07.03.2016 - Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Molekül-Archiv: Zentrale Probenbank für die Forschung

Für die Forschung entwickelte Substanzen sollen der Wissenschaft erhalten bleiben

Chemische Verbindungen und Wirkstoffe, die innerhalb eines Forschungsprojektes entwickelt wurden, werden in der Regel entsorgt, obwohl sie einen hohen wissenschaftlichen Wert haben und weiter genutzt werden könnten. Mit der „Compounds Platform“ (ComPlat) entsteht am KIT in den nächsten drei Jahren ein exemplarisches Zentralarchiv, das diese Substanzen sammeln und Wissenschaftlern weltweit zugänglich machen soll. Die neue Forschungsinfrastruktur ist nun als DFG-Gerätezentrum bewilligt worden.

„Wir wollen dafür sorgen, dass die mit viel Zeit, Know-How und Aufwand hergestellten Stoffe nicht für die Wissenschaft verloren gehen, sondern in der Forschung weiter Verwendung finden“, erklärt der Leiter des Instituts für Organische Chemie (IOC), Prof. Stefan Bräse. Anders als in bereits bestehenden internationalen „Compound Storage Facilities“, sollen in Karlsruhe nicht nur sogenannte Leitmoleküle archiviert werden, die als Kandidaten für die Entwicklung von Wirkstoffen vor allem für die Pharmaforschung interessant sind. Die Plattform soll vielmehr alle stabilen Verbindungen aufnehmen, listen und bei Bedarf Forschergruppen aus der synthetischen Chemie, der Biologie oder anderen Fachdisziplinen bereitstellen.

„Mit ComPlat sichern wir wichtiges Referenzmaterial und erleichtern damit die Umsetzung von Forschungsprojekten mit hohem Substanzbedarf und Projektvorarbeiten, die viele Moleküle benötigen“, sagt der Experte. Das System läuft bereits mit einem begrenzten Nutzerkreis von rund 20 Partnern aus den Bereichen Biologie und Chemie  als Prototyp. Die Substanzen, die in einer Menge im Milligramm oder Grammbereich eingefroren und gelagert werden, gehen per Post an die Interessenten von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Im Zuge des Projektes soll sich die Plattform zunächst bundesweit und dann auch international für weitere Institutionen öffnen.

„Wir wollen wachsen: durch Einbindung von zusätzlichen Partnern, die Substanzen bereitstellen, und natürlich Forschern, die diese Substanzen nutzen“, sagt Stefan Bräse. Durch das neue Gerätezentrum sollen zukünftig möglichst viele verschiedenartige Moleküle der Forscherwelt unkompliziert zur Verfügung stehen. „Ziel ist es, eine internationale und für alle Akademiker zugängliche Plattform zu schaffen“. Den ComPlat-Gerätepark können potenzielle Interessenten kostenlos nutzen. Unterstützt wird die Compounds Platform durch das Screening Centre des Institutes für Toxikologie und Genetik, welches optimal für die Vorbereitung der Substanzen für Hochdurchsatz-Methoden aufgestellt ist. Das Angebot der Compounds Platform beinhaltet weiterhin eine Online-Registrierungsplattform für die Verbindungen, eine virtuelle Compound-Bibliothek, die Infrastruktur für die Aufbewahrung, Katalogisierung und Qualitätskontrolle der Verbindungen sowie die dazu gehörigen Serviceleistungen. Zudem kümmert sich ComPlat um die Logistik und die Klärung von juristischen Fragen wie Patentrechten oder Basisverträgen. Die DFG fördert das zunächst bis Februar 2019 befristete Projekt mit rund einer halben Million Euro.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
Mehr über KIT
  • News

    Vom Treibhausgas zum Hightech-Rohstoff

    Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht im Forschungsprojekt NECOC eine weltweit einzigartige Versuchsanlage zur aktiven Reduktion des atmosphärischen Kohlendioxids (CO2). Die Anlage im Containermaßstab produziert aus dem in der Umgebungsluft enthaltenen CO2 das hochreine Kohl ... mehr

    Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

    Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmecha ... mehr

    Ökostrom wird flüssig

    (dpa) Noch fließt der klimaneutrale Treibstoff nur tröpfchenweise aus der Versuchsanlage bei Karlsruhe. Doch in der Zukunft soll der E-Fuel genannte synthetische Kraftstoff - massenweise hergestellt aus Luft und Ökostrom - Lastwagen, Schiffe und Flugzeuge antreiben. Erstmals hat jetzt eine ... mehr

  • Videos

    Bioliq: Energiegewinnung aus Reststoffen – komplette Prozesskette läuft

    Die bioliq®-Pilotanlage am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) läuft erfolgreich über die gesamte Prozesskette. Alle Stufen des Verfahrens sind nun miteinander verbunden: Schnellpyrolyse, Hochdruck-Flugstromvergasung, Heißgasreinigung und Synthese. Durch bioliq® wird Restbiomasse in u ... mehr

    Sicherheit von Lithium-Ionen-Batterien erhöhen

    Lithium-Batterien sollten bei Transport, Montage und im Betrieb wirklich sicher sein. KIT-Wissenschaftler erklären, welche Faktoren dazu beitragen, die Sicherheit von Lithium-Ionen-Batterien zu erhöhen. mehr

    Kleben wie ein Gecko: selbstreinigend und haftsicher

    Geckos haben Klebestreifen eines voraus: Selbst nach wiederholtem Kontakt mit Schmutz und Staub kleben ihre Füße noch auf glatten Flächen einwandfrei. Forscher des KIT und der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh haben nun den ersten Klebstreifen entwickelt, der nicht nur genauso hafts ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Institut für Funktionelle Grenzflächen (IFG) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

    Forschungsgegenstand des Instituts für Funktionelle Grenzflächen (IFG) ist das Studium molekularer Interaktionen an fest/gas und fest/flüssig Grenzflächen. Aus der Untersuchung von Grundlagenprozessen auf der Nano-Ebene gewonnene Erkenntnisse werden konsequent auf die Makro-Ebene technische ... mehr

    Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

    Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das ... mehr

  • q&more Artikel

    Bewertung der Lungentoxizität von Luftschadstoffen

    Die aktuellen Diskussionen zu Fahrverboten in europäischen Städten zeigen einerseits den hohen Stellenwert, den die Bevölkerung der Luftqualität zumisst, und andererseits den Mangel an Methoden, die von Luftschadstoffen ausgehende Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit direkt zu bewerten. mehr

    Biochemie in der Mikrowelle

    Die Entwicklung neuer Pharmazeutika beruht auf dem zunehmenden Verständnis intrazellulärer Vorgänge. Insbesondere durch die Erforschung von Ligand-Rezeptor-Wechselwirkungen können Wirkstoffe ­besser angepasst werden. Um Medikamente an ihren Wirkungsort ­zu bringen, werden sog. „Carrier“-Mol ... mehr

  • Autoren

    Dipl. Ing. Sonja Mülhopt

    Sonja Mülhopt erwarb 2000 ihr Diplom für Maschinenbau an der Berufsakademie (heute DHBW) Mannheim. Die begleitende Ausbildung durchlief sie am Forschungszentrum Karlsruhe, dem heutigen Karlsruher Institut für Technologie (KIT). 2014 erhielt sie den Master of Science für Chemieingenieurwesen ... mehr

    Dr. Hanns-Rudolf Paur

    Hanns-R. Paur hat als Chemiker an der LMU in München promoviert und war dann als Postdoc an der UC Riverside in Kalifornien. Aktivitäten Von 1997 bis 2018 leitete er die Abteilung Aerosol- und Partikeltechnologie im Institut für Technische Chemie (ITC) des Karlsruher Instituts für Technolog ... mehr

    Prof. Dr. Stefan Bräse

    Stefan Bräse, geb. 1967, studierte Chemie in Göttingen und promovierte dort 1995 an der Universität. Nach Postdoktoraten in Uppsala/S und La Jolla/USA begann er an der RWTH ­Aachen mit seinen eigenständigen Arbeiten (Habilitation in organischer Chemie 2001) und wechselte 2001 als Professor ... mehr