Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

Merck KGaA



Merck KGaA
Unternehmensform Kommanditgesellschaft auf Aktien
ISIN DE0006599905
Gründung 1668
Unternehmenssitz Darmstadt

Unternehmensleitung

Karl-Ludwig Kley, Vorstandsvorsitzender

Mitarbeiter ca. 35.000 (März 2007)
Umsatz 6.259 Mio. Euro (2006)
Branche Chemie- und Pharmaindustrie
Website www.merck.de

 

Die Merck KGaA (in Nordamerika EMD) ist ein deutsches Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie mit Sitz in Darmstadt. Die heutige Merck KGaA ist völlig unabhängig von dem (deutlich größeren) US-amerikanischen Pharmakonzern Merck & Co., Inc.. Beide Unternehmen sind aber auf die deutsche Industriellen-Familie Merck zurückzuführen, welche die Merck & Co, Inc. bis zum Ersten Weltkrieg als Tochtergesellschaft der Merck KGaA betrieb. In Folge des Krieges wurde die Merck & Co., Inc. durch Enteignung ein eigenständiges Unternehmen.

Die deutsche Merck KGaA verlor mit der Enteignung der US-Tochter auch die Rechte an dem Namen Merck in Nordamerika, und darf diesen dort nicht mehr verwenden. Daher tritt sie in Nordamerika unter dem Namen EMD (abgeleitet von Emanuel Merck, Darmstadt) auf. Im Gegensatz dazu firmiert die amerikanische Merck & Co., Inc. in der übrigen Welt als MSD Sharp & Dohme.

Die Merck KGaA, eine Kommanditgesellschaft auf Aktien, ist noch immer überwiegend in Familienbesitz. Über die E. Merck OHG als Komplementär hält die Familie rund 70 % des Gesamtkapitals, 30 % des Kapitals lauten auf die Aktien der Kommanditaktionäre. Seit 1995 werden die Aktien an der Börse gehandelt und sind seit dem 15. Juni 2007 im DAX vertreten.

Die Anfänge von Merck gehen bis in das Jahr 1668 zurück, Merck gilt damit als das weltweit älteste Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Unternehmensgeschichte

  Im Jahr 1668, zwei Jahrzehnte nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, erwarb der aus Franken stammende Friedrich Jacob Merck die Engel-Apotheke in Darmstadt, die zur Keimzelle des Konzerns werden sollte.

Gemeinsame Geschichte bis zum Ersten Weltkrieg

      1816 übernahm Heinrich Emanuel Merck die väterliche Firma. Der Apotheker war gut mit dem Chemiker Justus Liebig befreundet und beschäftigte sich intensiv mit der Chemie pflanzlicher Naturstoffe. Er erforschte systematisch das pharmazeutische Potential der so genannten Alkaloide, einer hochwirksamen Stoffgruppe, zu denen unter anderem das Morphin zählt. In kleinen beschrifteten Kästchen, den „Novitäten-Cabinetten“, verkaufte Merck seine Mittel an Kollegen, Ärzte und Chemiker. Aus der Produktion entwickelte sich eine pharmazeutisch-chemische Fabrik.
Im Jahr 1827 begann er mit der Produktion und dem Vertrieb dieser Substanzen im industriellen Maßstab. Die Alkaloide des Unternehmens wurden rasch durch ihre Reinheit überregional bekannt. Das früheste überlieferte Markenzeichen ist die Abbildung eines Engels – ein Hinweis auf den Namen der Darmstädter Apotheke.
1850 gründete er mit seinen Söhnen die „Geschäftssocietät“. Nach dem Tod des Vaters führten die Nachkommen Carl, Georg und Wilhelm das Unternehmen weiter. Mit 50 Beschäftigten produzierten sie Arzneimittelgrundstoffe und verschiedene Feinchemikalien. Merck stellte 1860 bereits mehr als 800 Artikel nach verbindlich formulierten Reinheitsstandards her, was zu dieser Zeit als bahnbrechend galt[1].

  Schnell wuchsen die Handelsbeziehungen in alle europäischen Metropolen. Beim Tod Heinrich Emanuels im Jahr 1855 hatte das Unternehmen 50 Beschäftigte. Im Jahr 1887 übernahm Georg Merck die Vertretung der Firma in New York, wo er 1891 die Firma Merck & Co. gründet.

  1903/04 wurden die gesamten Produktionsanlagen an den nördlichen Rand von Darmstadt verlegt, wo sich die Unternehmenszentrale noch heute befindet. Zugleich begann neben der Produktion von Grundstoffen auch die Herstellung gebrauchsfertiger Arzneimittel. Im letzten Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg stiegt der Umsatz von 12 auf 26 Millionen Mark.

Der idealerweise ausschließlich in Ecstasy verwendete Wirkstoff MDMA wurde 1912 von Chemikern der Firma E. Merck aus Darmstadt synthetisiert und zum Patent angemeldet. MDMA wurde aber nie als Medikament vermarktet, jedoch testete die United States Army 1953 den Reinstoff vergeblich als „Psychokampfstoff“ und „Wahrheitsdroge“.

Nach Enteignung des Auslandsgeschäfts

In Folge der Kriegseinwirkungen verlor das Unternehmen durch Enteignung das gesamte Auslandsgeschäft, darunter 1917 auch die sehr erfolgreiche US-Tochter Merck & Co., USA., die in der Folge ein eigenständiger amerikanischer Pharma-Konzern wurde.

In den 1920er Jahren blühte das Unternehmen aber rasch wieder auf. Neue Produkte, wie z.B. Vitamine und Pflanzenschutzmittel, waren sehr erfolgreich. Unter anderem entstand in dieser Zeit auch das noch heute populäre Vitamin-C-Präparat Cebion. Bis zum Jahr 1929 stiegt der Umsatz von Merck auf 44 Millionen Mark.
Die Firmenstruktur hat sich seit der Gründung der Societät im Jahr 1850 stark verändert. Als 1920 ein Direktorium gebildet wurde, rückten erstmals Mitarbeiter in die Unternehmensleitung auf, die keine Familienmitglieder waren. Entscheidungen über wichtige Fragen konnte allein das Gesamtdirektorium fällen, dessen Vorsitz nur die Firmeninhaber bekleiden durften. Auch die Produktpalette erweiterte sich. Neben Pflanzenschutzmitteln bot Merck später etwa auch Vitaminpräparate, Schädlingsbekämpfungsmittel und Konservierungsstoffe an[1].

1944 wurde das Werksgelände der Firma zu 80 % zerstört. Aber dennoch begann bald der Wiederaufstieg: Merck wuchs endgültig zu einem weltumspannenden Konzern. In den 1960er Jahren wurde intensiv mit der Forschung auf dem Gebiet der Flüssigkristalle begonnen, die nach anfänglich sehr geringen Verkaufserlösen ab Ende der 1990er Jahre zu einem wichtigen Standbein des Unternehmens werden sollten.

2006 lieferten sich Merck und die Bayer AG eine Übernahmeschlacht um den Berliner Pharmakonzern Schering AG. Nachdem Schering ein erstes Angebot von Merck abgelehnt hatte, legte Bayer ein höheres Angebot in Höhe von 86 Euro je Anteilsschein vor. Merck torpedierte dieses Angebot durch Zukäufe von Schering-Aktien im großen Stil. Merck konnte über die Börse 21,8 % der Schering-Aktien erwerben. Bayer rettete die Übernahme, indem die Aktien zu 89 Euro von Merck übernommen wurden. Dadurch konnte Merck innerhalb weniger Tage einen Gewinn von etwa 400 Mio. Euro erzielen.[2]. Im Vergleich dazu betrug der gesamte Jahresnettogewinn 2005 658,9 Millionen Euro.

2006 kaufte Merck das Genfer Biotechnologie-Unternehmen Serono S.A. für rund 16 Milliarden Schweizer Franken. Seit Januar 2007 besitzt Merck die Mehrheit an Serono und ist damit nicht nur Weltmarktführer bei Flüssigkristallen, sondern auch Nummer 3 der Biotechnologie-Unternehmen[3].

Merck KGaA heute

Für das Unternehmen sind rund 35.000 Mitarbeiter (einschließlich Serono) tätig. Davon ca. 9.000 in Deutschland, allein im Darmstädter Stammwerk ca. 8.000. In 24 Ländern mit 54 Standorten wird produziert. In 62 Ländern ist Merck weltweit mit 246 Gesellschaften (Stand Mai 2007) vertreten. Seit 1995 werden die Aktien des Unternehmens an der Börse gehandelt. Die Kapitalmehrheit (ca. 70 %) der KGaA liegt bei der als Komplementär auftretenden E. Merck OHG, die nach wie vor von der Familie Merck geleitet wird und die strategischen Leitlinien des Konzerns vorgibt. Das Kapital der E. Merck OHG wird überwiegend von stillen Gesellschaftern gehalten, die der inzwischen weit verzweigten Familie Merck angehören.

Während in den vergangenen Jahren weltweit sehr viele Chemie- und Pharmaunternehmen sich konsequent auf ein Geschäftsfeld fokussiert haben – beispielsweise haben sich Degussa, BASF, DuPont und Altana von ihren Pharmaaktivitäten getrennt, während umgekehrt beispielsweise Roche, Boehringer Ingelheim und die Hoechst AG ihre Chemieaktivitäten verkauften – setzt die Merck KGaA weiterhin auf beide Standbeine Pharma und Chemie.

Unternehmensbereich Pharma

Der Unternehmensbereich Pharma gliedert sich in drei Sparten:

Merck Serono (Originalpräparate „Ethicals“)

Schwerpunkt des Unternehmensbereiches Pharma sind Produktion und Vertrieb von Originalpräparaten auf den Gebieten:

  • Onkologie mit dem monoklonalen Antikörper (Erbitux / Cetuximab)
  • Diabetes (Glucophage mit dem Wirkstoff Metformin)
  • Schilddrüsenerkrankungen (Euthyrox / Levo-Thyroxin)
  • Herz-Kreislauf (Concor/ Bisoprolol)
  • entzündliche Erkrankungen (Decortin / Prednison)
  • Gesundheit der Frau (Hormonsubstitutionstherapie)

Forschungsschwerpunkt Onkologie
Der Schwerpunkt im Bereich Forschung und Entwicklung von Merck Serono liegt auf dem Gebiet der Onkologie. Merck arbeitet hier an der Entwicklung von Therapien, die zielgerichtet auf Krebszellen wirken, ohne gesunde Zellen zu schädigen. Die Entwicklungsprojekte nutzen das Potenzial von Immunologie, Biotechnologie und Molekularbiologie, um den Körper bei seinem eigenen Kampf gegen Krebszellen zu unterstützen. Das Ziel sind effektive Therapien, die verträglicher sind als andere zur Zeit verfügbare Therapiemöglichkeiten.
Merck forscht dabei auf vier Hauptgebieten:

  • monoklonale Antikörper, die das Krebswachstum blockieren
  • therapeutische Krebsimpfstoffe (Vakzine), welche die körpereigene Immunabwehr gegen Tumore mobilisieren
  • Immunozytokine, die Tumorzellen erkennen und eine lokale Immunantwort hervorrufen
  • Angiogenesehemmer, die Tumore „aushungern“, indem sie von der weiteren Versorgung mit Nährstoffen abgeschnitten werden.

Mit diesen gezielten Behandlungsansätzen soll die Überlebenszeit der Patienten verlängert und ihre Lebensqualität verbessert werden. Zu den wichtigsten Entwicklungssubstanzen gehören die monoklonalen Antikörper Cetuximab (chimär) und Matuzumab (humanisiert), das Tumorvakzin Stimuvax und der Angiogenesehemmer Cilengitide.

Generika (Generics)

Mit verschiedenen Tochterfirmen in verschiedenen Ländern gehörte die Merck KGaA zu den umsatzstärksten Generika-Herstellern der Welt. Im Mai 2007 verkaufte Merck Generika für 4,9 Milliarden Euro an das US-Unternehmen Mylan Laboratories.

Selbstmedikation (Self-Medication)

Nicht-verschreibungspflichtige, sogenannte OTC-Arzneimittel, zur Selbstmedikation wie beispielsweise Nasivin, Multibionta, Kohlekompretten, Kytta-Salbe

Unternehmensbereich Chemie

Im Bereich Spezialchemie hat Merck 2 Sparten.

Flüssigkristalle (Liquid Crystals)

Ein Pionier ist die Merck KGaA im Bereich der LCD-Technik. Merck ist der weltgrößte Hersteller von Flüssigkristallen, die für die Herstellung von LC/TFT-Displays benötigt werden. Der Weltmarktanteil liegt bei über 60 %.
Im März 2005 wurde die zum Avecia-Konzern gehörende Covion Organic Semiconductors GmbH von Merck übernommen. Das ursprünglich aus der Hoechst AG abgespaltene Unternehmen mit Sitz im Industriepark Höchst, stellt organische lichtemittierende Materialien für OLEDs her. Das in Merck OLED Materials GmbH umbenannte Unternehmen ist Bestandteil der Flüssigkristallsparte. Zusammen mit einer Forschungs- und Entwicklungseinheit auf dem Gebiet der Polymerelektronik, die in Manchester angesiedelt ist, zahlte Merck für die Übernahme 50 Mio. Euro in bar. 100 Mitarbeiter wurden in die Sparte Flüssigkristalle integriert[4].

Performance & Life Science Chemicals

Reagenzien und Testkits für Industrie, Forschungslabor und Umweltanalyse. Produkte und Dienstleistungen für die gesamte Prozesskette der Arzneimittelentwicklung und -herstellung, beispielsweise für die Chromatographie Chromolith. Roh- und Wirkstoffe für die Kosmetik: Eusolex, RonaCare. Weitere Produkte in dieser Sparte sind Effektpigmente für industrielle Anwendungen und für die Kosmetikindustrie, beispielsweise Iriodin, Colorstream und Xirallic.

Einzelnachweise

  1. a b Von der Apotheke zum Weltkonzern
  2. „Merck hat Bayer richtig abgezockt“
  3. Merck besitzt Serono zu 98 Prozent
  4. Pressemitteilung der Merck KGaA

Literatur

Ingunn Possehl: Modern aus Tradition. Geschichte der chemisch-pharmazeutischen Fabrik E. Merck Darmstadt. Darmstadt 1994, ISBN 3-9801965-4-2.

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Merck_KGaA aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.