Wacker bleibt nach Rekordjahr 2010 weiter auf Wachstumskurs

21.03.2011 - Deutschland

Die Wacker Chemie AG erwartet für das laufende Geschäftsjahr 2011 weitere Zuwächse bei den Absatzmengen und beim Umsatz. Wie der Münchner Chemiekonzern bekannt gab, hält der Aufwärtstrend in den Geschäftsfeldern von Wacker im 1. Quartal 2011 weiter an. Dank der starken Kundennachfrage quer über alle Branchen und Regionen hatte das Unternehmen das Geschäftsjahr 2010 mit neuen Bestwerten beim Umsatz und beim Ertrag abgeschlossen. Der Konzernumsatz stieg um 28 Prozent auf 4,75 (Vj. 3,72) Mrd. €. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) hat sich mit 1,19 Mrd. € (Vj. 607 Mio. €) nahezu verdoppelt. Das Jahresergebnis stieg im vergangenen Jahr auf 497 Mio. €. Im Geschäftsjahr 2009 hatte WACKER unter anderem aufgrund von Rückstellungen und Wertminderungen im Anlagevermögen einen Verlust von 74,5 Mio. € ausgewiesen.

In den ersten zwei Monaten des Geschäftsjahres 2011 blieben die Absatzmengen in allen Geschäftsbereichen anhaltend hoch. Der Konzernumsatz im Januar und Februar 2011 liegt klar über den Werten des Vorjahres. Wenn sich diese Entwicklung im Jahresverlauf weiter fortsetzt, geht Wacker davon aus, dass der Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2011 die Schwelle von 5 Mrd. € überschreiten wird. Das EBITDA soll nach den derzeitigen Planungen trotz deutlich steigender Rohstoffkosten und Vorlaufkosten für den Ausbau der Polysiliciumproduktion wieder das hohe Niveau des Jahres 2010 erreichen.„Wir gehen in das Geschäftsjahr 2011 mit Zuversicht und aus einer Position der Stärke“, sagte Konzernchef Rudolf Staudigl am Mittwoch in München. „Die finanzielle Verfassung des Unternehmens ist ausgezeichnet und dank unserer langfristig ausgerichteten Investitionspolitik haben wir uns in den Wachstumsregionen der Welt über die letzten Jahre eine solide Basis geschaffen – ganz besonders in Asien. In allen unseren Geschäftsbereichen ist die Nachfrage der Kunden nach unseren Produkten anhaltend hoch. 2011 wird erneut ein sehr gutes Jahr für Wacker werden.“

 

Investitionen

Die Investitionen des Konzerns blieben im Geschäftsjahr 2010 auf hohem Niveau. Die Anlagenzugänge erreichten 695 (Vj. 740) Mio. €. Die Mittel gingen vor allem in den Ausbau der Kapazitäten für polykristallines Reinstsilicium und in weitere Anlagen zur Herstellung von Siliconen in China.

Am Standort Burghausen hat Wacker die so genannte Erweiterungsstufe 8 seiner Polysiliciumproduktion in Betrieb genommen. Die vorgesehene Nennkapazität von 10.000 Jahrestonnen wurde im 2. Quartal 2010 erreicht. Der Bau der Polysiliciumanlagen am Standort Nünchritz mit einer Nennkapazität von ebenfalls 10.000 Jahrestonnen hat 2010 große Fortschritte gemacht. Die Gebäude werden gegenwärtig mit der Produktionstechnik ausgestattet. Die Inbetriebnahme wird wie geplant noch vor Ende des laufenden Jahres erfolgen.

In Zhangjiagang (China) hat Wacker im November vergangenen Jahres die Produktion von Siloxan gemeinsam mit dem Partner Dow Corning offiziell in Betrieb genommen. Dieser Anlagenverbund komplettiert den größten integrierten Siliconstandort der Welt. Wacker hat damit sein wichtigstes Ausbauprojekt im Wachstumsmarkt China erfolgreich abgeschlossen und die Basis für die weitere Expansion seines Siliconegeschäfts in China geschaffen.

Ein wichtiger Schritt, um die Rohstoffbasis von Wacker zu sichern, war im vergangenen Jahr der Erwerb einer Siliciummetall-Produktion im norwegischen Holla. Der Münchner Chemiekonzern hat den Standort Mitte 2010 für 66,5 Mio. € von der Fesil Group übernommen. Die dortige Produktionskapazität beträgt rund 50.000 Tonnen Siliciummetall pro Jahr. Damit deckt Wacker jetzt knapp ein Drittel seines Jahresbedarfs aus eigener Herstellung.

Mitarbeiter

Zum Jahresende 2010 beschäftigte Wacker weltweit 16.314 (Vj. 15.618) Mitarbeiter. Das sind 696 mehr als im Vorjahr. Der Anstieg steht im Zusammenhang mit der starken Kundennachfrage und der hohen Auslastung der Produktion. Der Erwerb der Siliciummetall-Produktion in Holla und eines Siliconherstellers in Jincheon (Südkorea) haben den Personalbestand zusätzlich erhöht. An den deutschen Standorten von WACKER arbeiteten zum Stichtag 12.235 (Vj. 11.925) Mitarbeiter, im Ausland waren es 4.079 (Vj. 3.693).

Netto-Cashflow, Netto-Finanzschulden und Eigenkapitalquote

Der Netto-Cashflow wuchs im Geschäftsjahr 2010 auf 422 (Vj. -33) Mio. €. Dieser Anstieg ist das Ergebnis des starken operativen Geschäfts sowie hoher Anzahlungen von Kunden für künftige Polysiliciumlieferungen. Bei den Nettofinanzverbindlichkeiten (Saldo aus Liquidität und Finanzschulden) weist Wacker zum Stichtag 31. Dezember 2010 einen Überschuss von 264 Mio. € aus. Im Vorjahr hatten die Nettofinanzschulden des Konzerns 76 Mio. € betragen. Die Bilanzsumme des Wacker-Konzerns hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich erhöht. Zum 31. Dezember 2010 lag sie bei 5,5 (Vj. 4,54) Mrd. €. Zu diesem Anstieg um 21 Prozent haben Zugänge beim Anlagevermögen, höhere Vorräte und Forderungen aufgrund des gestiegenen Geschäftsvolumens und Währungseffekte beigetragen. Das Eigenkapital des Konzerns belief sich zum Bilanzstichtag auf 2,45 (Vj. 1,94 ) Mrd. €. Damit ergibt sich eine Eigenkapitalquote von 44,5 (Vj. 42,8) Prozent.

Ausblick

Der Aufschwung der Weltwirtschaft wird sich nach Meinung der Konjunkturexperten im laufenden Jahr fortsetzen. Allerdings sollen die Wachstumsraten niedriger ausfallen als im Jahr 2010. Die stärksten Impulse kommen dabei aus Asien. Vor allem die beiden großen Volkswirtschaften China und Indien werden weiter zulegen. Aber auch in allen anderen Regionen soll das Bruttoinlandsprodukt über den Werten des Vorjahres liegen.

Eine Folge dieses robusten Aufschwungs sind steigende Rohstoffkosten. Die Preise für die wichtigsten Rohstoffe von Wacker – Silicium, Ethylen und Methanol – lagen im Januar und Februar 2011 deutlich über dem Durchschnitt des Vorjahres. Das Unternehmen geht für die kommenden Monate von weiter steigenden Rohstoffpreisen aus. Diesen Kostenschub zu kompensieren, ist eine der wesentlichen Herausforderungen des laufenden Geschäftsjahres.

Die steigende Nachfrage seiner Kunden wird Wacker in diesem Jahr mit der Inbetriebnahme neuer Produktionskapazitäten und weiteren Investitionen begleiten. Insgesamt will das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr rund 950 Mio. € investieren.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Polysiliciumgeschäft. Im zweiten Halbjahr wird der Geschäftsbereich WACKER POLYSILICON die Produktion in der Ausbaustufe 9 in Nünchritz anfahren. Die Anlage hat eine Nennkapazität von 10.000 Tonnen. Ebenfalls in diesem Jahr startet der Aufbau der Polysilicium-Produktion am neuen Standort Cleveland im US-Bundesstaat Tennessee. Der Produktionskomplex hat Jahreskapazität von 15.000 Tonnen und soll Ende 2013 fertiggestellt sein. Das Investitionsvolumen für dieses Großprojekt beträgt insgesamt rund 1,1 Mrd. €. Darüber hinaus erweitert Wacker seine Polysiliciumproduktion in Burghausen und Nünchritz und beseitigt dazu Engpässe im Produktionsverbund. Dadurch erhöht sich die Jahresmenge an den beiden Standorten um jeweils 5.000 Tonnen. Erste Mengen aus den Erweiterungsmaßnahmen sollen 2012 zur Verfügung stehen. Die dafür vorgesehenen Investitionen belaufen sich auf etwa 130 Mio. €. Insgesamt steigert Wacker seine Gesamtkapazität für polykristallines Reinstsilicium von derzeit gut 30.000 Jahrestonnen auf 67.000 Jahrestonnen bis 2014.

Für seine Chemiebereiche erwartet Wacker im laufenden Geschäftsjahr ebenfalls weiteres Wachstum. Das Silicon- und Polymergeschäft wird in diesem Jahr vor allem von der steigenden Nachfrage in den Schwellenländern profitieren und damit höhere Umsätze erwirtschaften. Der Wohlstandszuwachs in Ländern wie Brasilien, China und Indien, die zunehmende Urbanisierung und der Aufbau von Infrastruktur treiben den Absatz von Siliconen, Dispersionspulver und Dispersionen. Auch im Geschäftsbereich WACKER BIOSOLUTIONS rechnet das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr mit höheren Umsätzen. Ein wichtiger Wachstumstreiber ist hier unter anderem das Geschäft mit Kaugummirohmasse.

Im Halbleitergeschäft geht Wacker davon aus, dass die Nachfrage nach Siliciumwafern im Jahresverlauf anziehen wird, speziell im Segment der 300 mm-Wafer. Neue Endgeräte wie Tablet PCs oder Smartphones und die Zunahme von Bild- und Videoanwendungen treiben den Bedarf an Speicher und leistungsstarken Prozessoren. Das sollte bei Siltronic zu einer höheren Auslastung der Produktionskapazitäten und möglicherweise auch zu steigenden Preisen für Siliciumwafer führen. Wacker geht davon aus, dass Siltronic im Jahr 2011 den Umsatz und das Ergebnis steigern kann. Um dem Marktwachstum in Asien Rechnung zu tragen, soll die Kapazität des Gemeinschaftsunternehmens Siltronic Samsung Wafer in Singapur in diesem Jahr weiter ausgebaut werden.

Insgesamt erwartet Wacker, dass im Geschäftsjahr 2011 der Umsatz erstmals auf über 5 Mrd. € steigen wird. Alle Geschäftsbereiche sollen zu diesem Umsatzwachstum beitragen. In der Ergebnisentwicklung werden sich die höheren Rohstoffpreise und die Kosten für den Hochlauf der neuen Polysiliciumanlagen am Standort Nünchritz auswirken. Wacker geht aber davon aus, dass das EBITDA wieder das hohe Niveau des Geschäftsjahres 2010 erreichen wird.

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