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Eklogit



  Eklogite sind Gesteine, die unter eklogitfaziellen Druck- und Temperaturbedingungen metamorph überprägt wurden. Die Untersuchung von Eklogiten ist hilfreich bei paläogeographischen Rekonstruktionen. Treten Eklogite mit basaltischem (MORB = Mittelozeanischer-Rückenbasalt) Chemismus auf, so deutet dies darauf hin, dass ozeanische Kruste an einer Paläosubduktionszonen verschluckt und in große Tiefen transportiert wurde. Über Datierungen der Gesteine lassen sich zudem Abschätzungen über die frühe Geschichte der Plattentektonik auf der Erde anstellen.

Eklogit hat eine Dichte von 3,2-3,6 g/cm³. Er ist damit das dichteste aller Silikatgesteine, das an der Erdoberfläche aufgeschlossen ist, sehr fest und witterungsbeständig. Wegen seiner geringen Verbreitung wird er dennoch nur selten genutzt.[1]

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Inhaltsverzeichnis

Chemische Zusammensetzung

Eklogite mit basaltischem Chemismus bestehen aus grünem Klinopyroxen (omphazitreich: (Ca,Na)(Mg,Al)Si2O6) und rotem Granat (pyropreich). Daneben sind oft Quarz, Disthen, Rutil, Titanit und Pyrit enthalten. Eklogite mit granitischem Chemismus enthalten häufig aluminiumreichen Hellglimmer (Phengit). Kennzeichnend für alle Arten von Eklogiten ist das Fehlen von Plagioklas (Feldspat), der bei Druckerhöhung nach der Reaktion Albit = Jadeit + Quarz abgebaut wird. Bei extrem hohem Druck (Ultrahochdruck-Metamorphose) können auch Coesit, die Hochdruckmodifikation von Quarz, und Diamant enthalten sein.

Entstehung

Eklogite entstehen bei hohen Drücken ab ca. 10 kbar (entspricht ca. 35 km Tiefe) und mittleren bis hohen Temperaturen (500 bis 1000 Grad Celsius), also in Regionen mit niedrigen geothermischen Gradienten. Somit werden Eklogite häufig als Indikator für Paläosubduktionszonen angesehen. Sie können in seltenen Fällen aber auch an der Basis einer stark verdickten kontinentalen Kruste entstehen. Bei der Heraushebung an die Erdoberfläche können die Eklogite durch retrograde Metamorphose überprägt werden, wobei sich Minerale wie z.B. Plagioklas, Amphibol, Epidot und Biotit bilden, die aber nicht der eigentlichen eklogitfaziellen Mineralparagenese zugerechnet werden dürfen.

Vorkommen

Die ältesten bisher gefundenen Eklogite stammen aus dem paläoproterozoischen Usagaran-Gebirge in Tansania und haben ein Alter von 2 Milliarden Jahren. Die größten Eklogitvorkommen in Mitteleuropa befinden sich im Bereich der „Münchberger Gneismasse“, das größte Einzelvorkommen ist der Weißenstein bei Stammbach. Die Ausgangsgesteine der Eklogite der Münchberger Gneismasse waren unterseeische Vulkanite, die sich im Präkambrium vor ca 570 Ma (Millionen Jahre) bildeten.

Die alpinen Eklogite der Zentralalpen werden mit ca 100 Ma als relativ jung dargestellt. Für einige Teile wird ein höheres Alter vertreten: Eklogite des zentralen Ötztalkristallins und der Böhmischen Masse sollen aus einem Subduktionsvorgang vor ca 360 Ma (jüngstes Devon) und damit vom Beginn der variszischen Gebirgsbildung stammen.[2] Letzteres wird mit mehrfachen Metamorphosestadien auch für die Eklogite der Koralpe im steirischen Randgebirge vertreten (Mittelostalpines Deckenstockwerk, Koralmkristallin).[3]

Die jüngsten Eklogite sind die erst kürzlich im Himalaya entdeckten mit nur ca 49 Ma.

Literatur

Werner Geigner und Brigitta Hella Keil: Geologisch-mineralogischer Wander- und Exkursionsführer Eklogit, 2002 Conventus Musicus Verlag Dettelbach

Siehe auch: Liste der Gesteine

Referenzen

  1. Walter Schumann: Der neue BLV Steine- und Mineralienführer. München 1997. Seite 320.
  2. Hans Georg Krenmayr, Albert Daurer (Redaktion): Rocky Austria. Eine bunte Erdgeschichte von Österreich. Geologische Bundesanstalt, Wien 1999, Seite 36. ISBN 3-85316-006-9.
  3. Helmut W. Flügel, F. Neubauer: Geologie der österreichischen Bundesländer in kurzgefassten Einzeldarstellungen. Steiermark. Erläuterungen zur Geologischen Karte der Steiermark 1:200 000. Geologische Bundesanstalt, „Bundesländerserie“ . Wien 1984. Seite 70.
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Eklogit aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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