26.09.2018 - Katholieke Universiteit Leuven

Gebrauchsfertige Rezeptur zur Umwandlung von Pflanzenabfällen in Benzin

Die Biowissenschaftsingenieure von KU Leuven, Belgien, wussten bereits, wie man im Labor aus Pflanzenabfällen wie Sägemehl Benzin herstellt. Jetzt haben die Forscher sozusagen eine Roadmap für industriellen Zellulose-Treibstoff entwickelt.

Im Jahr 2014 gelang es den Forschern am KU Leuven Centre for Surface Chemistry and Catalysis, Sägemehl in Bausteine für Benzin umzuwandeln. Ein chemisches Verfahren ermöglichte es, die Cellulose - den Hauptbestandteil der Pflanzenfasern - im Sägemehl in Kohlenwasserstoffketten umzuwandeln. Diese Kohlenwasserstoffe können als Zusatz in Benzin verwendet werden. Das entstehende Cellulosebenzin ist ein Biokraftstoff der zweiten Generation, erklärt Professor Bert Sels. "Wir beginnen mit Pflanzenabfällen und verwenden einen chemischen Prozess, um ein Produkt herzustellen, das eine perfekte Nachbildung des petrochemischen Gegenstücks ist. Im Endprodukt kann man den Unterschied zu fossilem Benzin nur durch Kohlenstoffdatierung erkennen."

Für diese Art der Bioraffination bauten die Forscher in ihrem Labor einen chemischen Reaktor, mit dem sie Cellulosebenzin im kleinen Maßstab produzieren können. "Aber die Frage blieb, wie die Industrie dies integrieren und in großen Mengen produzieren kann. Unser Forscher Aron Deneyer hat dies nun untersucht. Er untersuchte, in welchem Abschnitt des bestehenden Erdölraffinationsprozesses die Cellulose dem Erdöl am besten zugesetzt wird, um ein stark biobasiertes Benzin zu erhalten. Mit anderen Worten, wir haben jetzt ein gebrauchsfertiges Rezept für Cellulose-Kraftstoff, das die Industrie direkt anwenden kann: ohne Qualitätsverlust für das Benzin und bei maximaler Nutzung bestehender Anlagen."

Cellulosebenzin ist als Übergangsphase zu betrachten, betont Professor Sels. "Die Cellulose ist immer noch mit Erdöl vermischt: Dieses Benzin wird nie zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Der Stromverbrauch ist zu hoch, um das gesamte Benzin aus Pflanzenabfällen zu erzeugen. Unser Produkt bietet jedoch bereits die Möglichkeit, umweltfreundlicheres Benzin zu verwenden, während ein großer Teil der Fahrzeuge auf unseren Straßen noch mit flüssigem Kraftstoff fährt. Wir werden auch in Zukunft auf flüssige Kraftstoffe angewiesen bleiben, wenn auch in geringerem Maße, und dann können sie tatsächlich vollständig biobasiert sein. Wir vermuten daher, dass die Industrie Interesse an diesem Prozess zeigen wird."

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