01.06.2022 - LANXESS AG

Lanxess trennt sich von Spezial-Kunststoffen

LANXESS und Advent übernehmen in einem Milliardendeal das Kunststoffgeschäft Engineering Materials von DSM

(dpa-AFX) Der Chemiekonzern Lanxess treibt seinen Umbau mit dem perspektivischen Ausstieg aus dem Geschäft mit Hochleistungskunststoffen für die Auto- und Elektroindustrie voran. Der MDax-Konzern bringt diesen Geschäftsbereich in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Beteiligungsgesellschaft Advent ein, das im gleichen Zuge in einem Milliardendeal das Kunststoffgeschäft Engineering Materials des niederländischen Konzerns Royal DSM übernimmt.

"Lanxess wird noch einmal deutlich weniger abhängig von Konjunkturschwankungen", sagte Konzernchef Matthias Zachert laut Mitteilung vom Dienstag.

Das neue Gemeinschaftsunternehmen der Kölner und des Finanzinvestors Advent zahlt für das Engineering-Materials-Geschäft von DSM 3,7 Milliarden Euro. Lanxess bringt zudem seinen Geschäftsbereich High Performance Materials (HPM) in das neue Unternehmen ein. Über einen solchen Deal wurde schon seit Monaten spekuliert, denn Lanxess überführte eigene Aktivitäten, die denen von DSM ähneln, unter dem Namen HPM bereits in eine eigenständige Gesellschaft. Diese produziert Hochleistungskunststoffe vor allem für die Automobil- sowie die Elektro- und Elektronikindustrie.

Das Lanxess-Geschäft mit 1900 Mitarbeitern und dem wichtigsten Standort in Antwerpen stehe für einen jährlichen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro bei einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen von rund 210 Millionen Euro, wie Lanxess weiter mitteilte. Der Geschäftsbereich von DSM erwirtschaftet den Angaben zufolge mit 2100 Mitarbeitern bei einem Umsatz von ebenfalls rund 1,5 Milliarden Euro eine operative Marge von etwa 20 Prozent, absolut also in etwa 300 Millionen Euro operativen Gewinn.

An dem neuen Gemeinschaftsunternehmen soll Advent mindestens 60 Prozent halten. Lanxess werde im Gegenzug eine erste Zahlung von mindestens 1,1 Milliarden Euro sowie einen Anteil von bis zu 40 Prozent erhalten, hieß es weiter. Der Vollzug werde in der ersten Jahreshälfte 2023 erwartet. Mit dem Geld will Zachert Schulden tilgen. Auch ein Aktienrückkaufprogramm für bis zu 300 Millionen Euro ist angedacht.

Mit dem Schritt wird Lanxess das HPM-Geschäft auch nicht länger vollkonsolidieren, womit der Konzern noch aus drei Spezialchemie-Segmenten bestehen wird. Zudem können die Kölner ihren Anteil am neuen Gemeinschaftsunternehmen frühestens nach drei Jahren zur gleichen Bewertung an Advent veräußern. Allerdings könnte das operative Ergebnis bis dahin deutlich steigen, da umfangreiche Kostensenkungen im Zuge der Zusammenführung mit dem DSM-Bereich erwartet würden.

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