07.10.2020 - Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI)

Chemieprojekte zum nachhaltigen Umgang mit Wasser prämiert

VCI kürt Preisträger des Responsible-Care-Wettbewerbs 2020

Trockenheit und heiße Sommer bestimmen vielerorts die Diskussion über Wasser. Dass die chemisch-pharmazeutische Industrie mit dieser Ressource verantwortlich umgeht, zeigen die Preisträger des diesjährigen Responsible-Care-Wettbewerbs. Sie wurden vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) ausgezeichnet. Gerd Romanowski, VCI-Geschäftsführer Technik und Umwelt, betonte bei der Preisverleihung: „Früher ging es beim Wasser um den Umweltschutz. Heute geht es vor allem um eine schonende Nutzung dieser Ressource und die Einträge von Mikroplastik und Spurenstoffen in Gewässer. Stolz macht mich, wie die Chemieindustrie mit diesen Herausforderungen umgeht. Die Vielfalt unserer Siegerprojekte zeigt, welche kreativen Lösungen sich die Unternehmen einfallen lassen.“

Beim Responsible-Care-Wettbewerb 2020 suchten der VCI und seine Landesverbände beispielhafte Projekte zum „Nachhaltigen Umgang mit Wasser“. Die mit unabhängigen Fachleuten besetzte Jury verständigte sich auf die Vergabe von zwei ersten Plätzen, einem dritten Platz sowie einem Preis für ein herausragendes Projekt aus dem Mittelstand.

Einer der ersten beiden Preise ging in diesem Jahr an Evonik Operations GmbH in Hanau mit ihrem Projekt „Unter Strom: Sauberes Wasser dank Elektrostatik“. Mithilfe elektrischer Felder wird Mikroplastik aus dem Abwasser abgetrennt und kann dann wiederaufbereitet werden – ganz im Sinne einer Kreislaufwirtschaft. Anspruch des Projekts ist es auch, die Bevölkerung für Mikroplastik und dessen Auswirkungen bei nicht sachgerechter Entsorgung zu sensibilisieren. Das Forschungsprojekt von Evonik überzeugte die Jury, weil ein topaktuelles Thema aufgegriffen wird. Es habe Potenzial, auch im großen Maßstab, mit einer Vielfalt an Polymeren zu funktionieren und zukünftig den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt zu minimieren.

Das Werk Brunsbüttel der Sasol Germany GmbH erhielt mit dem Projekt „Einsparung von Wasser und Reduzierung von Abwasser durch Substitution der Ringflüssigkeit in einer Vakuumanlage“ ebenfalls einen ersten Preis. Ausgezeichnet wurde der Einsatz eines eigenen flüssigen Produkts in betrieblichen Vakuumpumpen, um damit den im Produktionsprozess benötigten Unterdruck zu erzeugen. Diese Umstellung macht künftig die Verwendung von Frischwasser bei diesem Prozess überflüssig und führt damit zu einer Einsparung von 2.200 Kubikmeter Wasser im Monat. Das entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch von 150 Haushalten mit vier Personen. Vor der Umsetzung des Projekts konnte die Leistungsfähigkeit der entsprechenden Vakuumanlage nur durch ständige Zugabe von Frischwasser erhalten werden. Für die Jury war überzeugend, dass mit dem Projekt eine jährliche Einsparung von rund 80 Prozent des zuvor benötigten Wassers gelungen ist.

Der dritte Preis ging dieses Jahr nach Ibbenbüren an die Nouryon Industrial Chemicals GmbH mit dem Projekt „Abwasserfreies Chemiewerk – keine Utopie mehr!“. Durch die Integration von Abwasserströmen in die Produktionsprozesse konnte das Unternehmen diverse Anfallstellen abbauen oder stark reduzieren. Zehn Optimierungsprojekte haben bis heute zu einer Reduktion der Abwassermengen seit 2001 um 70 Prozent geführt. Große Einsparungen wurden bei der Planung einer abwasserfreien Chlorproduktion mit einem Membranverfahren erzielt, das Ende 2017 in Betrieb genommen wurde. Nouryon betreibt diese Chlor-Alkali-Elektrolyse gemeinsam mit seinem Joint-Venture-Partner, der Evonik Industries AG. Bis 2023 will das Unternehmen die Abwassermengen um 85 Prozent gegenüber 2001 senken. Abwasserfrei soll der Standort von Nouryon in Ibbenbüren dann bis zum Jahr 2035 werden. Die Jury würdigte die jahrelangen Anstrengungen und das ehrgeizige Ziel des Unternehmens.

Den Mittelstandspreis gewinnt die SystemKosmetik GmbH aus Münster am Lech mit dem Projekt „Gezielte Abwasservorbehandlung zur Entlastung der kommunalen Kläranlage“. Mit der Errichtung einer Flotationsanlage einschließlich Schlammentwässerung, die individuell für dieses Abwasseraufkommen geplant wurde, und auch nur so eine entsprechende Reinigungsleistung möglich ist, kann das Unternehmen die Abwässer aus der Kosmetikproduktion gezielt vorbehandeln. Durch Online-Messungen bestimmter Stellgrößen kann eine kontinuierliche Einleitung des Abwassers in die öffentliche Kanalisation erfolgen. Nach der Vorreinigung ist das Abwasser sogar deutlich besser abbaubar als häusliche Abwässer, was sich bei den vierteljährlichen Messungen immer wieder bestätigt. Das Projekt, und vor allem die gelungene Zusammenarbeit mit der Gemeinde, ist vorbildlich, heißt es in der Begründung der Jury.

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