23.06.2021 - Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh)

Tenside mit regionalen Pflanzenölen für nachhaltige Haushalts- und Körperpflegemittel

Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie 2020 geht an Edgar Endlein

Dr. Edgar Endlein, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung, Werner & Mertz GmbH, Mainz, erhält am 7. Juli 2021 den Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie 2020. Der Preis der gleichnamigen Stiftung, die bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelt ist, ist mit 10.000 Euro dotiert. Verliehen wird er für die Markteinführung einer Innovation in der Chemie, die insbesondere unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit einen besonderen Wert für die Gesellschaft besitzt. Edgar Endlein engagiert sich seit Jahren erfolgreich in der Überführung von Tensiden auf Basis regionaler europäischer Pflanzenöle in nachhaltige Produkte der Haushalt- und Körperpflege und deren Markteinführung. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen einer virtuellen Feierstunde und wird von Prof. Dr. Peter R. Schreiner, Präsident der GDCh, vorgenommen.

Für einen nachhaltigen Umgang mit begrenzten Ressourcen müssen zunehmend erneuerbare Materialien und regenerative Energie verwendet werden. Auch Biodiversität muss respektiert und bewahrt werden, um sie für zukünftige Generationen zu erhalten. Waschaktive Substanzen, sogenannte Tenside, in Wasch-, Reinigungs- und reinigenden Körperpflegemitteln sollen vor diesem Hintergrund biologisch abbaubar sein, das bestmögliche (öko-)toxikologische Profil aufweisen, pflanzlich basiert sein und der landwirtschaftliche Anbau und die Logistik sollten eine möglichst geringe Umweltbelastung darstellen. Zunehmend werden daher erneuerbare Pflanzenöle für die Herstellung von Tensiden verwendet. Viele der verwendeten Pflanzenöle stammen aber nicht aus biodiversen Quellen, sondern basieren auf Palmkernöl oder auf Kokosöl.

Die Verwendung regionaler europäischer Pflanzenöle würde zu einer größeren Vielfalt führen. Allerdings sind solche Ölpflanzen anders zusammengesetzt als tropische: Die Kohlenstoffkette der Triglyceride europäischer Ölsaaten ist generell länger und abhängig von der Pflanzenart sind die enthaltenden Fettsäuren mehr oder weniger ungesättigt. Beides hat Einfluss auf die chemische Reaktivität und die anwendungstechnischen Eigenschaften. Aus diesem Grund ist zusätzlicher Forschungs- und Entwicklungsaufwand nötig, um solche Tenside auf Basis von Ölpflanzen der gemäßigten Klimazone in Rezepturen von Haushalts- und Körperpflegemitteln einzusetzen.

Dieser Herausforderung hat sich Dr. Edgar Endlein angenommen. Die verwendeten Zuckertenside beispielsweise auf Basis von Sonnenblumenöl sind fast vollständig aus erneuerbarem Kohlenstoff aufgebaut. Genau wie solche auf Basis von Rapsöl sind sie außerdem extrem mild und hautfreundlich, können stabile Schäume bilden und zeigen starke Emulgiereigenschaften. Dank seines innovativen und zukunftsgerichteten Denkens und Handelns konnte der Preisträger in den letzten Jahren erfolgreich die Tenside auf Basis regionaler europäischen Pflanzenöle in Wasch- und Reinigungsmitteln der Marke Frosch zur Anwendung führen. Seine Entwicklung und deren Markteinführung besitzen insbesondere unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit einen besonderen Wert für die Gesellschaft.

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