19.10.2010 - Georg-August-Universität Göttingen

Göttinger Forscher entdecken neue Methanquelle zwischen Tropenbäumen

Trichter-Bromelien erhöhen Gaskonzentration über tropischen Regenwäldern

Nach Kohlenstoffdioxid trägt das Gas Methan am meisten zum Wandel des Klimas und zur Erderwärmung bei. Dabei ist die Hälfte der weltweiten Methanemissionen natürlichen Ursprungs. Im Jahr 2003 wurden weltweit erhöhte Methankonzentrationen über tropischen Regenwäldern entdeckt, deren Ursprung bis heute ungeklärt ist. Nun hat eine Forschergruppe um Prof. Dr. Edzo Veldkamp von der Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit Forschern des Max-Planck-Instituts Marburg untersucht, wie es zu dieser Methanansammlung kommt.

Die Wissenschaftler haben eine bisher unbekannte Quelle von Methanemissionen in den Baumkronen der Bergregenwälder Süd-Ekuadors entdeckt: sogenannte Trichter-Bromelien (Ananas-Gewächse). Durch ihre runde Trichterform sind diese Pflanzen in der Lage, in den feuchten Wäldern der Tropen Regenwasser und herabfallende Blätter aufzufangen. Dadurch entsteht in den Trichtern der Bromelien ein einzigartiges Feuchtbiotop, das Heimat für zahlreiche Amphibien, Insekten und Mikroorganismen ist. Aus diesem Biotop versorgt sich die Pflanze mit Nährstoffen und Wasser. Nachdem die Forscher starken Gärungsgeruch in den Trichtern wahrgenommen hatten, führten sie erste Methanmessungen durch und wurden fündig. Weitere Nachforschungen ergaben, dass das Methan über die Blätter der Trichter-Bromelie in die Atmosphäre gelangt. Dabei gibt die Pflanze mehr Methan ab, als durch den Boden wieder aufgenommen wird. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Trichter-Bromelien aus dem Tieflandregenwald möglicherweise noch mehr Methan produzieren als die im Bergregenwald.

Die Pflanzen könnten also die Ursache dafür sein, dass über den tropischen Regenwäldern Latein-Amerikas erhöhte Methankonzentrationen gemessen werden, für die es bisher keine Erklärung gab. „Die Entdeckung von Methanquellen in den Baumkronen tropischer Regenwälder zeigt, dass wir noch längst nicht alles über dieses einzigartige Ökosystem wissen“, so Prof. Veldkamp. Auch die Baumkronen anderer tropischer Wälder könnten Lebensraum für methanproduzierende Mikroorganismen bieten - das wäre eine Erklärung für die weltweit erhöhten Methankonzentrationen über tropischen Regenwäldern. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler könnten dazu beitragen, die Vorhersagen über zukünftige Veränderungen der natürlichen Methanemissionen und damit auch über die globale Erderwärmung zu präzisieren.

Die Forschergruppe „Biodiversität und nachhaltige Bewirtschaftung von Bergregenwäldern in Süd-Ekuador“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Originalveröffentlichung: Martinson et al.; "Methane emissions from tank bromeliads in neotropical forests"; Nature Geoscience. AOP - advance online publication, 17. Oktober 2010

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Wasser
  • Biotop
Mehr über Uni Göttingen
  • News

    Leuchtende Aminosäuren

    Chemikern der Universität Göttingen ist es gelungen, die in biologischen Systemen und Arzneimitteln besonders aktive Struktur der Chromone in nur einem Schritt herzustellen – ausgehend von günstigen Startmaterialien. Werden Wirkstoffe traditionell hergestellt, sind häufig viele synthetische ... mehr

    Wie Diphosphor für chemische Reaktion nutzbar wird

    Chemische Synthesen von neuen Wirkstoffen oder Funktionsmaterialien basieren auf der Verwendung molekularer Bausteine. Diese müssen gleichzeitig reaktiv, aber auch stabil genug sein, um den gezielten Einbau in größere Moleküle zu ermöglichen. Ein Forschungsteam der Universität Göttingen und ... mehr

    Umweltfreundlicher Biokunststoff aus Pflanzen und Wasser

    Kunststoffe sind in unserem täglichen Leben weit verbreitet: Sie sind leicht, billig und anpassungsfähig. Doch wenn Kunststoffe hergestellt, verarbeitet und entsorgt werden, ist dies nicht nachhaltig und gefährdet weltweit Umwelt und menschliche Gesundheit. Wiederverwendbare und recycelbare ... mehr

  • Autoren

    Prof. Dr. Gerhard H. Braus

    Gerhard H. Braus, geb. 1957, studierte Biologie und Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau. Promotion (1987) und Habilitation (1992) erfolgten an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. 1993 folgte er einem Ruf auf eine C3-Professur für Bio ... mehr

    Dr. Jennifer Gerke

    Jennifer Gerke, geb. 1982, studierte Chemie an der Georg-August-Universität Göttingen. Ihre Diplomarbeit befasste sich mit der Isolierung und Strukturaufklärung von Sekundärmetaboliten aus marinen Actinomyceten. Anschließend wechselte sie an das Institut für Mikrobiologie und Genetik, wo si ... mehr