der Mehrheit der Chemikalien bestehen erhebliche Datenlücken. Von 1.222 Chemikalien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, ist bereits bekannt, dass sie gesundheitsgefährdend sind, doch für mehr als 13.000 fehlen ausreichende öffentlich zugängliche Daten, um festzustellen, ob sie für Verbraucher unbedenklich sind oder nicht. 
  • Es gibt 38 vorrangig zu behandelnde Chemikaliengruppen. Diese Gruppen weisen einen hohen Anteil bekannter gefährlicher Chemikalien auf und umfassen unter anderem Ortho-Phthalate, PFAS, Alkylphenole, Organophosphate, Isocyanate und primäre aromatische Amine. 
  • Die Gruppierung von Chemikalien kann dazu beitragen, unerwünschte Substitutionen zu verhindern. Innerhalb dieser 38 vorrangigen Gruppen gibt es 3.547 Chemikalien mit Lebensmittelkontakt. Das bedeutet, dass sie strukturell bekannten gefährlichen Chemikalien ähneln und daher zu unerwünschten Ersatzstoffen werden könnten. 
  • Die Gruppierung von Chemikalien kann den Verbraucherschutz schneller und besser gewährleisten. Aktuelle Vorschriften für Lebensmittelkontaktmaterialien betrachten Chemikalien einzeln, was angesichts der erheblichen Datenlücken bei wichtigen gesundheitlichen Endpunkten ineffizient und ineffektiv ist. Ein gruppenbasierter Ansatz zur Schließung dieser Datenlücken kann die Anzahl der erforderlichen Regulierungsprozesse reduzieren und letztendlich die Gesundheit der Verbraucher schneller und besser schützen. 

Die veröffentlichte Studie enthält eine öffentlich zugängliche und evidenzbasierte Liste bekannter gefährlicher Chemikalien in Lebensmittelkontaktmaterialien (FCCprio-Liste) sowie eine interaktive Anwendung (FCCgroup, Passwort: fccgroup2026), mit deren Hilfe Nutzer leicht feststellen können, ob eine Chemikalie zu einer der 38 Prioritätsgruppen gehört. Auf der Grundlage öffentlich zugänglicher Gefahrenangaben könnten die Chemikalien auf der FCCprio-Liste für eine strengere Beschränkung ihrer Verwendung in Lebensmittelkontaktanwendungen in Betracht gezogen werden. Angesichts des derzeitigen Mangels an notwendigen Daten könnten Chemikalien innerhalb einer oder mehrerer FCCgroup-Prioritätsgruppen hinsichtlich ihrer Sicherheit neu bewertet werden und sollten nicht als direkte Ersatzstoffe für bekannte gefährliche Chemikalien verwendet werden – eine Praxis, die als „regrettable substitution“ bekannt ist und bei Chemikalien wie Bisphenol A (ersetzt durch Bisphenol F) aufgetreten ist.

Zitate der Autoren

Dr. Helene Wiesinger, Mitautorin bei der Food Packaging Forum Foundation, sagte: „Es gibt viele bekannte gefährliche Chemikalien in Lebensmittelverpackungen, aber deren Ersatz durch sehr ähnliche Chemikalien, die noch nicht ausreichend getestet wurden, löst das Problem nicht. Auf der Grundlage bereits bekannter gefährlicher Chemikalien haben wir 38 vorrangige Chemikaliengruppen identifiziert und eine Methode entwickelt, um diese innerhalb beliebiger Chemikaliengruppen schnell zu identifizieren. Dies kann politischen Entscheidungsträgern und Herstellern helfen, potenziell bedenkliche Chemikalien schnell zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.“  

Dr. Jane Muncke, Mitautorin der Food Packaging Forum Foundation, sagte: „Unsere Forschung zeigt, wie wenig über so viele der Chemikalien bekannt ist, denen Verbraucher täglich durch die von ihnen gekauften Lebensmittelverpackungen ausgesetzt sind. Die heutigen Regulierungsansätze in Europa und Nordamerika betrachten jede Chemikalie einzeln, doch dies ist ineffizient und schützt die Verbraucher nicht ausreichend. Wir schlagen einen evidenzbasierten Gruppierungsansatz vor, den Entscheidungsträger bereits jetzt anwenden können, bis geeignete Testmethoden und Testdaten verfügbar sind.“  

Albert Anguera Sempere, Mitautor der Food Packaging Forum Foundation, sagte: „Unsere neue FCCgroup-App ermöglicht es jedem, einfach und schnell eine Reihe von Chemikalien zu überprüfen und herauszufinden, welche davon gefährlich sein könnten und eine vermeidbare Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher darstellen. Dies kann insbesondere Unternehmen dabei helfen, künftigen gesetzlichen Beschränkungen einen Schritt voraus zu sein, Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden und ihre Kunden besser zu schützen.“

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