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Wie zwei Wassermoleküle miteinander tanzen

14.08.2019

roegger, pixabay.com, CC0

Wasser hat eine Reihe von merkwürdigen Eigenschaften, für die spezielle Wechselwirkungen zwischen den Wassermolekülen verantwortlich sind.

Obwohl Wasser allgegenwärtig ist, ist die Wechselwirkung zwischen einzelnen Wassermolekülen bislang nicht vollständig verstanden.

Ein internationales Forschungsteam hat neue Erkenntnisse zu der Interaktion von Wassermolekülen gewonnen. Die Wissenschaftler konnten erstmals alle Bewegungen zwischen den Wassermolekülen, die sogenannten intermolekularen Schwingungen, vollständig beobachten. Von besonderer Bedeutung ist eine bestimmte Bewegung einzelner Wassermoleküle gegeneinander, die sogenannte gehinderte Rotationsbewegung. Die Erkenntnisse helfen unter anderem, die Energielandschaft der Moleküle besser zu bestimmen und somit die merkwürdigen Eigenschaften des Wassers besser zu verstehen.

Unbekannte Wechselwirkungen

Wasser ist das wichtigste Lösungsmittel in der Chemie und Biologie und besitzt eine Reihe von merkwürdigen Eigenschaften – zum Beispiel, dass es seine größte Dichte bei vier Grad Celsius erreicht. Verantwortlich dafür sind die speziellen Wechselwirkungen zwischen den Wassermolekülen. „Diese Wechselwirkungen zu beschreiben stellt die Forschung seit Jahrzehnten vor eine Herausforderung“, sagt Martina Havenith, Leiterin des Bochumer Lehrstuhls für Physikalische Chemie II und Sprecherin des Exzellenzclusters Ruhr Explores Solvation (Resolv).

Versuche bei extrem tiefen Temperaturen

Das Team untersuchte die einfachste denkbare Wechselwirkung, nämlich zwischen genau zwei einzelnen Wassermolekülen, mittels Terahertz-Spektroskopie. Dabei schicken die Forscher kurze Strahlungspulse im Terahertz-Bereich durch die Probe, welche einen Teil der Strahlung absorbiert. Das Absorptionsmuster verrät etwas über die Anziehung zwischen den Molekülen. Für die Versuche war ein Laser mit besonders starker Leuchtkraft erforderlich, wie er in Nimwegen zur Verfügung steht. Die Wassermoleküle analysierten die Forscher bei extrem tiefen Temperaturen. Dazu lagerten sie nacheinander einzelne Wassermoleküle bei 0,37 Kelvin in einen winzigen Tropfen aus superflüssigem Helium ein. Dieser Tropfen funktioniert wie ein Staubsauger, der einzelne Wassermoleküle einfängt. Aufgrund der niedrigen Temperatur kommt es zu einer stabilen Bindung von zwei Wassermolekülen zueinander, die bei Zimmertemperatur nicht stabil wäre.

Mit diesem Versuchsaufbau konnte die Gruppe erstmals ein Spektrum der gehinderten Rotationsbewegung von zwei Wassermolekülen aufnehmen. „Wassermoleküle bewegen sich permanent“, erklärt Martina Havenith. „Sie drehen, öffnen und schließen sich.“ Ein Wassermolekül, das ein zweites Wassermolekül in seiner Nähe hat, kann sich jedoch nicht frei drehen – daher spricht man von gehinderter Rotationsbewegung.

Eine mehrdimensionale Energielandkarte

Die Wechselwirkung der Wassermoleküle lässt sich auch in Form des sogenannten Wasserpotenzials darstellen. „Das ist eine Art mehrdimensionale Landkarte, die vermerkt, wie sich die Energie der Wassermoleküle ändert, wenn sich zwischen den Molekülen die Abstände oder Winkel zueinander ändern“, beschreibt Martina Havenith. Aus dem Wasserpotenzial lassen sich alle Eigenschaften, beispielsweise Dichte, Leitfähigkeit oder Verdampfungstemperatur, ableiten. „Unsere Messungen erlauben nun den bestmöglichen Test aller bisher entwickelten Potenziale“, resümiert die Forscherin.

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  • Autoren

    Kevin Wonner

    Kevin Wonner, Jahrgang 1995, studierte Chemie mit dem Schwerpunkt der elektrochemischen Untersuchung von Nanopartikeln an der Ruhr-Universität Bochum und ist seit 2018 Doktorand am Lehrstuhl für Analytische Chemie II von Prof. Dr. Kristina Tschulik im Rahmen des Graduiertenkollegs 2376. Er ... mehr

    Mathies V. Evers

    Mathies Evers, Jahrgang 1989, studierte Chemie an der Ruhr-Universität Bochum, wo er an der Synthese atompräziser molekularer Cluster forschte. Nach seinem Masterabschluss begann er seine Doktorarbeit am Lehrstuhl für Analytische Chemie II von Prof. Dr. Kristina Tschulik und wird durch den ... mehr

    Prof. Dr. Kristina Tschulik

    Kristina Tschulik promovierte im Jahr 2012 an der TU Dresden und arbeitete als Postdoktorandin am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden sowie an der Universität Oxford. Danach baute sie gefördert durch ein NRW-Rückkehrprogramm die Arbeitsgruppe für „Elektrochemie u ... mehr

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