Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

Immer der Nase nach: Den natürlichen Holzgeruch entschlüsseln

03.05.2017

PublicDomainPictures, pixabay.com, CC0

Welche Substanzen den natürlichen Holzgeruch verursachen, untersuchen Wissenschaftler des Fraunhofer IVV.

Nahezu in allen Lebensbereichen kommen wir mit Holz in Berührung. Vom Bodenbelag und Möbelstück, über verschiedenste Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie Kochlöffel oder Bleistifte, bis hin zum Einsatz in Lebensmitteln beispielsweise zur Vollendung des Aromas von Wein oder Spirituosen. Der charakteristische Geruch von Holz und Holzprodukten ist allerdings bisher wenig erforscht. Das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV hat deshalb in Kooperation mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersucht, welche Substanzen zum Holzgeruch beitragen.

Dem bekannten, jedoch weitgehend unerforschten Holzgeruch kommt Prof. Andrea Büttner, die im Fraunhofer IVV die Analytische Sensorik leitet und an der FAU eine Professur für Aromaforschung innehat, mit analytischen und humansensorischen Methoden auf die Spur. Linda Schreiner, eine ihrer Doktorandinnen, untersucht diejenigen Geruchsstoffe, die natürlicherweise im Rohstoff Holz enthalten sind und einen Beitrag zum Gesamtgeruch leisten. Dafür werden moderne geruchsanalytische Methoden, die im Bereich der Lebensmittelaromaforschung seit längerem etabliert sind, auch bei Holzproben angewendet. Bei der Auswahl der Holzproben wird ein besonderes Augenmerk auf ihren Einsatz in Gegenständen des täglichen Gebrauchs gerichtet. Das Holz wird zunächst von einem geschulten Panel hinsichtlich Geruchsqualitäten und -intensitäten sensorisch bewertet. Die einzelnen Geruchsstoffe werden anschließend aufgeschlüsselt und identifiziert. Dabei ist die eigene Nase wichtigstes Instrument zur Detektion der einzelnen Gerüche. Mit analytischen Methoden werden den wahrgenommenen Gerüchen Substanzen zugeordnet. Linda Schreiner konnte so eine Vielzahl an Geruchsstoffen unterschiedlichster Strukturen nachweisen, darunter auch neuartige Gerüche, die bisher noch nicht aus Holz bekannt waren. „Besonders spannend ist eine nach Bleistift riechende Substanz, die das bisher erstmals nachgewiesene natürliche Molekül mit Bleistiftgeruch darstellt.“, erklärt Schreiner. Die gefundenen Substanzen haben ihren Ursprung weitestgehend in den Holzinhaltsstoffen wie Fetten und Wachsen, Lignin und Terpenen, und entstehen zum Beispiel durch oxidativen Abbau.

„Mit diesen Erkenntnissen sind wir in der Lage, auch den Geruch von sekundären Holzprodukten wie Cellulosefasern oder Karton sowie Bedarfsgegenständen und Möbeln auf Holzbasis aufzuklären und herauszufinden, warum wir bestimmte Holzgerüche als besonders angenehm empfinden“, sagt Schreiner. Besonders interessant ist für die Wissenschaftlerin, welche der Geruchsstoffe aus naturbelassenem Holz charakteristisch sind. „Unser Ziel ist es, erwünschte und angenehme Gerüche zu erhalten und die Entstehung von Fehlgerüchen bei der Verarbeitung oder Behandlung des Holzes zu reduzieren oder vollständig zu vermeiden.“

Originalveröffentlichung:

Schreiner, L.; Loos, H. M.; Buettner, A.; "Identification of odorants in wood of Calocedrus decurrens (Torr.) Florin by aroma extract dilution analysis and two-dimensional gas chromatography–mass spectrometry/olfactometry"; Analytical and Bioanalytical Chemistry; 2017, 1-11.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Holz
  • Geruchsanalyse
  • Geruchsstoffe
Mehr über Fraunhofer-Institut IVV
  • News

    Neue Institutsleiterin im Fraunhofer IVV

    Zum 1. November 2019 wird Prof. Dr. Andrea Büttner als Institutsleiterin des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising berufen. Die Wissenschaftlerin etablierte am Fraunhofer IVV in den letzten Jahren bereits das Geschäftsfeld Produktwirkung sowie die Abteilu ... mehr

    Süßlicher Duft mit giftigem Beigeschmack?

    Bunte, weiche Schaumstofffiguren, sogenannte Squishies, erfreuen sich bei Kindern zunehmender Beliebtheit. Allerdings weisen einige Produkte einen auffälligen Geruch auf. Bei manchen Produkten ist der Geruch unangenehm, bei anderen durchaus attraktiv. Warum diese Produkte geruchlich so auff ... mehr

    Food-Scanner für die Hosentasche

    Laut einer Studie der Umweltstiftung WWF Deutschland landen jährlich zehn Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland im Müll, obwohl sie noch verzehrbar sind. Mit einem mobilen Food-Scanner sollen Verbraucher und Supermarktbetreiber in Zukunft prüfen können, ob Nahrungsmittel verdorben si ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV)

    Das Fraunhofer IVV ist Ihr Partner für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben aus der Industrie. Neben der industriellen Forschung bearbeiten wir öffentlich geförderte Forschungsprojekte. mehr

  • q&more Artikel

    Oligomere in polyesterbasierten Lebensmittelverpackungen

    Lebensmittelverpackungen ermöglichen viele Vorteile im Hinblick auf die Handhabung und Qualität von Lebensmitteln. Verpackungen aus Plastik haben hierbei die Vorzüge, dass sie leicht und flexibel sind und unterschiedlichsten Polymermodifikationen ein breites Anwendungsspektrum ermöglichen. mehr

  • Autoren

    Dr. Maria Hoppe

    Maria Hoppe, Jahrgang 1987, studierte von 2007–2013 Chemie an der Freien Universität Berlin und der Universität von Amsterdam. Von 2013–2018 war sie Doktorandin am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in der Abteilung Produktsicherheit und Analytik. 2018 erfolgte der ... mehr

Mehr über Fraunhofer-Gesellschaft
  • News

    Weltweit erste Herstellung des Materials Aluminiumscandiumnitrid per MOCVD

    Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF haben das bislang Unmögliche geschafft: Es ist ihnen – weltweit zum ersten Mal – gelungen, Aluminiumscandiumnitrid (AlScN) per metallorganischer chemischer Gasphasenabscheidung (MOCVD) herzustellen. Bauelemente auf d ... mehr

    3D-gedruckte Optiken für individualisierte Massenproduktion

    Individualisiert gefertigt und trotzdem tauglich für die Massenproduktion? Im Rahmen des Fraunhofer-Leitprojekts »Go Beyond 4.0« soll dieser scheinbare Widerspruch beseitigt werden. Im Teilbereich Beleuchtungsoptiken arbeiten die beiden Fraunhofer-Institute für Silicatforschung ISC und für ... mehr

    Keramische Technologien für hocheffiziente Power-to-X-Prozesse

    Die rasche Reduzierung von CO2-Emissionen ist weltweit eine der dringendsten und herausforderndsten Aufgaben unserer Zeit. Neben der Strategie, CO2-Emissionen zu vermeiden, gibt es bereits Technologien, um unvermeidbares CO2 in wertvolle Produkte umzuwandeln. Doch diese sogenannten Power-to ... mehr

  • Videos

    Effektive Abwasserreinigung durch Nanofiltration

    Wasser ist lebenswichtig – Abwässer müssen daher möglichst effizient gereinigt werden. Möglich machen das keramische Membranen, mit denen erstmalig 200 Dalton kleine Moleküle abtrennbar sind. Dieses Video zeigt, dass sich hiermit auch Industrie-Abwässer effizient reinigen lassen.Dr. rer. na ... mehr

    Flüssigkristalle als Schmierstoffe

    Schmierstoffe sind fast überall im Einsatz – in Motoren, Produktionsmaschinen, Getrieben, Ventilen. Obwohl sie in nahezu allen Maschinen für einen ruhigen Lauf sorgen, gab es auf diesem Gebiet in den vergangenen beiden Jahrzehnten keine grundlegenden Innovationen. Das Fraunhofer-Institut fü ... mehr

    Briefkontrolle mit Terahertz-Wellen

    Bislang ist es recht aufwändig, Briefe sicher und zuverlässig auf gefährliche Inhaltsstoffe wie Sprengstoffe oder Drogen hin zu untersuchen. Abhilfe könnte ein neuer Terahertz-Scanner schaffen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Physikalische Messtechnik IPM in Kaiserslautern und der Hüb ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.

    Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die führende Organisation für angewandte Forschung in Europa. Unter ihrem Dach arbeiten 59 Institute an über 40 Standorten in ganz Deutschland. Rund 17 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzielen das jährliche Forschungsvolumen von 1,5 Mrd Euro. Davon erwir ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.